Grafeneck Sound kommt auch im Glashaus an

 Anyone‘s Daughter zog die Besucher in ihren Bann
 Anyone‘s Daughter zog die Besucher in ihren Bann © Foto: Sabine Herder
Grafeneck / Sabine Herder 24.07.2018

Anyone‘s Daughter – klingelt da was bei den älteren Fans des Progressiv Rock? 1979 erschien mit „Adonis“ das erste Album der deutschen Rockband und begeisterte mit seiner komplexen, melodischen Rockmusik all jene, die damals auch Pink Floyd und Genesis hörten. Was die Band heute macht, war am Sonntag in Grafeneck zu hören: Das Konzert, veranstaltet von der Gesellschaft der Musikfreunde Münsingen in Zusammenarbeit mit dem Samariterstift Grafeneck, berührte all jene, die mit einer „Anyone‘s-Daughter-Vergangenheit“ im Gepäck gekommen waren, aber auch diejenigen, welche die Band erst nach ihrer Wiedervereinigung im Jahr 2000 kennengelernt haben.

Ein kleiner Wermutstropfen in der Konzert-Vorfreude: Aufgrund der unsicheren Wetterbedingungen konnte die Band leider nicht wie geplant open-air unter den großem Bäumen im Schlosshof spielen, sondern musste ins Grafenecker Glashaus umziehen. Dort wurde es im Anschluss an das Grafenecker Dorffest richtig voll, so dass sogar zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Die Veranstalter dürften sich über die vielen Gäste gewiss gefreut haben, geht doch der Erlös des Konzerts in Grafeneck wie immer als Spende an das „Schulprojekt BRASIL“.

 Für die drei Musiker von „Anyone‘s Daughter“ bot sich auch im Glashaus Grafeneck eine respektable Bühne, um ihr neues Albums „Living the Future“ vorzustellen. In der Trio-Besetzung Matthias Ulmer (Keyboards, Piano, Gesang), John Vooijs (Lead-Gesang) und Uwe Metzler (Gitarre) ist allerdings nur noch Keyboarder und Komponist Ulmer aus den Anfängen der Band dabei. Seine musikalische Handschrift ist dann tatsächlich auch aus etlichen Passagen der neuen Songs herauszuhören, aber der musikalische Stil der Band hat sich natürlich zeitgemäß gewandelt: Die früheren, sinfonischen Prog-Werke sind deutlich pop-rockigen Stücken gewichen.

Im anspruchsvollen Mainstream der heutigen „Anyone‘s Daughter“ sucht man freilich die verschachtelten Arrangements und ausschweifenden Instrumentalpassagen des früheren Progressiv Rock vergebens. Dann aber kann man sich auch in den neuen Songs wieder an epischen Keyboardpassagen und starken Gitarrenläufen freuen, welche an die früheren Werke der Band erinnern. Ein bisschen vom Sound alter Zeiten steckt auch in den neuen, soliden Rocksongs und tiefgehenden Balladen.

Wer die frühen „Anyone‘s Daughter“ nicht kennt, vermisste nichts: Schöne Songs mit komplexen und gefühlvollen Strukturen erfüllten das Glashaus –  eingängige, abwechslungsreiche, akustische Arrangements mit einem kleinen Schuss Elektronik, mit starkem Gesang und melodischen Keyboard- und Gitarren-Passagen.

„Perfect Day (Crocodile Smile)“ war sicher nicht der stärkste Song des Abends, aber der, zu dem alle Zuhörer mitsangen und im Takt in die Hände klatschten. Die Ballade „One World We Are Living In“ dagegen berührte die Gäste nachdenklich und mit eindringlich musikalischer Kraft.

Erst als Zugabe gab es dann für alle „ewig Gestrigen“ ein Wiederhören zweier sehr alter Band-Hits: Die Songs „Moria“ und „Another Day like Superman“, beide vom frühen Album „Anyone‘s Daughter“, beschlossen das Konzert mit viel Emotion und entließen alte wie neue Fans nach „standing ovations“ mit dem Gefühl: „Diese Musik geht unter die Haut“.

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