Münsingen/Hayingen Türen dicker als ein Finger

Fotoshooting im ehemaligen Münsinger Gefängnis: Uwe Reutter zeigte dort den Hayinger Vorschulkindern, wie Gefangene dort einst gehaust haben. Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Fotoshooting im ehemaligen Münsinger Gefängnis: Uwe Reutter zeigte dort den Hayinger Vorschulkindern, wie Gefangene dort einst gehaust haben. Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Münsingen/Hayingen / SABINE ZELLER-RAUSCHER 02.06.2014
Freiwillig ins Gefängnis? "Niemals" - da, sind sich die Vorschüler des Kindergartens Hayingen einig. Die Mädchen und Jungen machten jetzt jedoch im Rahmen ihres Polizeiprojektes eine Ausnahme.

Von außen ein ganz normales grünes Wohnhaus. Innen: Knarrende, steile Holztreppen, Zellentüren viel dicker als ein Kinderfinger, vergitterte Fenster und komische Eckvorrichtungen auf welchen einst Gefangene ihre Notdurft verrichten mussten. Den "Großen" vom Kindi wurde schnell bewusst: "Jetzt sind wir mitten im Gefängnis angekommen".

"Die letzten Gefangenen waren hier vor über 50 Jahren eingesperrt", wusste der derzeitige "Gefängnisführer", Uwe Reutter. Auch dass das Gebäude vor rund 200 Jahren erbaut wurde. Die hohen Zimmerdecken und die großen Fenster im vom Licht durchfluteten Obergeschoss würden davon zeugen, dass es sich bei dem Haus einst um ein staatliches Gebäude an dem nicht gespart wurde gehandelt hat. Weniger hell zeigten sich den interessierten Kids dann die Zellen mit den vergitterten Fenstern kurz unter der Zimmerdecke.

Großes Fotoshooting war vor der Zellentür angesagt. Kein einziges der Kinder hätte hier freiwillig übernachtet. Was hat es wohl mit den schweren Eisenringen am Boden auf sich. "Da hat man die ganz wilden Gefangenen angekettet", wusste Reutter in seiner kindgerechten Führung, die unter anderem auch in den Gefängnishof führte.

Glasscherben und spitzer Stacheldraht an der hohen Mauerkrone machten es den Gefangenen einst fast unmöglich auszubrechen. Lediglich eine Stunde am Tag hätten die Häftlinge Freigang gehabt. Und: Sie durften nur einmal wöchentlich duschen.

Wirklich mulmig wurde es einigen der Kids im stockdunklen Kartoffelkeller, wo der Gefängniswärter und seine Frau Vorräte für sich und die Gefangenen einlagerten. Auch Hühner und Geißen hätten auf dem Gefängnisareal gewohnt, um für ausreichend Nahrung zu sorgen.

Der sechsjährige Henry hält alles mit seiner Kamera fest, während Samuel interessierte, wer für die Gefangenen gesorgt hat, wenn der Gefängniswärter im Urlaub war. "Dann hat vermutlich der Büttel vom Ort Urlaubsvertretung gemacht", vermutete Reutter, der es klasse fand, dass sich die Kleinen für die Stadtgeschichte und die Polizei interessierten.

Auch ein Besuch beim Polizeiposten Zwiefalten, wo sich die Beamten den Fragen der Kinder stellen steht noch auf dem Projektplan.

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