Hayingen / Anne Laaß  Uhr

Reifen quietschen, kurz bevor sich ein Auto in einer Linkskurve überschlagen hat: „Ich habe es am Geräusch gehört“, erzählt Ersthelfer Constantin Bayer, der in der Nähe des Unfallortes in Indelhausen wohnt. Bereits da sei ihm aufgefallen, dass etwas nicht stimmte, als dann das Auto nicht mehr auf der Straße zu sehen war, machte sich der damals 27-Jährige auf den Weg. Was ihn erwarten würde, war ihm nicht klar. „Es war alles ein Automatismus, man denkt nicht, man handelt einfach“, betont der Ersthelfer. Sein schnelles Eingreifen rettete letztlich zwei Menschen das Leben.

Der Unfall ereignete sich im Februar: Die 74-jährige Fahrerin war auf der Kreisstraße 6769 unterwegs. Sie verlor die Kontrolle über ihren Wagen und kam von der Fahrbahn ab. Der Mercedes überschlug sich und kam in der Großen Lauter auf dem Dach zum Liegen, hieß es im Polizeibericht.

Constantin Bayer befreite damals sowohl die Fahrerin als auch ihren Beifahrer aus dem Wagen. Die leblose 74-Jährige musste er wiederbeleben. „Solche Bilder vergisst man nicht“, erklärt Bayer und ergänzt: „Als ich dann ihren Puls gefühlt habe, habe ich den Notruf abgesetzt“, erinnert sich der Ersthelfer. Er sei sich damals nicht sicher gewesen, ob die Rettungskräfte schon alarmiert wurden und wollte sichergehen. Im Einsatz waren unter anderem die Feuerwehren aus Hayingen und Münsingen. Ein Rettungshubschrauber brachte die Seniorin mit schweren Verletzungen in eine Klinik. Auch der 77-jährige Beifahrer wurde ins Krankenhaus gebracht.

Seitdem sind gut vier Monate vergangen, doch die beispielhafte Leistung Bayers ist nicht vergessen worden. Hayingens Bürgermeister Kevin Dorner sprach im Namen der Stadt und des Gemeinderates einen Dank aus. Im Rathaus anwesend war auch Indelhausens Ortsvorsteher Karl-Josef Aßfalg. Er würdigte das Verhalten von Constantin Bayer und betonte, dass es aller Ehren wert gewesen sei. Im Februar in die Lauter zu steigen und die eigene Gesundheit hinten anzustellen, um Menschen zu retten, sei mutig gewesen, führte Aßfalg aus. Ein Lob für diese Zivilcourage äußerte auch Bürgermeister Dorner.

„Sie sind so beherzt tätig geworden und haben dadurch zwei Menschen aus einem Auto gerettet, dafür möchte ich ihnen eine Dankesurkunde überreichen“, sagte Dorner. Im Namen der Stadt Hayingen wolle man so den Einsatz anerkennen und ein herzliches Dankeschön aussprechen. Es sei für alle Beteiligten gut ausgegangen, was aber ohne das Eingreifen des Indelhauseners nicht der Fall gewesen wäre, betonte der Ratschef. Constantin Bayer habe vorbildlich gehandelt und sei ein gutes Beispiel für Zivilcourage gegeben: „Es gibt eben noch Menschen, die beherzt eingreifen“, erklärt Dorner. Ihm sei daher wichtig gewesen, die Ehrung öffentlich zu machen, um dieses Engagement nach Außen zu tragen. Schließlich höre man zunehmend von Menschen, die zwar filmen, aber nicht helfen würden, merkten die Anwesenden kritisch an. Umso mehr sei die Leistung von Bayer zu würdigen, sind sich Aßfalg und Dorner einig.

„Es freut mich sehr, dass es anerkannt wird“, äußert sich Bayer. Für ihn sei es keine Frage gewesen, zu helfen. Trotzdem merkt er an, dass es schon eine seltsame Situation gewesen sei. „Ich wusste nicht, was mich erwartet, aber man handelt von innen heraus, ohne zu überlegen“, beschreibt er. In seinen Erinnerungen war die Lauter nicht kalt. Vermutlich habe er das aufgrund des hohen Adrenalinspiegels gar nicht wahrgenommen.

Für sein Engagement gab es nun auch ein Präsent im Namen der Stadt. Zwar ist „dieser Einsatz mit nichts aufzuwiegen“, doch als Dank erhielt der Ersthelfer zwei Eintrittskarten für das Naturtheater in Hayingen und einen Gutschein. „Mir hätte die Urkunde ausgereicht“, erklärt Bayer. Dennoch freue er sich über die Geschenke und darüber, dass es der Frau wieder gut gehe.

Unfall: Auto kam in der Lauter zum Liegen

Aus diesem Wagen rettet Constantin Bayer im Februar zwei Menschen. Der Unfall ereignete sich auf der Kreisstraße 6769 von Indelhausen in Richtung Weiler.