Münsingen Spender gefunden

Lukas hat einen Stammzellenspender gefunden und blickt optimistisch in die Zukunft.
Lukas hat einen Stammzellenspender gefunden und blickt optimistisch in die Zukunft. © Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Münsingen / Sabine Zeller-Rauscher 19.11.2018

Die Juroren des Langenscheidt-Verlags entschieden sich heuer für „Ehrenmann“ als Jugendwort des Jahres. Ein Wort welches in der Jugendsprache einen Menschen, der anderen Menschen etwas Gutes tut, beschreibt. Lukas muss nicht einmal einen Bruchteil von einer Sekunde überlegen, wer sein absoluter Ehrenmann ist. „Mein Spender natürlich“, strahlt die junge Frohnatur. „Hättest ja auch „mein Papa“ sagen können“, scherzt sein Vater Igino beim Interview mit unserer Zeitung hinterher.

Mit offenen Karten gespielt

Das Leben geht für die ganze Familie trotz der Diagnose „Burkitt-Lymphom“ weiter, was allerdings eine gewisse Logistik voraussetzt. Bestens durchorganisiert sind in einem Schichtplan sämtliche helfenden Familienmitglieder eingetragen. Bereits vor drei Jahren hatte der elfjährige Optimist, schon einmal dieselbe Diagnose erhalten. Bei einer Kontrolluntersuchung im Juni stellten die Tübinger Ärzte, bei denen Lukas längst Stammgast ist, dann einen neuen Tumor fest.

„Jetzt muss ich erst einmal Rasenmähen, solange ich es noch kann“, so die nüchterne Reaktion des Jungen, nachdem er sich nach der erneuten Diagnose kurz ausgeheult hatte. „Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt, und offen über das Thema, welches man einfach nicht schönreden kann, gesprochen“, so seine Mutter Monika. Lukas war von Beginn an also bewusst, dass es sich bei seiner Diagnose nicht um ein harmloses Wehwehchen, sondern um eine ernsthafte Krankheit handelt.

Aktuell krebsfrei

Wie bei der Erstdiagnose, folgten auch bei der zweiten Tumordiagnose etliche Chemotherapien mit Nebenwirkungen. „Als ich gemerkt habe, dass meine Haare rausgehen, habe ich sie mir erst ein bisschen rausgezupft und dann eben komplett abrasieren lassen“, erzählt Lukas. Zwischenzeitlich sprießen auf seinem bislang kahlen Kopf wieder die ersten Haare. Auch seine dunklen Augenbrauen wuchsen wieder nach.

Seit Mitte Oktober ist Lukas daheim. „Aktuell ist er krebsfrei. Dennoch benötigt er jetzt noch die Stammzelltransplantation, damit es keinen Rückfall mehr gibt. Das Immunsystem von Lukas weist einen Fehler auf, welcher durch die Stammzelltransplantation behoben werden soll“, so Lukas Mutter. Sie hat sich natürlich wie alle, die den fröhlichen Burschen kennen, riesig gefreut, dass ein passender Spender gefunden werden konnte.

Die Sektkorken will sie trotz der schönen Nachricht noch nicht knallen lassen, weil ihr wie Lukas auch, durchaus bewusst ist, dass sein Körper die Spende erst einmal annehmen muss. Einige Vorbereitungen müssen bis zur eigentlichen Transplantation noch getroffen werden. Dem jungen Patienten ist durchaus klar, dass die kommende Zeit, bei der er dann unter anderem eine längere Zeit auf der Isolierstation – sechs Personen die Lukas besuchen dürfen, konnten im Vorfeld bestimmt werden – liegen wird, zunächst kein Zuckerschlecken werden. „Ich nehme meine Playstation und mein Fifa-Spiel mit, damit kann ich mich ganz gut ablenken und auch WhatsApp wird mit helfen“, blickt er der Zeit, die sich nun einmal nicht ändern lässt, dennoch positiv entgegen.

Auch für danach hat Lukas schon einige Pläne geschmiedet. So verfolgt er unter anderem das Ziel, dass er mit Hilfe der Haus- und Kliniklehrer die 6. Klasse am Gymnasium trotz seiner Krankheit packt. Zu Weihnachten wünscht er sich Geld, mit dem er sich dann Eintrittskarten für verschiedenste Freizeitparks wie Disneyland Paris oder Heidepark kaufen kann. Am 24. Juli will er mit der Startnummer 1 auf der Brust beim Run in die Ferien an den Start gehen. Und weil Fußball seine allergrößte Leidenschaft ist, träumt er zudem noch von einer Profifußballkarriere.

Dankbar für Unterstützung

Wird das nichts, dann vielleicht Ingenieur bei Porsche oder Arzt. Ein Semester für diesen Beruf hat Lukas quasi schon absolviert. „Er kennt sich voll im Bereich seiner Blutwerte und seinem Krankheitsbild aus“, bestätigt seine Mutter.

Sehr dankbar ist sie wie auch ihr Mann nicht nur dem Spender, sondern auch dem kompletten Umfeld, das hinter der Familie steht. Familie, Freunde, Hungerberghexen und die Schulleitung des Gymnasiums boten und bieten nach wie vor, wo immer es geht, ihre Unterstützung an. Und sofern es der Spender auch will, möchte Lukas in drei Jahren seinen größten Ehrenmann persönlich kennenlernen.

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