Syrien, Afghanistan, Tschetschenien oder Somalia: Das sind nur einige der Länder, aus denen Menschen kommen, die in Münsingen zurzeit eine Zufluchtstätte gefunden haben und die an diesem Dienstagabend das Asylcafé besuchen. Hier erfahren sie ein Stück Normalität, das es so längere Zeit in ihrem Leben nicht gegeben hat. Sie alle haben ihre Heimat nicht freiwillig verlassen und mussten durch die Flucht ihr gewohntes Leben aufgeben. Eine Flucht, die zumeist mit vielen Gefahren verbunden ist. Nur die syrischen Kontingentflüchtlinge, also jene Menschen, die nach einem Beschluss der Bundesregierung aus humanitären Gründen aufgenommen wurden, konnten mit dem Flugzeug ausreisen und erhielten hier ohne ein weiteres Aufnahmeverfahren sofort eine Aufenthaltserlaubnis. Doch dieses Glück hatten nicht alle Flüchtlinge aus Syrien. Auch einigen der Menschen, die nun in der Münsinger Begegnungsstätte Germania das Asylcafé besuchen, blieb nur die Chance, mit dem Fernbus aus dem Bürgerkriegsland heraus nach Libyen zu fahren. Von dort mussten sie sich einem Schlepper anvertrauen und die Fahrt auf einem der Flüchtlingsboote über das Mittelmeer nach Italien riskieren. Ein Weg, der für manch einen, der ihn angesichts der Gefahren zu Hause einschlägt, zur Todesfalle wird. So in etwa 1000 Dollar kostet die Chance auf eine sichere Zuflucht, auf ein zweites Leben. Ausgang ungewiss. Auch über die Türkei führen Fluchtrouten. Die, die jetzt hier sitzen, haben es geschafft. Und jetzt ist ihr Blick nach vorn gerichtet hin auf ein neues Leben und weg von den dramatischen Erlebnissen ihrer Flucht. "Die Menschen sind zufrieden, dass sie hier sind, das ist das Wichtigste". Das sagt Khodr Berro, der vor 27 Jahren aus dem Libanon nach Deutschland gekommen ist und sich jetzt intensiv um die Neuankömmlinge kümmert.

Auf ihrem Weg zurück in ein normales Leben erfahren die Asylbewerber seit gut zwei Jahren ehrenamtliche Unterstützung durch die Mitglieder des Arbeitskreis Asyl, der sich unter dem Dach des Diakonieverbandes um die Flüchtlinge kümmert. Fand das Angebot zunächst im Obergeschoss statt, so ist es nun der Gastraum der Germania, der sowohl den Flüchtlingen als Treffpunkt dient, wie auch einmal monatlich den rund 20 bis 25 Aktiven des Arbeitskreises als Versammlungsraum. Sie stehen als Ansprechpartner für viele Fragen beispielsweise zu Anwälten, dem Jobcenter oder Gerichten zur Verfügung - und helfen mit wichtigen Informationen beziehungsweise können im Bedarfsfall Hilfe von anderer Seite vermitteln.

Naturgemäß bildet die Sprache eine der größten Barrieren, die den Eintritt ins Alltagsleben eines neuen Landes verhindern kann. Doch erst seit diesem Jahr bietet das neue Flüchtlingsaufnahmegesetz denjenigen Asylbewerbern, die noch nicht anerkannt sind, wenigstens die Möglichkeit, an einem Basissprachkurs, den die Volkshochschule im Auftrag des Landratsamtes anbieten, teilzunehmen. Dieser soll Grundkenntnisse vermitteln. Nach dem vormittäglichen Unterricht ist es Gunthild Klimkait vom Asylcafé, die sich mit den Flüchtlingen je nach Lektion auf den Weg in die Stadt macht, um die Theorie in der Praxis zu erproben. "Wir gehen zum Beispiel in den Supermarkt, lesen Preisschilder und fragen Verkäufer nach bestimmten Dingen". Ihr Ziel: Lesen, sprechen und schreiben zu üben in Verbindung mit praktischen Alltagshilfen. "Für manche ist der Gang in einen Laden schon eine Hemmschwelle, weil sie nicht wissen, ob sie dann auch zum Einkauf verpflichtet sind", hat Klimkait beobachtet. Ein Stadtrundgang unter dem Motto "A" wie Apotheke bis "Z" wie Zentraler Omnibusbahnhof stand ebenfalls bereits auf dem Programm oder ein Besuch im Stadtmuseum. "Die Leute sind sehr interessiert und motiviert bei der Sache", freut sie sich. Allerdings, und das bekräftigen auch die anderen Mitarbeiter im Asylcafé, wären zusätzliche Helfer zur Betreuung und Begleitung der Flüchtlinge dringend vonnöten.

