Trailfingen Skurriles rund um die Ziegenpost

Annerose und Jürgen Genuneit erzählten beim Mitmachfest humorige, aber auch bewegende Geschichten. Foto: Heike Feuchter
Annerose und Jürgen Genuneit erzählten beim Mitmachfest humorige, aber auch bewegende Geschichten. Foto: Heike Feuchter
Trailfingen / HEIKE FEUCHTER 21.08.2012
Lauschige Plätzchen in urigem Ambiente, Ziegengeburtstag, unterhaltsame Geschichten und Skurriles rund um die Ziegenpost: All das bot das dritte Mitmachfest auf dem Traiflinger Ziegenhof.

Vor drei Jahren wurde das Mitmachfest unter dem Motto "Schiller" aus der Taufe gehoben- und was bot sich als Namen für das damals frisch geborene Böcklein mehr an als der Vorname des berühmten Dichters? Also wurde einst Friedrich samt Paten auf seinen Weg geschickt und ist nun erwachsen geworden, beliebt bei der Damenwelt und heiß begehrt als Zuchttier.

So kam es, dass das Geburtstagskind am Ehrentag nicht auf dem Hof von Volker Eggebrecht und Claudia Bärbel Kirsamer weilte, sondern "diensthalber" im Nachbardorf residierte. Kein Grund, ihn nicht hochleben zu lassen!

Die Gäste feierten in familiärem, gemütlichem Rahmen und hatten natürlich allerhand Präsente dabei: Blumenkränze, Gedichte, Geschichten und natürlich Ziegenpost! Dem Sinn dieses Begriffs ist Journalist und Publizist Peter Fuhrmann in seinem Programmbeitrag auf den Grund gegangen: "Es erwartet Sie Poesie gepaart mit skandalösen Ereignissen und verqueren Gedankengängen". Sein süffisanter und humoristischer Exkurs bot beste Unterhaltung, schlug einen Bogen über Politik und Olympia bis hin zu Franz von Assisi und landete immer wieder bei der Hauptperson: Bei Friedrich, "das poetische, polternde, potente Gleichgewicht". Ebenso unterhaltsam war den Beitrag der beiden Alphabetisierungsexperten Annerose und Jürgen Genuneit, welche mit Unterstützung des Klett-Verlags einen literarischen Streifzug zum Thema "mit fremder Feder-Liebesbriefe von Analphabeten" unternahmen.

Humorige Geschichten aber auch bewegende und tiefgründige Schicksale kamen zum Vortrag und machten deutlich, wie wichtig und wertvoll einst die Schreiber für Analphabeten waren und wunderbar das Beherrschen der Schrift doch ist. "Schreiben Sie heute noch einen Brief von Hand, an einen lieben Menschen", forderten sie die Besucher auf. Die Gelegenheit dazu hatten die Gäste gleich nebenan: In der Scheune stand Brief- und Kartenmaterial zur Verfügung, samt Federn, Briefmarken und - natürlich - einer Karte mit dem Konterfei von Friedrich. Ebenso war dort eine Briefmarkenausstellung vom Ehepaar Genuneit zu bewundern, die über 60 Postwertzeichen mit Ziegenmotiven aus aller Welt bereithielt, ergänzende Postkarten und Fotos rahmten die Ausstellung ein.

Und dass es die Ziegenpost wirklich gab, zeigten alte Illustrationen von Ziegengespannen vor dem Postwägelchen. Mit genüsslichem Verfolgen weiterer Beiträge, Durchblättern von Fotoalben, betrachten von den am Mittag erstellten Ziegenaquarellen und mit Seele baumeln lassen im malerischen Hofraum ließ es sich gut Mensch sein auf dem Ziegenfest.

Ziegenrote vom Grill, Käse, Hefezopf, Most und Apfelsaft schmeckten herrlich im Schatten von Bäumen und Pavillons und die Kulisse der Ziegenherde im Hintergrund war das atmosphärische i-Tüpfelchen des Nachmittags.

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