Umwelt Transekt mit wachem Blick begehen

Landesumweltminister Franz Untersteller und Eva Bell, Leiterin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), lassen sich von Dr.Florian Theves (von links) vom Referat für Artenschutz der LUBW die Funktionsweise einer Malaise-Falle erläutern.
Landesumweltminister Franz Untersteller und Eva Bell, Leiterin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), lassen sich von Dr.Florian Theves (von links) vom Referat für Artenschutz der LUBW die Funktionsweise einer Malaise-Falle erläutern. © Foto: Ralf Ott
Region / Von Ralf Ott 31.08.2018

Vor knapp einem Jahr sorgte die Veröffentlichung der Studie des Entomologischen Vereins Krefeld über den drastischen Rückgang der Fluginsekten für großes Aufsehen. Ermittelt wurde eine Abnahme der Insekten-Luftbiomasse um bis zu 80 Prozent in den vergangenen 27 Jahren. Das Land hat das Alarmsignal aufgegriffen und mit einem „Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt“ im Umfang von 36 Millionen Euro reagiert. Fünf Millionen davon sind in diesem und im nächsten Jahr für das Insektenmonitoring vorgesehen. An 161 Standorten im Land wird auf Probeflächen auf konventionell bewirtschaftetem Acker- und Grünland der vorhandene Insektenbestand erfasst. Diese gehören zum bundesweit 1997 installierten Netz von 2500 Arealen zur „Ökologischen Flächenstichprobe“ mit einer Größe von jeweils einem Quadratkilometer. Aktuell wurden weitere 30 Flächen in Naturschutzgebieten zu Vergleichszwecken mit ins Insektenmonitoring aufgenommen. Darunter auch das Gebiet Ruchberg in Willmandingen.

Dort hat sich jetzt Landesumweltminister Franz Untersteller über die Vorgehensweise beim Insektenmonitoring informiert (wir haben berichtet). Trotz einer Reihe von Erfolgen im Artenschutz stecke die „heimische Biodiversität in einer tiefen Krise“, betonte der Minister. „Ein Weiter-so, insbesondere in der Landwirtschaft, wird es nicht geben“, unterstrich Untersteller und verwies zugleich auf den hohen Stellenwert einer Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. „Daher haben wir die Landschaftserhaltungsverbände als Schnittstelle zwischen beiden Bereichen etabliert“.

Die Insekten spielen eine herausragende Rolle als „Dienstleister“ im Ökosystem. „Sie sind wichtig innerhalb der Nahrungskette, zersetzen abgestorbene Naturmaterialien und bestäuben Pflanzen“, sagte Eva Bell, Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Und sie besiedeln nahezu alle Ökosysteme. Der „Zensus der Vielfalt“, dessen Konzept die LUBW entwickelt hat und der im Frühjahr gestartet wurde, soll neben den Daten über die Entwicklung der Insektenmasse auch Indikatoren für die Veränderungen in Abhängigkeit von der Landnutzung liefern, erläuterte Bell. Die Systematik lässt Vergleiche zu mit anderen Monitoring-Systemen, beispielsweise zur Kontrolle des Vogelbestands.

Insgesamt kommen in Baden-Württemberg rund 20 000 Insektenarten vor. Für das Monitoring, das aufgrund des hohen Aufwands vorwiegend von externen Planungsbüros umgesetzt wird, wurden sechs Indikatoren als Messgröße ausgewählt, nämlich Tagfalter und Widderchen, Nachtfalter, Heuschrecken, Laufkäfer und zudem die gesamte Biomasse in der Luft sowie am Boden. Die Biologen erfassen den Bestand entweder durch manuelle Zählung entlang einer vorbestimmten Strecke, dem Transekt, oder durch Malaise-Fallen für Luftinsekten beziehungsweise Bodenfallen.

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