Sie gilt als die Königin der Instrumente, ist aus keiner Kirche wegzudenken, wenn sie schweigt, fehlt im Gottesdienst etwas: die Orgel. Damit sie ihre volle Klangvielfalt entfalten kann, braucht es regelmäßige Wartung und Reinigung. Regelmäßig heißt – alle 15 bis 20 Jahre, je nach Verschmutzung. Und die sind für das Instrument in der Münsinger Martinskirche abgelaufen. 1994 waren da zum letzten Mal die Fachleute am Werk.

Kleine Reparaturen

Für die gibt es nun wieder gut zu tun: Die Orgel im Chor ist inzwischen stark verschmutzt, außerdem haben sich im Innern an verschiedenen Stellen Schimmelpilze angesiedelt. Die sind „in gesundheitlicher Hinsicht nicht zu den besonders kritisch eingestuften Arten“ zu zählen. Sie seien dennoch Allergene, eine weitere Ausbreitung in die Kirche bestehe, heißt es im Gutachten von Kirchenmusikdirektor Thomas Haller. Der Orgelsachverständige der Landeskirche in Württemberg hat es 2015 vorgelegt.

 Rund vier Wochen Zeit muss man für die recht aufwendigen Arbeiten wohl einplanen, sagt der Münsinger Kirchenmusikdirektor Stefan Lust. Zunächst werden alle Pfeifen ausgebaut, durchgeblasen und gewaschen. Die kleinen kann man vor Ort putzen, die großen brauchen eine spezielle Behandlung mit Ultraschallbad, was in der Firma geschieht.

Auch kleine Reparaturen an den Pfeifen, wie beispielsweise das Ausbessern kleiner Beulen oder Risse, werden gleich miterledigt. Beim Wiedereinsetzen kontrollieren die Fachleute natürlich, dass die Pfeifen richtig befestigt sind. Außerdem wird wieder neu gestimmt, damit das Instrument homogener klingt, so Lust.

Termin für 2021 geplant

Großputz angesagt ist sowieso in der ganzen Orgel: ausblasen und aussaugen. Und dann natürlich den Schimmel bekämpfen. Die Pilze werden die Arbeiter, ausgerüstet mit entsprechender Schutzkleidung, beseitigen, das Instrument desinfizieren, ein Mittel auftragen, das einen schnellen Befall verhindert.

Und eigentlich ist es mehr als eine Reinigung. Es wird nämlich das ganze Instrument genau unter die Lupe genommen – innen wie außen, wo nötig instand gesetzt. So kontrolliert man zum Beispiel, ob Prospekt und Gehäuse in Ordnung sind, gegebenenfalls werden lose Teile verleimt beziehungsweise justiert. Die Spieltraktur soll wieder genau eingestellt, leichtgängiger gemacht werden. Und der Gebläsemotor muss ausgetauscht werden, „der macht Geräusche“, sagt Lust.

So eine Putzaktion – vorgesehen ist sie für 2021 – kostet natürlich: Rund 40 000 Euro, so Lust, sind dafür veranschlagt. Die Kirchengemeinde muss das finanzieren, ist dafür, wie auf die Sanierung der Martinskirche überhaupt, auch auf Spenden angewiesen. Damit Geld für diese anstehenden Arbeiten zusammenkommt, engagiert sich auch die Münsinger Kantorei: Sie gibt Konzerte. Bisher sind darüber bereits 4000 Euro zusammen gekommen.

Spenden für die Münsinger Orgel


Wer die Ausreinigung der Orgel der Martinskirche in Münsingen unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun: Evangelische Kirchenpflege Münsingen und Trailfingen, Stichwort „Orgelsanierung“: KSK Münsingen IBAN: DE42 6405 0000 0001 0105 70, Voba Münsingen IBAN: DE26 6409 1300 0000 1530 01.

Die Orgelsanierung wurde außerdem in das Projekt „gut-fuer-neckaralb.de“ aufgenommen, eine gemeinsame Initiative der Spendenplattform betterplace.org und den Kreissparkassen Reutlingen und Tübingen. Für Online-Spenden kann der Link „https://www.gut-fuer-neckaralb.de/projects/65545“ genutzt werden.

Nach der elsässischen Silbermannschule


Die Vier-Orgel (1976) im historischen Haussdörffer-Gehäuse (1758) zählt mit ihren 30 Registern, vier Manualen und Pedal zu den hervorragenden Instrumenten in der Reutlinger Prälatur. Sie markiert als Vorreiterin einen Paradigmenwechsel im württembergischen Orgelbau.

Peter Vier zählte in den 1970er Jahren zu den ersten, die wieder auf qualitativ hohem Niveau Orgelwerke nach den Qualitätsmaßstäben der elsässischen Silbermannschule baute.