Während die Erwachsenen im Gastraum der Germania Informationen austauschen und über ihre Erfahrungen sprechen, werden ein Stockwerk höher die Kinder betreut. Immer zu Cafézeiten bieten Dorothee Mörike zusammen mit ihrer Tochter Johanne, Anne Hahn sowie Jule Gundert Spiel- und Bastelmöglichkeiten. Die Gymnasiastinnen freuen sich über das Interesse der Kinder. "Man merkt, dass es ihnen Spaß macht", erzählt Johanne Mörike. "Es ist schön zu sehen, dass sie uns mögen", ergänzt Anne Hahn. Zudem hat Heike Halder kürzlich damit begonnen, sich um jene Kinder zu kümmern, die mit besonders schwierigen Fluchterlebnissen zurechtkommen müssen. Dazu greift sie auf Elemente der Sandspieltherapie zurück. Neben weiteren Mitstreitern hoffen die Aktiven im Asylcafé auf finanzielle Unterstützung. Vorgesehen ist, bei den Wohnheimen in der Kepler- und Lehenstraße Spielgeräte für die Kinder zu installieren und auch der laufende Betrieb - Kaffee, Tee und Getränke werden den Gästen kostenlos angeboten - verursacht natürlich Ausgaben. "Zudem sollten wir den Ehrenamtlichen zum Beispiel bei Exkursionen wenigstens ihre Kosten ersetzen können", sagte Ina Kinkelin-Naegelsbach von der Diakonischen Bezirksstelle.

Info Wer Interesse an der Mitarbeit im Asylcafé hat, kann dienstags ab 19 Uhr in die Germania kommen und die Helfer ansprechen.

Weihnachtsaktion "Die gute Tat"

Liebe Leser, Dank Ihrer Spenden konnten das Metzinger-Uracher Volksblatt/Der Ermstalbote, die Reutlinger Nachrichten und der ALB BOTE in den vergangenen Jahren viele soziale Projekte oder Einrichtungen in unserer Region unterstützen. Das WIM-Haus, die Diakonische Bezirksstelle, das Ferientagheim, die Tafelläden in Metzingen, Bad Urach und Münsingen, die Matizzo-Stiftung und die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) konnten schon mit Ihren Spenden bedacht werden.

In diesem Jahr sind die Arbeitskreise Asyl im Ermstal und auf der Alb an der Reihe.

Deren Aufgabe ist es, Flüchtlingen bei ihrer Ankunft hier zu helfen, sie in der ihnen fremden Welt aufzufangen, ihnen die Integration zu erleichtern und damit ein gutes Zusammenleben zwischen Fremden und Einheimischen sicher zu stellen. Spenden für die Weihnachtsaktion "Die gute Tat" richten Sie bitte an Georg Hauser

GmbH & Co KG unter dem Stichwort "Weihnachtsaktion" entweder an die Volksbank Metzingen-Bad Urach, IBAN:

DE 03 640912000 233434003,

Kreissparkasse Reutlingen, IBAN:

DE 33 64050000 0000900540.

Eine Spendenbescheinigung wird nach Ende der Spendenaktion an alle Spender ausgestellt. Dazu muss bei der Spende oder Überweisung unbedingt die vollständige Adresse des Spenders angegeben werden. Dies gilt auch für kleinere Spenden.

SWP