In Bremelau schlägt Bürgermeister Kornelius Schreier die Hände über dem Kopf zusammen. „Wenn das die Frankenhofener erfahren...“ Dabei hatte es für die Gemeindefinanzen gerade noch so gut ausgesehen: Der erste bestätigte Kontakt mit Außerirdischen – da schien sogar der Ausbau der Verbindungsstraße nach Granheim auf einmal in greifbare Nähe gerückt. Doch dann läuft an Opa Ludwigs 75. Geburtstag alles aus dem Ruder. Der alte Schwerenöter, der nicht mal vor den Mehrstetter Weibern haltmacht, treibt es „Je oller, desto toller“ und sorgt damit für lachmuskelstrapazierende Unterhaltung auf der Bremelauer Theaterbühne. Mit dem gleichnamigen Schwank feierte die Spielschar des Sportvereins am Samstag Premiere. Noch zwei Mal hebt sich im Festsaal des Adlers der Vorhang zu einem heiteren Theaterabend. Und der liegt wie schon seit vielen Jahren in der bewährten Spielleitung von Bernadette Kley, die auch auf der Bühne die Zügel fest in der Hand hält.

Von Knödeln und Ufos

Mit Knödeln in den Händen und bissigen Sprüchen auf den Lippen wirbelt Schauspieltalent Tina Kies als Hedwig Reißer durch die Gaststube. Denn der Geburtstagsbesuch kann jeden Moment vor der Tür stehen, und nicht einmal der Tisch ist gedeckt. Der arbeitsscheue Ehemann Eugen, hervorragend inszeniert von Fabian Franz, ist keine große Hilfe und Sohn Xaver (Manuel Kley), ein einfältiges Mamabuberl, ohnehin nicht der Schnellste. Als sich die dem Wahnsinn nahe Hedwig dann auch noch den Arm bricht, scheint die Katastrophe vorprogrammiert. Denn Schwägerin Resi (Bernadette Kley), die sich mit Ehemann Heinrich (Stefan Riedle) und Tochter Olga (Lea Geiselhart) zu Opas Geburtstag angekündigt hat, lässt an ihrer Haushaltsführung ohnehin kein gutes Haar. Und sie hat für das Geburtstagskind eine ganz besondere Überraschung im Gepäck: Stilecht mit Karorock und Dudelsack steht der schottische Hobby-Ufologe Winni McDudel (Mario Häbe) im Raum. Schließlich ist Opa Ludwig (Alexander Jörg) das Unmögliche gelungen. Von Bremelau aus hält er anscheinend Kontakt zu den illustren Bewohnern von Venus und Pluto.

Der Ufologe ist fasziniert, dem Bürgermeister (Paul Beck) stehen bereits die Eurozeichen in den Augen. Und auch in der Familie weicht die Skepsis allmählich dem Jagdfieber. Nur Pfarrersköchin Elvira (Christine Müller) und Anita (Maria Schlafer), die männerfeindliche Vorsitzende des Frauenbundes, interessieren sich mehr für die Geheimnisse, die der Schotte unter dem Rock versteckt hat, als für jene des Weltalls. Denen spürt die bestens aufgelegte Spielschar dafür in galaktisch guter Spiellaune nach. Amüsante Wortgefechte, freche Anzüglichkeiten und kuriose Situationskomik wechseln in schneller Folge, während die Theorien ins Kraut schießen und innerfamiliäre Verschwörungen das Chaos auf die Spitze treiben. Denn nicht nur Opa hat es faustdick hinter den Ohren. Haben die Außerirdischen tatsächlich Münsingens Teilort entdeckt? Diese Frage beantworten die elf Laienschauspieler bei den kommenden Aufführungen.

Saubere Premiere hingelegt

Bei ihrer dreistündigen Aufführung, bei der Christine Müller als Laiendarstellerin eine gelungene Premiere feierte, gelang es den Schauspielern die Distanz zwischen Theater, Realität, Schauspieler und Rolle, Bühnenfigur und Zuschauer immer wieder wirkungsvoll zu durchbrechen. Das Ensemble beweist sich auch mit der Komödie von Regina Rösch als famose Truppe, die voll Leidenschaft für das Theater steckt und wurde für seine Darbietung mit begeistertem Szenenapplaus und langem Schlussbeifall der Zuschauer belohnt.

Info „Je oller, desto toller“ heißt es erneut am Freitag, 3., und Sonntag, 5. Januar, jeweils um 20 Uhr im Gasthof Adler. Karten gibt es im Vorverkauf unter Telefon (0 73 83) 6 70 99 96.