Zwiefalten / Maria Bloching  Uhr

Im Alb-Donau-Kreis und in Oberschwaben sind Störche keine Seltenheit, in Zwiefalten allerdings schon. Quasi mit dem neuen Bürgermeister Matthias Henne hat auch der erste Storch vor fünf Jahren in der Münstergemeinde – ja, direkt auf dem Rathaus Einzug gehalten. Die Aussicht auf das barocke Münster gefiel einem Storchenpaar so gut, dass es sich auf dem Pilzdach der Sirene ein sporadisches Nest einrichtete. Bestimmt mit der festen Absicht, hier dauerhaft zu bleiben.

Möglich wurde dies schließlich durch das Eichennest, das ihnen Zimmermann Ingo Hamberger anstelle der abgenommenen Sirene aufs Dach gebaut hatte. „Ich wohne in der Nachbarschaft und habe immer einen Blick aufs Rathausdach“, erzählt er.

Laut Rainer Deschle, Storchbeauftragter des Regierungspräsidiums Tübingen, kam einer der ersten Störche der Ringnummer nach aus Kirchbierlingen bei Ehingen, wo er 2012 geschlüpft war. Bei seinem Partner handelte es sich um einen dreijährigen Storch aus Mengen. Die aus dieser Verbindung hervorgehende Brut war die erste Storchenbrut im Altkreis Münsingen überhaupt und die erste Storchenbrut im Landkreis Reutlingen seit 88 Jahren. Die letzte Brut fand dort 1926 in Riederich statt.

Gleich zwei Küken waren dem ersten Storchenpaar in Zwiefalten beschert, eines überlebte den Monat Juni jedoch nicht. Der verbleibende Nachwuchs wurde beringt und konnte ab Mitte Juli bei ersten Ausflügen gesichtet werden. Jedes Jahr kamen Paare seitdem hierher, um sich fortzupflanzen, auch in diesem Jahr.

Ein junger Storch schaut neugierig aus seinem Nest und lässt sich von seinen Eltern behüten und verwöhnen. „Er ist relativ früh geschlüpft, ist allein und deshalb schon in der Entwicklung ziemlich weit“, weiß Hamberger.

Seine Eltern sind unberingt und haben bereits Ende März mit der Brut begonnen. Woher sie kommen, weiß auch Rainer Deschle nicht. Ob es dieselben sind wie im vergangenen Jahr, die gleich drei Jungstörche im Nest hatten, ist ungewiss.

In diesem Jahr war es recht schwierig für den Nachwuchs. Vor allem in Oberschwaben haben Kälte und Regen den frisch geschlüpften Störchen zugesetzt, manche Nesthäkchen sind sogar verendet. Zwar sind die Auswirkungen laut Deschle nicht ganz so dramatisch wie ursprünglich befürchtet, klar ist aber, dass die Schlechtwetterperiode nicht spurlos an den Störchen vorbeigegangen ist.

Oft bleiben Störche ihren Nestern treu, wenn sie im Jahr zuvor ihre Jungen ungestört aufziehen konnten. 2018 waren sie aufgrund der langanhaltenden Kälte mit der Eiablage Anfang April recht spät dran, heuer saßen schon viele Störche Ende März auf ihrem Gelege. Eine schwierige Situation für jene jungen Störche, die erstmals als Neuankömmlinge aus dem Winterquartier zurückkehrten und einen Brutplatz suchten. Dabei hat nicht jeder ein neues Nest an einem günstigen Platz gewählt.

Wer sich für einen Horst auf beheizten Kaminen, in Schneefanggittern oder auf Masten entschieden hat, wurde manchen Gefahren ausgesetzt. Außerdem sind die jungen Vögel oft von alteingesessenen Störchen nicht gerne gesehen und wieder vertrieben worden.

Dem Wetter getrotzt

„Der Andrang in Zwiefalten jedoch war nicht allzu groß“, wie Ingo Hamberger beobachten konnte. Ihm gefallen seine Nachbarn, die im Dobel- und Wiesental nach Nahrung suchen und fündig werden. Auch der Zwiefalter Jungstorch hat dem Regen und der Kälte im Mai getrotzt. Jetzt dauert es nur noch einige Wochen, dann kann er flügge werden.

In Zwiefalten sind die Störche gern gesehene Gäste, immerhin zählen sie zu den schönsten und imposantesten Vögeln, die sich als einzige Großvögel freiwillig unter den Menschen niedergelassen haben. Sie bringen Leben in die Gemeinde, denn schließlich gehört klappern zu ihrem Handwerk. Sie klappern, um ihren Partner am Horst zu begrüßen.

Die Jungstörche klappern, wenn die Eltern mit Futter zum Nest kommen. Aber das Klappern dient nicht nur dem Austausch von Höflichkeiten, sondern auch als Droh- und Abwehrlaut gegen fremde Störche und Greifvögel. Dann legt Adebar den Kopf nach hinten, bis er fast den Rücken berührt.