Zwiefalten Tagung der Geschichts- und Heimatvereine

Mit dem Gastvortrag „Heimatinszenierungen – Über den Umgang mit Geschichte vor Ort“ zeigte die Professorin für Volkskunde Dr. Christel Köhle-Hezinger Veränderungen in der Geschichtsvermittlung auf. Der Leiter der Arbeitstagung der Heimat- und Geschichtsvereine, Kreisarchivar Dr. Marco Birn, freute sich mit den Teilnehmern über die Informationen.
Mit dem Gastvortrag „Heimatinszenierungen – Über den Umgang mit Geschichte vor Ort“ zeigte die Professorin für Volkskunde Dr. Christel Köhle-Hezinger Veränderungen in der Geschichtsvermittlung auf. Der Leiter der Arbeitstagung der Heimat- und Geschichtsvereine, Kreisarchivar Dr. Marco Birn, freute sich mit den Teilnehmern über die Informationen. © Foto: Heinz Thumm
Die 14 / Heinz Thumm 27.06.2018

Die 14. Arbeitstagung der Geschichts- und Heimatvereine im Landkreis Reutlingen fand jetzt zum zweiten Mal im geschichtsträchtigen Zwiefalten statt. Dr. Marco Birn, Kreisarchivar im Landkreis Reutlingen, freute sich über die gute Resonanz und kündigte interessante Gespräche an.

Bürgermeister Matthias Henne stellte die Münstergemeinde Zwiefalten vor. Mit seinen rund 2200 Einwohnern in sieben Teilorten hat die Gemeinde am südlichen Zipfel des Landkreises Reutlingen einiges zu bieten. Am bekanntesten ist das majestätische barocke Zwiefalter Münster, gleich daneben das Peterstormuseum mit der Biosphäreninformationsstelle. Aber auch vielerlei touristische Angebote, kulturelle Besonderheiten wie Konzerte, Führungen, Exkursionen, Ausstellungen und eine hervorragende Infrastruktur gehören dazu.

Henne berichtete auch von den finanziellen Herausforderungen einer Gemeinde im strukturschwachen ländlichen Raum.

Als Gastrednerin sprach dann die Volkskundlerin Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger über „Heimatinszenierungen – Über den Umgang mit Geschichte vor Ort“. Fachkundig, praxisorientiert und strahlend erfolgte eine Beratung der Geschichts- und Heimatvereine als Motivation für die weitere Arbeit.

Es fing an mit dem Begriff „Heimat“. Dr. Christel Köhle-Hezinger dazu: „Dieser wird zur Zeit kulturell und tatsächlich neu erlebt – und ideologisch neu genutzt“. Während früher Heimat „als Herkunft in Besitz und Hof“ bedeutete wird Heimat heute für „Vieles und vielerlei Inszenierungen am Ort, in der Geschichte und der Umgebung“, erklärt.

Mit vielen Beispielen erläuterte die Referentin die Ursachen des Wandels der Geschichtsvermittlung und in der Brauch- und Ritualforschung. Es folgten Ausführungen über den Umgang mit der Orts-, Heimat- und Regionalgeschichte und dessen symbolische Bedeutung.

Dr. Christel Köhle-Hezinger lobte Baden-Württemberg, das Land mit dem größten Anteil an Heimatmuseen und Museumsdichte. Die Vielzahl von Attraktionen in den Freilichtmuseen, wie zum Beispiel Backtage, Treckerrennen und Agrarfolklore erklärte sie mit einer „Sehnsucht nach Geschichtsspektakel“ in der ländlichen Idylle – aber leider nicht in der bäuerlichen Realität. Die Wertung der Volkskundlerin: „Es braucht Inszenierung für Einheimische, Zugezogene und Medien“.

Im weiteren Verlauf der Arbeitstagung stellte der Dokumentarfilmer Gerhard Stahl im Rahmen einer Filmvorschau das Projekt „Das Kriegsende im Kreis Reutlingen“ mit Zeitzeugenberichten vor. Kreisarchivar Dr. Marco Birn stellte die kulturhistorische Bibliothek des Landkreises online vor. Danach berichteten die Vertreter der Geschichts- und Heimatvereine über die vielfältigen Aktivitäten der örtlichen Vereine.

Am Nachmittag führte Architekt Gerhard Keppler nach einem Vortrag in die Neugestaltung der Ortsmitte Zwiefaltens in der ehemaligen Klosteranlage ein. Die Teilnehmer zeigten sich sehr beeindruckt von den gelungenen Maßnahmen. Mit großem Respekt hatten die Besucher schon im Laufe des Tages die vielfältigen Aktivitäten der Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters vom Vorsitzenden Hubertus-Jörg Riedlinger vernommen und beachtet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel