Kirche Stefanie Bahlinger spricht in Auingen zur Jahreslosung

Pfarrer Frieder Dietelbach feierte den Neujahrsgottesdienst in der Pankratiuskirche, in der die Künstlerin Stefanie Bahlinger die Predigt zur Jahreslosung hielt.
Pfarrer Frieder Dietelbach feierte den Neujahrsgottesdienst in der Pankratiuskirche, in der die Künstlerin Stefanie Bahlinger die Predigt zur Jahreslosung hielt. © Foto: Maria Bloching
Auingen / Maria Bloching 02.01.2018

Erneut war die Mössinger Künstlerin bei der evangelischen Kirchengemeinde Auingen zu Gast, um zu erklären, was sie sich bei der malerischen Darstellung der Jahreslosung „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ gedacht hat. Seit 2004 drückt sie die Jahreslosung mit Farbe aus, seit 2009 werden ihre Bilder vom Birnbach-Verlag abgedruckt. Es sei immer „spannend“ das ganze Jahr über Impulse und Eindrücke aus dem Alltag zu sammeln, um sie dann bei der künstlerischen Entstehung der Jahreslosung zu bündeln. „Am Schluss ergibt sich eine Predigt“ – und diese hielt sie wieder am Abend des Neujahrstages in der Auinger Pankratiuskirche.

Wasser lebensnotwendig

Dabei ging Stefanie Bahlinger auf das wertvolle Gut Wasser ein: „Wasser ist lebensnotwendig und unser Gehirn ist so programmiert, dass – wenn der Wasserspiegel im Körper um nur 0,5 Prozent sinkt – es automatisch ein Durstgefühl auslöst“. Sauberes Wasser sei für uns selbstverständlich und werde oft einfach verschwendet. „Auch eine Seele, die nicht von Gott als lebendiges Wasser belebt wird, stirbt“, führte Bahlinger aus.

Sie durste nach dem wahren, echten Leben, doch oft werde versucht, diesen Lebensdurst selber zu stillen oder mit den unterschiedlichsten Durstlöschern abzutöten. In ihrem Bild ist das menschliche Leben als „Häfele“ dargestellt: ein irdenes Gefäß, ziemlich rissig, abgenutzt und leer. Das Dasein also ärmlich, bedürftig, schwach, abhängig, fehlerhaft, sündig, dreckig und lebenswund. Immer sind da Ängste, Bedrängnisse und Unzufriedenheit, immer ist da die Sehnsucht nach einem besseren Leben, nach einem Paradies.

Das irdene Häfele steht auf einem schwarzen Grund, der Tod, Sterben und das begrenzte Leben symbolisiert. Im Bild taucht aber gleich daneben ein großes, weißes Gefäß auf. Eine ähnliche Form, aber von ganz anderer Qualität. „Es scheint von einer anderen, helleren, leichten Welt zu kommen und legt sich wie ein Mangel um dieses kleine Häfele. Fast wie eine zweite Haut umarmt es das irdene Gefäß und umhüllt es mit Zartheit“. Gott selber sei es, der sich da anbiete: sein Umarmen, weil er Erbarmen habe mit den armseligen Menschen. Er wisse um das Verlorensein und um den Lebensdurst, sein „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel und wird von Stefanie Bahlinger in ihrer Darstellung aufgegriffen.

Gott kenne alle menschlichen negativen Gefühle, sei selbst als hilfloses Kind in eine Welt voller Kriege und Anfeindungen hineingeboren worden. Er erlebte Verlust, Verleumdung, Verlassenheit, Einsamkeit, Angriffe, Schmerz, Folter und letztendlich auch ein langsames, qualvolles Sterben am Kreuz. „Ich bin von der Aussage des sterbenden Jesus „Ich habe Durst“ sehr berührt. Sie zeigt die Verlorenheit, den Durst und alle Sehnsüchte der Menschen, die auf Jesus liegen“.

Die drei Blutstropfen links im Bild erinnern an sein Blut, das er für die Menschen vergossen hat. So wird der weiße Krug zum Kelch des Heils, weil er den bitteren Kelch ausgetrunken hat. Die Verbindung mit ihm wird als großes, goldenes Pluszeichen, als Kreuz und somit als „Gottes Addition“ dargestellt. Es verbindet den großen, weißen, heiligen Becher mit dem kleinen, irdischen Häfele. Zu sehen ist auch das Lebenswasser, das jedoch nicht in den irdenen Krug fließt, wo man es erwartet hätte, sondern an einer ungewohnten Stelle auftaucht. Es steht für das begrenzte Denkmuster, das schon mit der Geburt Jesu bei den Gelehrten und Mächtigen sichtbar geworden ist.

Begrenzte Denkmuster

„Jesu Hilfe ist oft so anders oder kommt zu einem anderen Zeitpunkt. Wir erkennen ihn oft nicht in unserem Alltag und sehen seine Zeichen nicht. Aber er ist da, mittendrin in der Dunkelheit, in der trockensten Wüste als ein Schluck Lebenswasser“, so Bahlinger. Auf der rechten Bildseite zeigt der stille See, das ruhige Wasser, dass seine Nähe zur Ruhe kommen lässt und den Durst stillt. Um den irdenen Krug hat die Künstlerin einen harten Block gemalt, der die menschliche Begrenzung darstellt.

Doch innerhalb des Feldes verändert sich die Farbe: aus dem dunklen Violett, das für Buße oder Umkehr steht, wird ein leuchtendes Pink, das an einen königlichen Purpur erinnert. Nach oben hin wird es heller und leichter, es verbindet sich mit dem Orange, das von der Seite kommt. „Das sind die schönen Momente, in denen wir Gott spüren, uns gesegnet fühlen und in denen wir ein bisschen in die ewige Welt spickeln dürfen“.

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