Uli Schwenk will es noch einmal wissen. Er hat sich für zwei segelfliegerische Großereignisse qualifiziert und rechnet sich bei beiden Wettbewerben gute Chancen auf Podiumsplätze aus. Im Fokus steht für den 54-jährigen Textilkaufmann vor allem die Weltmeisterschaft in der Offenen Klasse, die am 27. Juli im polnischen Leszno ihren Auftakt findet und bis zum 9. August ausgetragen wird. 2006 hat Uli Schwenk letztmals eine Weltmeisterschaft geflogen, damals in der Clubklasse, in Vinon-sur-Verdon in Frankreich. Fünfter war der Münsinger in der für ihn eigentlich ungewohnten Klasse geworden, bester Deutscher. Er war nachgerückt, weil nur einer der eigentlich qualifizierten Deutschen teilnehmen konnte oder wollte. Den anderen war das von den Alpen geprägte Fluggebiet zu gefährlich gewesen.

Seine guten Gebirgskenntnisse werden Uli Schwenk in Polen nicht zustatten kommen. An das im Flachland gelegene Leszno hat er aber allerbeste Erinnerungen, war er hier doch 1998 zum bislang einzigen Mal Europameister in der Offenen Klasse geworden. "Ich freue mich gigantisch auf Leszno", sagt Uli Schwenk im Gespräch.

Und der Münsinger ist optimistisch, dass er bei der Weltmeisterschaft eine ähnlich gute Rolle spielen wird wie bei der EM vor 16 Jahren.

Das liegt auch an der ihm zur Verfügung stehenden "Hardware", an der EB 29 des kleinen, aber feinen Segelflugzeugherstellers Binder, einem Hochleistungssegler, der derzeit wohl das beste Fluggerät in der Offenen Klasse darstellt. Seit drei Jahren ermöglicht ihm Thomas Levin, der Besitzer der EB 29, wichtige Meisterschaften mit seinem Flugzeug zu bestreiten. Qualifikation für die DM, DM und jetzt WM. "Er sagt, dass meine Erfolge für ihn Entlohnung genug seien", freut sich Uli Schwenk.

Der Münsinger hatte in den Jahren zuvor eine EB 28 geflogen, einen Doppelsitzer, der gegen die aerodynamisch besseren Einsitzer nicht konkurrenzfähig war. Mit Levins EB 29 ist der Erfolg zurückgekehrt. Levin wird zusammen mit Ulis Gattin Elke in Leszno auch als Rückholer für den Ex-Europameister tätig sein. Mannschaftscoach wird Reinhard Schramme sein, ein guter alter Bekannter aus vielen gemeinsamen Wettbewerben.

Trainiert hat Uli Schwenk vor zwei Wochen auf dem Hornberg, als er zugleich Junioren auf einem Wettbewerb in der Luft begleitete, ihnen Tipps und Ratschläge geben konnte. "Die sind mit allen Dingen, die mit dem Computer zusammenhängen, total fit. Ihnen fehlt es aber an der Naturbeobachtung", weiß der Münsinger. Beide Komponenten zusammenbringen, war auf dem Hornberg sein Ziel.

Neben Uli Schwenk wird der dreifache Weltmeister Michael Sommer für das Deutsche Team in Leszno am Start sein. Ende Mai treffen sich die Beiden auf der Hahnweide bei Kirchheim/Teck, um durchzusprechen, wie man in Polen zusammenarbeiten wird. Gemeinsam trainieren werden sie aber erst in der Trainingswoche vor Beginn der WM in Leszno. Sommer gilt als herausragender Pilot, als ausgesprochener Teamflieger. "Ich freue mich darauf, mit ihm im Team zu fliegen", sagt Uli Schwenk. Bei zwei Wettbewerben hat der 54-Jährige den 41-Jährigen bereits vom Boden aus gecoacht, kennt den Bayern und seine fliegerischen Stärken und Schwächen also bereits gut: "Michael hat sich immer total im Griff, auch wenn es einmal nicht gut läuft und er kann in Sekundenschnelle reagieren", zollt er ihm Respekt.

37 Piloten haben sich für den Wettbewerb in der Offenen Klasse qualifiziert, ein großes Teilnehmerfeld, ein hochkarätig besetztes. Zu den Favoriten zählen neben Sommer und Schwenk die Franzosen Laurent Aboulin und Sylvain Gerbaud sowie die Polen Janusz Centka und Witold Czarnik.

Noch besser besetzt ist das Feld in Sisteron, wo am morgigen Freitag das Finale im Segelflug Grand Prix, einer nach wie vor noch jungen, aber äußerst attraktiven Wettbewerbsform beginnt. In mehreren Qualifikationswettbewerben wurden 20 Piloten herausgefiltert, die um den einer Weltmeisterschaft gleichgewichtigen Grand Prix-Titel kämpfen. Es sind dies Piloten aus allen Klassen, sodass tatsächlich die weltbesten Segelflieger im Süden Frankreichs an den Start gehen werden. Neben Uli Schwenk ist dies drei weiteren Deutschen gelungen - Tilo Holighaus, Kai Lindenberg und Robert Schröder. Damit fliegen Uli Schwenk und "Robby" Schröder nach langer Zeit wieder gemeinsam einen Wettbewerb. 1995 waren sie bei der WM in Neuseeland Zweiter (Schwenk) und Dritter geworden.

Favoriten gibt es einige, an erster Stelle wird der Pole Sebastian Kawa genannt, der von vielen als der beste Segelflieger überhaupt gehandelt wird. Gute Chancen räumt man den Franzosen Laurent Aboulin und Didier Hauss ein. Mit Letzterem verbindet Uli Schwenk eine lange Freundschaft. Aber auch die Italiener Giorgio Galetto und Thomas Gostner werden weit vorne erwartet. "Das ist vom Teilnehmerfeld her der bislang hochrangigste Grand Prix überhaupt", so der Münsinger.

Uli Schwenk fliegt eine Ventus 2, freut sich sehr auf die fliegerischen Herausforderungen in den Seealpen. Den Grand Prix findet er nach wie vor als tolle Wettbewerbsart. Durch den gemeinsamen Start aller Piloten werde der Glücksfaktor minimiert. Es komme auf die fliegerischen Fähigkeiten an, darauf, Aufwinde besser auszunutzen als die Konkurrenten.

Unterstützt wird Uli Schwenk in Sisteron von seiner Tochter Tanja, die als Rückholerin fungiert und den Papa auch mal nach einem schlechteren Tag bei Laune halten muss. Heute ist Eröffnungsfeier auf dem Flugplatz und schon morgen geht es los mit dem ersten von acht Wettbewerbstagen.

Info Über den Grand Prix-Wettbewerb kann man sich im Internet informieren: www.sgp.aero/final2014.