Münsingen Streit um die Volksbank-Zukunft

Die neue Volksbank-Aufsichtsratsspitze (v. l.): Michael Manz, Christl Schneider und Arno Stumm. Foto: Reiner Frenz
Die neue Volksbank-Aufsichtsratsspitze (v. l.): Michael Manz, Christl Schneider und Arno Stumm. Foto: Reiner Frenz
Münsingen / REINER FRENZ/RALF OTT 09.11.2013
Die Münsinger Volksbank muss und wird mit neuem zweiköpfigen Vorstand in die Zukunft starten. Nachdem Christian Bückle und Jadranka Werner gekündigt wurde, ist man auf der Suche nach Nachfolgern.

Bei der Münsinger Volksbank schien die Ära Leichtle/Ruff eine endlose zu sein. Doch beide Bänker erreichten das Rentenalter. Der Wechsel an der Spitze des Münsinger Bankinstituts geriet nicht so reibungslos wie erhofft. Zuerst war es der Ruff-Nachfolger Matthias-Michael Haug, der in Ungnade fiel und Anfang 2010 nach nur zwei Jahren ausschied, jetzt sind es Jadranka Werner, die seit Frühjahr 2011 Vorstandsmitglied war, und Christian Bückle, der seit Anfang 2012 dafür sorgte, dass das Vier-Augen-Prinzip im Volksbank-Vorstand erhalten bleibt, denen gekündigt wurde (wir berichteten).

Zum 31. März werden Werner und Bückle ihre Schreibtische in der Münsinger Karlstraße räumen. Dass sie das nicht gerne und auch nicht freiwillig tun, wurde in einem Gespräch unserer Zeitung mit dem neuen Aufsichtsratsvorstand - Christl Schneider an der Spitze sowie Michael Manz und Arno Stumm - deutlich. Man habe beiden Vorstandsmitgliedern einen Auflösungsvertrag angeboten, der aber in beiden Fällen abgelehnt wurde, so Arno Stumm. Zu den Gründen für die Kündigungen befragt, stellte Manz fest, dass "Handlungsbedarf bestanden" habe. Dem Aufsichtsrat gehe es um das Wohl der Volksbank, dieses ist zu überwachen und gegebenenfalls müsse auf Fehlentwicklungen reagiert werden.

Das Vertrauen zwischen dem Großteil des Aufsichtsrats und dem Vorstand sei nicht mehr vorhanden gewesen, so Stumm, man habe unterschiedliche Betrachtungsweisen gehabt, wie auf Missstände, die vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV) aufgedeckt wurden, zu regieren sei. Von den Prüfern war vergangenes Jahr moniert worden, dass die Regelungen bei der Kreditsicherung zu überarbeiten seien, Mängel bei der zeitnahen Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse wurden festgestellt. Quantität und Qualität der Personalausstattung im Kreditbereich seien zu verbessern, die Ausgestaltung der internen Revision sei nicht ausreichend.

Im Volksbank-Leitbild stehe, dass der Kunde im Mittelpunkt bleiben solle, so Christl Schneider weiter, ein Grundsatz, der etwas abhanden gekommen sei. Natürlich sei es nicht einfach gewesen, die Leichtle-Nachfolge anzutreten, dennoch wurde von den drei Aufsichtsräten die Außenwirkung des Vorstandes kritisiert.

"Wir hatten Hoffnung, dass es mit den beiden neuen Vorständen gut laufen würde, mussten jetzt aber feststellen, dass es zu reagieren galt", erklärte Stumm.

Die Suche nach Nachfolgern läuft bereits auf Hochtouren. In der Zwischenzeit wurde bereits mit vier Bewerbern gesprochen. Gesucht wird auf April ein Interims-Vorstand, der bei Eignung langfristig in Münsingen arbeiten soll.

Zwei ehemalige Aufsichtsratsmitglieder, der ehemalige Gremiumsvorsitzende Dieter Weible sowie der Stellvertreter Eduard Pfeifle, traten inzwischen von ihren Posten zurück, weil sie nicht mittragen mochten, dass den Vorständen gekündigt wurde.

