Bei goldenem Oktoberwetter nutzten Staatssekretärin Gisela Splett, Justizminister Guido Wolf sowie zahlreiche weitere Landtagskollegen und prominente Gäste am vergangenen Montag die Gelegenheit, gemeinsam mit dem landwirtschaftlichen Leiter und Agraringenieur Georg Schulze-Schilddorf einmal genauer hinter die Kulissen des Landguts Maßhalderbuch zu blicken. „Die Domänen des Landes sind ein wertvoller Bestandteil des Landesvermögens, das wir dauerhaft sichern und im Sinne der Biodiversitätsstrategie weiterentwickeln“, erläuterte Gisela Splett bei ihrer Eröffnungsrede.

Zum Vermögen des Landes Baden-Württemberg zählen neben Immobilien oder Beteiligungen an Unternehmen auch zahlreiche Grünflächen und insgesamt 58 Domänen. Die Gesamtfläche dieser landwirtschaftlichen Besitztümer beträgt rund 5800 Hektar mit etwa 1600 Grundstücken. Die Hälfte der Domänen sind an natürliche oder juristische Personen verpachtet. Weitere 29 Staatsgüter betreibt das Land mit eigenen Einrichtungen selbst. So auch die rund 284 Hektar große Staatsdomäne „Maßhalderbuch“, die zur Gemeinde Hohenstein gehört. 170 Hektar davon sind Eigentum des Landes Baden-Württemberg.

Dabei ist das Besondere bei diesem Hofgut nicht nur, dass die Ackerflächen und die Viehhaltung seit 1986 nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet werden, sondern ebenfalls, dass der Bauernhof eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rottenburg ist. Schon seit 1954 nutzt die Landesjustizverwaltung die Domäne für den offenen Vollzug. „Diese Einrichtungen dienen der Vorbereitung der Gefangenen auf ihre Entlassung. Sie sind eine wichtige Station auf dem Weg zurück in ein eigenverantwortliches Leben ohne Straftaten“, so Justizminister Guido Wolf. Insbesondere Maßhalderbuch sei ein Aushängeschild für zeitgemäßen Strafvollzug: „Die Angebote stellen sich aktuellen Themen wie ökologischer Landwirtschaft oder Artenvielfalt und tragen dazu bei, dass der Strafvollzug aus der Tabuzone der gesellschaftlichen Wahrnehmung geholt wird.“

Es wird auch weiterhin kräftig investiert

Daher wolle man auch weiterhin kräftig investieren. Seit 2014 flossen bereits rund 2,8 Millionen Euro in die Aus- und Umbaumaßnahmen des Hofs, der ursprünglich im Jahr 1616 als Klostergut des Benediktinerklosters Zwiefalten erbaut wurde, und dessen Gebäude heute zum Großteil unter Denkmalschutz stehen. Ganze 2,3 Millionen Euro fielen davon für die zwingend notwendige Sanierung und Erweiterung der Gefangenenunterkunft an. In diesem Zuge wurde das Dachgeschoss ausgebaut und die Haft- und Funktionsräume, die bislang im Untergeschoss gemischt waren, konnten klar getrennt werden. Das nächste Projekt wird dann der Neubau eines Geflügelstalls, eines Kälberstalls sowie einer Fahrsiloanlage sein.

Derzeit sind etwa 30 Gefangene dort eingesetzt, die in zwei Gruppen arbeiten. Während sich das Stallteam um die Tiere kümmert und die Ställe reinigt, ist die zweite Gruppe für die Hof- und Feldarbeit verantwortlich. Da es keinen Stacheldrahtzaun oder ähnliche Fluchtvorkehrungen gibt, kann freilich nicht jeder Häftling auf dem Bauernhof eingesetzt werden. „Alle waren mindestens einen Tag in der JVA in Rottenburg“, erläuterte Georg Schulze-Schilddorf. In der Anstalt werde jeder einzelne Fall sorgfältig geprüft. So seien es hauptsächlich Gefangene mit Kurzstrafen von unter einem Jahr, Langzeit-Inhaftierte, die sich in der Entlassungsvorbereitung befinden, und Menschen, die unter Drogen- oder Alkoholeinwirkung Straftaten begangen haben. Gewalttätige Gefangene seien nicht für die Hofarbeit geeignet.

Therapie für die Gefangenen

Die psychischen Probleme bei den Inhaftierten sind zum Teil sehr groß. „Wir bieten den Gefangenen einen echten therapeutischen Mehrwert“, so der landwirtschaftliche Leiter. Gerade die Arbeit mit Tieren bringe Struktur in den Alltag und fördere Empathie und Verantwortungsbewusstsein: „Wer bei der Geburt eines Kälbchens dabei ist, und diesem einen Namen gibt, entwickelt eine enge Bindung zu dem Tier. Das knackt die Leute.“

Neben Enten, Gänsen und Hühnern, Mastochsen, weiblichem Jungvieh und Kälbern werden rund 100 Milchkühe und ein Zuchtbulle gehalten. Die jährliche Verkaufsmenge an Milch liegt bei 550 000 Kilogramm. Angebaut werden verschiedene Getreidearten, Mais, Hülsen- und Hackfrüchte sowie Klee und Gemüse. Beim Getreide liegt der Schwerpunkt auf alten Pflanzenkulturen wie Buchweizen, Emmer und Einkorn. Hier setzt man bewusst auf die Nische, da man so mehr Geld verdienen könne. „Wir sind ganz klar gewinnorientiert und im Wettbewerb mit den Mitbewerbern“, betont Schulze-Schilddorf.

Der Vertrieb der Bio-Produkte erfolgt über den Hofladen, wo auch die Gefangenen zum Einsatz kommen. „Diese sind sehr verantwortungsbewusst, Probleme mit Geld gab es noch nie“, sagt Schulze-Schilddorf nicht ohne eine Portion Stolz. Außerdem arbeitet man insbesondere mit Herstellern und Gastronomiebetrieben aus der Region zusammen und hat viele private Stammkunden.

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