Engstingen / lejo  Uhr

Mehrere Dutzend Feuerwehrfahrzeuge kurvten am Samstag morgens durch Groß- und Kleinengstingen. Allerdings gab es dort keinen Brand zu bekämpfen, sondern vielmehr anlässlich des 30. Geburtstages der Engstinger Jugendfeuerwehr mehrere „Löschangriffe mit Hindernissen“ an verschiedenen Einsatzorten.

Dazu eingeladen waren alle 25 Jugendfeuerwehren im Landkreis Reutlingen, von denen 20 mit 121 Teilnehmern und 52 Betreuern zum Gratulieren kamen. Die 21-köpfige Jubiläumsabteilung nahm an diesem Wettbewerb nicht teil. Die 12- bis 17-Jährigen, die sich das Programm selbst ausgedacht und zusammengestellt hatten, halfen an den einzelnen Stationen mit.

Bevor es in die Parcours ging, mussten zuerst zahlreiche feuerwehrtechnische Fragen im theoretischen Teil beantwortet werden. Der Nachwuchs wurde zum Beispiel gefragt, wie viel Wasser aus einem C-Stahlrohr mit Mundstück strömt, wie ein Hydrantenschild aufgebaut ist, wie viele Teile eine Steckleiter hat, worin der Vorteil eines Schnellangriffs besteht und welche drei Schaumarten es gibt? Dann ging es weiter zum dreiteiligen Löschangriff, verschärft mit Hindernissen. Dabei standen nicht das Fachliche, sondern Spaß und Geschicklichkeit im Vordergrund. So kam es, dass der Melder mit verbundenen Augen den Verteiler bedienen musste. Der Einsatzbefehl kam vom Ausbildungsleiter, der Maschinist bediente den Hydranten. Die Angriff-, die Wasser- und die Schlauchtrupps, jeweils zwei Kinder beziehungsweise Jugendliche, waren an den Händen zusammengebunden. Mit diesem Handicap war es wahrlich nicht einfach, die Leitungen zu verlegen. Einmal galt es, das Rohr für die Brandbekämpfung durch die Steckleiter, das andere Mal über Getränkekisten und unter der Bank zu ziehen. Zu guter Letzt hieß es dann „Wasser marsch“, um mit dem Strahl einen Tennisball von seiner Halterung zu schießen. Letztendlich hatte der Nachwuchs aus Sonnenbühl zeitlich die Nase vorn. Für den Sieg gab es eine ganz besondere Auszeichnung: ein vergoldetes Feuerwehrbeil. Silber ging an Rommelsbach, Bronze an die Mannschaft aus Grafenberg und Metzingen. Kreisjugendfeuerwehrwart Andreas Heinlin, der die einzelnen Stationen besuchte, lobte das Engagement der Teilnehmer aus dem gesamten Landkreis Reutlingen. Bei der Jugendfeuerwehr lernten die Kinder und Jugendlichen „etwas fürs Leben“. Natürlich sei auch die Gemeinschaft, die dort gelebt werde, wichtig für den Nachwuchs.

Die Idee, in Engstingen eine Jugendfeuerwehr ins Leben zu rufen, kam vor drei Jahrzehnten von ein paar Jungs, deren Väter aktiv in der Feuerwehr mitmachten. Obwohl es zu dieser Zeit in den umliegenden Gemeinden noch keine vergleichbare Abteilung gab, waren damals die Verantwortlichen, unter ihnen Gesamtkommandant Benedikt Hummel, Feuer und Flamme. Am 7. Januar 1989 riefen die Engstinger die 19-köpfige Jugendfeuerwehr offiziell ins Leben. Der damalige Bürgermeister Klaus-Peter Kleiner sprach von „einem Meilenstein in der Geschichte der Engstinger Wehr“.

Keiner der Verantwortlichen hatte mit einem so großen Interesse gerechnet, erinnerte der heute amtierende Gesamtkommandant Anton Hummel. In den ersten zwölf Monaten kümmerten sich gleich vier Feuerwehrmänner um den Nachwuchs, bevor 1990 Hummel zum ersten Jugendwart gewählt wurde. Ihm folgten Markus Staneker, der außerdem vier Jahre lang Kreisjugendfeuerwehrwart war und Markus Stooß, zeigte der heutige Jugendwart Andreas Staneker in seinem Rückblick auf. Er erinnerte, dass am Anfang die Jugendfeuerwehr noch als reine Nachwuchsschmiede der aktiven Abteilungen gesehen wurde. Heute sei sie, so Staneker, eine moderne Kinder- und Jugendorganisation, die junge Menschen zu verantwortungsvollen Mitgliedern unserer Gesellschaft heranbilde. „160 waren in den vergangenen 30 Jahren in der Abteilung“, so Staneker. „Von den aktuell 122 Aktiven in drei Abteilungen kommen 67 aus der Jugendarbeit“, fügte Gesamtkommandant Hummel während des Jubiläumsabends für geladene Gäste in der Bloßenberghalle hinzu.

Bürgermeister Mario Storz sprach von einer „weisen und vorausschauenden Entscheidung“, die 1989 im Ort getroffen worden sei. Er freue sich jedes Mal, wenn er einen neuen Mitgliedsausweis für die Jugendfeuerwehr unterschreiben dürfe. lejo