"Die neuen Leute haben ihre Sache gut gemacht", zeigt sich Weible überzeugt. "Sie haben gute Strukturen geschaffen, haben begonnen aufzuarbeiten, was die Prüfer bemängelt hatten. Weible war 23 Jahre Mitglied im Aufsichtsrat.

Sechs Jahre mehr sinds gar bei Eduard Pfeifle. Ihm ist der Rücktritt deshalb auch nicht leicht gefallen, aber er habe die Kündigungen nicht verantworten können. Bückle und Werner hätten begonnen Missstände aufzuarbeiten, die vom Vorgänger zu verantworten gewesen seien. Er hoffe, dass der jetzt achtköpfige Aufsichtsrat eine glückliche Hand bei der Auswahl des neuen Vorstands habe.

Bereits im Frühjahr war der Reutlinger Steuerberater Rudolf König aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Er war, wie er auf Nachfrage bestätigt, aber aus rein persönlichen Gründen gegangen. Zu diesem Zeitpunkt sei er der Meinung gewesen, dass der neue Vorstand die von der BWGV angesprochenen Missstände "brav abarbeitet", dass die Geschäfte bei der Volksbank in geordneten Bahnen laufen würden. "Ich brauchte mehr Zeit für meine Kanzlei", so König zu den Gründen seines Rücktritts. Er hat auf die seitherigen Vorgänge mit einer Feststellungsklage reagiert, die er im Münsinger Amtsgericht abgegeben hat. Damit will er die Abhaltung einer außerordentlichen Vertreterversammlung erreichen, auf der die Mitglieder über die ganzen Vorgänge umfassend informiert werden sollen. Eine solche Versammlung würde übrigens auch dem Wunsch der Mitarbeiter entsprechen, wie gestern zu hören war. Groß ist bei ihnen die Verunsicherung über die Zukunft ihres Arbeitgebers.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bezeichnete Thomas Hagenbucher, Pressesprecher des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, gestern die wirtschaftliche Lage der Münsinger Volksbank als "gut".

Das Institut weise eine gute Ertrags- und Vermögenslage auf. Der aktuelle Vorstand arbeite intensiv am Vorankommen der Bank und stehe dabei in regelmäßigem Austausch mit dem BWGV. Die bei der letzten Prüfung festgestellten Mängel seien systematisch erfasst worden und würden aktuell abgearbeitet. Einige seien bereits behoben worden, bei anderen laufe die Beseitigung. Entlassungen von zwei Vorstandsmitgliedern nach derart kurzer Zeit seien ausgesprochen selten.

Die Volksbank ist derzeit auch ins Visier der Tübinger Staatsanwaltschaft geraten. Es laufen Ermittlungen gegen den früheren Vorstandssprecher Werner Leichtle, war von Dr. Michael Allmendinger von der Tübinger Staatsanwaltschaft, zu erfahren. Es geht dabei um den Vorwurf der Urkundenfälschung. Auch ist eine allerdings anonyme Anzeige eingegangen gegen Christian Bückle, bei der es um Kreditvergaben geht. In beiden Fällen laufen die Ermittlungen, ob es zur Eröffnung von Strafverfahren kommen wird, konnte der Staatsanwalt nicht sagen.

Kein Thema sind Reisen von Aufsichtsrat und Vorstand, die nach Ungarn, Berlin und Dresden führten. "Wir haben bei der Ungarnreise, die zu Rolf Keller führte, einen Großteil der Kosten selbst getragen", ist von Eduard Pfeifle zu erfahren.

Die Berlinreise sei auf Einladung des Genossenschaftsverbandes erfolgt, wo man auch einige Stunden gewesen sei und weitergebildet wurde. Kurzreisen habe es zuletzt nur alle drei Jahre gegeben, auch als Entschädigung für die vergleichsweise geringen Entgelte für die Aufsichtsratstätigkeit, erklärte Michael Manz.

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