Münsingen Und dann zerbricht das Glas

Münsingen / Jürgen Kühnemund 13.07.2018

Auf gefährliche Körperverletzung lautete die Anklage gegen einen 25-Jährigen, der sich jetzt vor dem Münsinger Amtsgericht verantworten musste. Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte im Januar diesen Jahres in einer Diskothek einem jungen Mann ein Bierglas ins Gesicht geschlagen haben. Das zerbrach und fügte dem Opfer eine drei Zentimeter lange Schnittwunde in der Höhe des Jochbeins zu, die genäht werden musste. Ferner erlitt der junge Mann noch einige Schnittwunden am Mund. Der Täter selbst zog sich eine blutende Verletzung an der Hand zu.

Der 25-Jährige gab seine Tat unumwunden zu. Der junge Mann habe seinem Kumpel mehrmals von hinten in die Haare gegriffen. Auf die Bitte aufzuhören, habe er nicht reagiert und da sei es dann passiert. Was ihn dabei geritten hatte, mit einem Glas zuzuschlagen, könne er nicht erklären. Alkohol war freilich bei beiden Kontrahenten im Spiel. Der 25-Jährige hatte einen Blutalkoholgehalt von 1,6 Promille, das Opfer von 3,32. Als die Security die beiden Männer hinausbegleitet hatte, habe er sich beim Opfer entschuldigt. Der habe das angenommen und wollte auch weiter kein großes Aufsehen machen. „Wir haben uns da ausgesöhnt“. Schließlich habe das Opfer sogar beim Angeklagten genächtigt. Dort will der 25-Jährige ihm auch die Zahlung eines Schmerzensgeldes angeboten haben, was der Mann aber abgelehnt habe. Der 27-jährige Kumpel des Angeklagten bestätigte den Vorfall, war aber selbst über den Schlag überrascht.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Julia Merkle, sah nach der Zeugeneinvernahme den Sachverhalt als bestätigt an, zumal der Angeklagte auch geständig war und forderte eine achtmonatige Haftstrafe auf Bewährung sowie eine Geldauflage von 3000 Euro. Rechtsanwalt Falko Rauscher wertete die Kurzschlusshandlung als einen minderschweren Fall und wollte für seinen Mandanten nur eine dreimonatige Haftstrafe, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass eine längere Haftstrafe den 25-Jährigen wohl die Fortsetzung seiner Ausbildung unmöglich mache.

Der Amtsgerichtsdirektor Joachim Stahl ging in seinem Urteil zwar auf die Mindeststrafe von sechs Monaten auf Bewährung zurück, eine minderschwere Tat sei es aber nicht. Der 25-Jährige trägt zudem die Kosten des Verfahrens und muss an den Bewährungsverein Tübingen 1500 Euro zahlen.

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