Magolsheim Über Stock und Stein gebrettert

Magolsheim / JOACHM LENK 19.05.2015
Nein, die Armee hat das Alte Lager nicht reaktiviert. Auch wenn es am Freitag den Anschein hatte, als zahlreiche olivgrüne Militärfahrzeuge durchs Tor fuhren. Die gehörten zum Militärfahrzeugtreffen.

Bereits zum 15. Mal veranstaltete der Magolsheimer Verein "Old Ironsides" das internationale Militärfahrzeugtreffen, das alle zwei Jahre auf dem dortigen Festplatz stattfindet. Der idyllische Ort neben dem Bürgerzentrum ähnelte von Donnerstag bis Sonntag einem großen Biwak-Platz. Mit allem, was dazugehört. Ein Checkpoint mit Schlagbaum, ein Wachturm, viele Zelte und überall wehten "Stars and Stripes"-Flaggen im Wind.

Die amerikanischen Jeeps der Marken M 151, M 38 und Willys MB sowie die deutschen DKW Munga, Unimog, Iltis und Wolf hatten teilweise lange Anfahrtswege hinter sich. Sie kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem benachbarten Ausland.

An fast allen Treffen hatten bislang sieben Munga-Fahrer aus dem Bodenseeraum teilgenommen. Die Herren im besten Alter lieben die familiäre Atmosphäre auf dem Platz, wie sie sagten. Ebenso das Team "Militärhistorische Fahrzeugfreunde", das rund um den Truppenübungsplatz in Stetten am Kalten Markt zuhause ist. Ein Hingucker war dieses Mal ein Kinderjeep mit Vier-Takt-Motor, ein Nachbau des Willys MB, den Jörg Mössmer aus Balingen auf dem Anhänger nach Magolsheim gekarrt hatte. Auf dem Gelände bot er, zur Freude der Kinder, immer wieder Rundfahrten an. Bis zu 60 km/h schnell ist dieser originalgetreue Flitzer.

Peter aus Oberschwaben, stilecht unterwegs in einer Nachbildung der Jacke des bekannten US-Generals George Smith Patton, tuckerte mit einem Dodge WC 63 aus dem Jahr 1942 auf die Alb. Solche Fahrzeuge waren schon einmal in Münsingen zu sehen. Und zwar im April 1945, als die US-Amerikaner in Münsingen einmarschiert waren.

Ein Hingucker war auch der Gama Goat M 65. Dieses Gefährt bewältigt nicht nur steile Berghänge, sondern ist auch im Wasser in seinem Element. Das mehr als drei Tonnen schwere Militärfahrzeug kann nämlich schwimmen.

Verpflegt wurde aus der fahrbaren Edelstahlküche. Die Köche verwöhnten die Gäste mit Steaks und Special Iron Burger. Immer wieder schauten Leute aus der Umgebung im Camp vorbei und bewunderten die polierten Fahrzeuge. Im amerikanischen Mess-Tent gab es frisch gezapftes German Beer. Ein volles Zelt hatten die Veranstalter auch am Freitagabend, als die Country Band "Western Trail" auf der kleinen Bühne für Stimmung sorgte.

Eigentlich wollten die Vehikels am Nachmittag durchs Lauter- und durchs Schmiechtal fahren. Der anhaltende Regen machte ihnen aber einen Strich durch die Rechnung. Deshalb besuchten die Teilnehmer den Tag über das Alte Lager. Mit Führungen durch das militärhistorische Museum und der Munitionssammlung. Außerdem wurden die ehemaligen Unterkunftsgebäude und die Offiziersspeiseanstalt besichtigt. Dass die meisten Fahrzeuge noch gut in Schuss sind, bewiesen sie am Samstagnachmittag, als sie im Merklinger Steinbruch auf einer Geländestrecke über Stock und Stein bretterten.

Am Sonntag endete das viertägige Treffen der Militärfahrzeuge von anno dazumal mit einem schmackhaften Erbseneintopf aus der Feldküche. Zum Abschluss gab es noch einmal Camp-Leben pur, so wie einst auf dem nicht weit entfernten ehemaligen Truppenübungsplatz, der vor knapp zehn Jahren geschlossen wurde.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel