Diakonie Umstrukturierung in der BruderhausDiakonie

Buttenhausen / Von Ulrike Bührer-Zöfel 14.02.2018

Regionalleiter sind jetzt für die verschiedenen Bereiche, die die BruderhausDiakonie anbietet, zuständig. (Siehe Infokasten unten). Sie sitzen in Reutlingen, regeln von dort aus die Belange der einzelnen Einrichtungen in Reutlingen und der Region. Die neue Leitungsstruktur trifft auch Buttenhausen. Die BruderhausDiakionie dort hatte bisher eine Dienststellenleiterin, der Posten fällt weg. Renate Stemmer, die bis Jahresanfang in Buttenhausen für alle Geschäftsbereiche  zuständig war, ist nun Leiterin der Sozialpsychiatrie.

Diese neue Regelung, von der nach Angaben der BruderhausDiakonie die Landräte und Bürgermeister Anfang 2018 informiert wurden, bedauert der Buttenhausener Ortschaftsrat sehr: „Dies ist ein Entschluss von großer – negativer – Tragweite.“  Er hat deshalb einen offenen Brief an die Vorstandschaft der  BruderhausDiakonie und an den  Vorsitzenden des Stiftungsrates  formuliert. Außerdem wird er, so Ortsvorsteher Rudi Schustereder,  am morgigen Freitag in den Lautertalnachrichten veröffentlicht.

  Darin  nehmen die Buttenhausener Komunalpolitker „mit Bedauern“ zur Kenntnis, dass sie bisher noch nicht offiziell über die Veränderungen informiert wurden.  Durch diese mangelnde Offenheit  herrsche ein Klima der  massiven Verunsicherung im Ort, heißt es in dem Brief. „Unerlässlich für die Zusammenarbeit von Dorf und Einrichtung ist die Benennung eines zentralen Ansprechpartners in der Zukunft. Ansonsten wird die Einrichtung zum Fremdkörper im Dorf, der zunehmend die Weiterentwicklung des Dorfes eher behindert als fördert.“

 Die kurzen Wege, Angelegenheiten zwischen Dorf und Einrichtung zu regeln, hätten sich über  Jahrzehnte bestens bewährt, sagt Schustereder. „Wenn jetzt was ist, muss ich erst mal herausfinden, wer jeweils zuständig ist“.

Wichtig ist  Schustereder und den Ortschaftsräten auch, „wie mit den Bewohnern, unseren oft langjährigen Nachbarn und Bekannten  umgegangen wird“. „In früheren Gesprächen wurde uns versichert, dass, sollte es zu einer Dezentralisierung und somit zu Umzügen einiger Bewohner kommen, dies von den Menschen freiwillig und ohne äußeren Zwang geschehen soll. In einigen Gesprächen mit solchen betroffenen Bewohnern, die Buttenhausen verlassen sollen, wurde uns gesagt, dass sie eigentlich gerne in Buttenhausen bleiben würden. Ebenso gibt es etliche Bewohner, die befürchten, wegziehen zu müssen, obwohl sie dies nicht wollen.“

 Und noch ein Problem sehen die Buttenhausener: Menschen, die ihr ganzes Leben im Ort verbracht haben, befürchten nun, dass sie bei Pflegebedürftigkeit nicht mehr im Dorf bleiben können, sondern anderenorts in Alten- beziehungsweise Pflegeheime gehen müssten.

Hinter der ganzen Umstrukturierung vermutet Schustereder Kostengründe: „Bei der Betreuung von Menschen dürfen  die Kosten nicht entscheidend sein.“ Und es gibt  auch Ängste, dass durch weiteren Strukturwandel Arbeitsplätze wegfallen könnten,   die über Jahre aufgebaute Inklusion in Buttenhausen zerschlagen wird,  wenn immer mehr Bereiche verlagert werden, wie ja auch schon geschehen: Zum Beispiel das Alten- und Pflegeheim nach Münsingen, Wohngruppen nach Auingen. Ganz alltägliche Begegnungen fallen jetzt weg. Bisher seien die Menschen mit Handicap  auf ihrem Weg in die Werkstätten – der Bereich wurde übrigens vergrößert – im Ort unterwegs gewesen. Jetzt würden sie mit eigenen Diakonie-Bussen direkt hergefahren, auch Gespräche im Bus gebe es so keine.

Im Jahr 2000, betont Schustereder,  habe der Ort rund 750 Einwohner gezählt, inklusive der Landheimbewohner. Heute sind es 527 Einwohner. Er schätzt, dass lediglich noch 150 Frauen und Männer in der BruderhausDiakonie beheimatet sind.

Mit dem Brief an das Vorstandsteam wolle man untermauern, „dass wir mit der Umstrukturierung in Buttenhausen  nicht einverstanden sind.“ Das ist eine Politik, „die für eine sozial-diakonische Einrichtung nicht passt“. Schließlich sei Buttenhausen ein „Diakonisches Dorf“. Die Kommission „Unser Dorf hat Zukunft“ habe  so anerkannt, dass im Ort „Inklusion von Menschen mit Handicaps gelebt wird.“

Bisher sei ein fairer und vertrauensvoller Umgang zwischen den Partnern in Buttenhausen selbstverständlich gewesen. Um den fürchten nun die Kommunalpolitiker, auch um die jährlichen Ortsgespräche. Deshalb werden die Diakonie-Vorstände im Brief  nicht nur aufgefordert, die Buttenhausener über die Folgen der Umstrukturierung zu informieren. Sie möchten auch wissen, „wer das „Diakonische Dorf“ von Ihrer Seite als Leitung repräsentiert und wie in Zukunft eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aussehen soll“.

Regionalleiter jetzt zuständig

In der Stadt und im Kreis Reutlingen ist jetzt Marc Böhringer als Regionalleiter der BruderhausDiakonie für die Belange der Altenhilfe zuständig, Cäcilia Lutz für die Jugendhilfe, Klaus Fischer für Arbeit und berufliche Bildung.  Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie in der Reutlinger Region leitet ab dem 1. Mai Christian Freisem.