Wie bereits vergangenes Jahr fährt Stadtarchivar Yannik Krebs auch jetzt wieder zweigleisig: Zur Vortragsreihe „Rückblick ins 20. Jahrhundert: Was geschah vor 90, 80, 70, 50, 30 Jahren?“, bei der es um markante Wendepunkte in der Weltgeschichte geht (siehe Infokasten rechts), findet begleitend dazu ab 4. April im Stadtmuseum eine Ausstellung statt. Sie gibt schlaglichtartig Einblick, was in diesen Jahren im Münsinger Stadtleben wichtig und interessant war. Für jedes Jahr steht eine Vitrine. So wird man in der für 1929 unter anderem einen Zeitungsausschnitt zu einem heute noch aktuellen Thema finden. In einem Artikel beschwert sich Bürgermeister Otto Werner, dass der Wetterbericht im Rundfunk nicht zutreffend sei, der Tourismus schlechtgeredet werde. Es stimme nicht, dass man auf der Alb keinen Wintersport betreiben könne, die Loipen seien gespurt.

Vor allem mit Dokumenten werden die Vitrinen bestückt. Die sind klein, bieten deshalb wenig Platz für Objekte. Doch wenn er eines für 1939 geliehen bekommt, freut sich der Stadtarchivar. Da nämlich geht es darum, was man für einen Antrag fürs Ehrenkreuz der deutschen Mutter alles beibringen muss. In seinem Bestand hat Krebs keines, würde aber gerne zur Illustration eine der Auszeichnungen, die es damals in verschiedenen Stufen gab, dazulegen.

Ende des Jahres 1949 erschien der „neue Alb Bote“. In einem Brief bittet Verleger Viktor Baader Bürgermeister Erwin Volz um ein Geleitwort für die erste Ausgabe. Das Schreiben wird ebenso präsentiert wie die Ergebnisse der ersten Bundestagswahl. Die werden an die Wand projiziert, zum Vergleich auch die von 1969. In die 60er-Vitrine kommt unter anderem noch das Programmheft zur Einweihung des Auinger Sportplatzes.

Für 1989 ist bereits ein Themenkomplex mit Fotos klar: Damals wurde in Münsingen 650 Jahre Stadtrecht gefeiert. Was sonst noch dazukommt – da ist man noch am Sichten.

 Um die Ausstellung auf die Beine zu stellen, hat Krebs, unterstützt von Dieter Reichhold, Gerhard Haag und Steffen Steinhäußer, „Riesenberge an Akten und Zeitungsbänden“ gewälzt. Bei der Fülle an Materialien sei es gar nicht einfach gewesen, eine Auswahl zu treffen, die Alltägliches, Typisches, Privates sowie den Bezug zur Weltpolitik widerspiegelt. Übrigens: Heraus genommen aus der Reihe hat Krebs 1959 und 1979, weil sich da nichts so Bedeutendes entwickelt habe wie davor und danach.

Außerdem wird über den Vitrinen alles voller Zeitungen hängen, um die 50 Stück – vor allem Ausgaben des ALB BOTE. Den kann man sich greifen, schmökern, erfahren, was sich in den fünf Jahren in der Welt und auf der Alb so zugetragen hat. Dazu will das Archiv in der Ausstellung einen Service bieten: Wer ein bestimmtes Exemplar aus den „Vitrinen-Jahren“ möchte, beispielsweise um es zum Geburtstag, einem Betriebs- oder Ehejubiläum zu verschenken, kann es gegen eine Gebühr bestellen.

Fünf Vorträge im Stadtmuseum 


Die gemeinsame Vortragsreihe von Stadtarchiv, Geschichtsverein und VHS Bad Urach-Münsingen trägt den Titel „Rückblick ins 20. Jahrhundert – Was geschah vor 90, 80, 70, 50, 30 Jahren?“
Auftakt ist am Donnerstag, 14. März, mit Prof. Dr. Bernd Braun, Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg. Sein Thema: „1929 – Das letzte „Normaljahr“ der Weimarer Republik?“
Dr. Carsten Kretschmann, Universität Stuttgart, ist am 11. April zu Gast im Münsinger Stadtmuseum. Er referiert über „Zwischen Frieden und Krieg – das Jahr 1939“.
Mit „Bonner Wagnis – Die Gründung der Bundesrepublik  Deutschland 1949“ befasst sich Dr. Sebastian Hansen  von der Universität Düsseldorf  am 9. Mai.
Am. 26. September macht  Prof. Dr. Philipp Gassert, Lehrstuhlinhaber für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim, „1969 – Mehr Demokratie wagen: Protest und Reformen bei Willy Brandt und Richard Nixon“ zum Thema.
Die Vortragsserie beschließt am 17. Oktober Prof. Dr. Edgar Wolfrum, Lehrstuhlinhaber für Zeitgeschichte an der Universität Heidelberg, mit „War 1989 ein Wendepunkt der Weltgeschichte?“

Die Vorträge finden alle im Stadtmuseum im Schloss statt, Beginn ist jeweils um 19 Uhr. 
Der Eintritt ist frei, Spenden  sind willkommen.

Sieben Monate Sonderausstellung


„Was geschah in Münsingen vor 90, 80, 70, 50, 30 Jahren?“ ist Titel der Sonderausstellung, die am Donnerstag, 4. April, 19 Uhr,  im Stadtmuseum eröffnet wird. Sie ist  bis zum 24. Oktober zu sehen.