Marbach Sitzschulung und "Styling de luxe"

Marbach / SABINE HERDER 17.06.2014
Zöpfchen flechten, schminken, Bälle werfen - der Pferdezüchter-Nachwuchs absolvierte am Wochenende ein vielfältiges Programm. Im Gestüt Marbach fand das erste Bundesjungzüchterfestival statt.

In Marbach standen am Wochenende die Jungzüchter im Mittelpunkt: Knapp 100 pferdeinteressierte Jugendliche aus ganz Deutschland kamen zum bundesweiten Fortbildungsseminar der "Jungzüchter Baden-Württemberg" ins Haupt- und Landgestüt. Sie nutzten die Einladung der Organisation innerhalb des Pferdezuchtverbands, um Fachwissen zu vertiefen, Kontakte zu knüpfen und auch gesellig zusammenzukommen.

Schon am Freitag reisten die jungen Teilnehmer in Marbach an, zunächst zu Abendessen und Welcome-Party im Festzelt, dann am Samstag zum vielseitigen Fachprogramm mit Workshops, Vorträgen und Praxisdemos rund ums Pferd.

Im Durchschnitt sind sie 15 Jahre alt und überwiegend weiblich: Um sich der Organisation der Jungzüchter anzuschließen, muss man kein eigenes Pferd besitzen und auch keine Pferde züchten. Es genügt, Interesse an der Sache und Engagement mitzubringen, Pferde-Affinität vorausgesetzt. Mit dabei sind auch Carolin, 13, und Leonie, 16, aus Heilbronn. Carolin lernt seit einem Jahr Reiten, Leonie arbeitet bereits regelmäßig mit den Pferden zuhause. Beide haben sich ihre Fortbildungskurse am Samstag sorgsam ausgewählt.

Beim Workshop"Styling de luxe" vertiefte Carolin ihr Wissen, wie man ein Pferd bei der Zuchtschau optisch besonders gut in Szene setzt, vom Einflechten der Mähne bis hin zum optimalen Fellglanz. Die beiden Referentinnen Anke Gaab und Isabell Roth verrieten dem Nachwuchs dabei ihre Tipps und Tricks, von der richtigen Flechttechnik bis hin zu Farbvertiefer und Glanzspray. Und weil Übung erst den Meister macht, durften die Jungzüchter auch gleich selber Hand anlegen.

Zeitgleich zum "Schminken" in der Stallgasse referierte Championats- und Auktionsreiterin Ines Knoll in der Reithalle über "Ausbildungswege für junge Pferde". Auch hier wurde der lockere, jugendgerechte Vortrag mit praktischen Demonstrationen ergänzt. "Gut", urteilte Leonie, die jetzt besser weiß, dass sie mit den eigenen Pferden schon vieles richtig macht.

Der Workshop "Sitzschulung nach Eckhard Meyners" stand anschließend noch auf Leonies Programm, wo Bewegungstrainerin Silvia Rall ihren Teilnehmern praxisnah und anschaulich die Begriffe Gleichgewicht, Differenzierung, Koordination, Orientierung und Reaktion erläuterte.

Viel Vorbereitung erforderte die Praxisdemonstration "Funktionale Anatomie in der Praxis" mit Zuchtrichterin Ulrike Dressel. Über zwei Stunden lang hantierte dafür Pferdephysiotherapeutin Sarah Bucher mit weißer Farbe, um den Knochenbau des Pferdes direkt auf den Leib zu pinseln. Für die Teilnehmer ein Gewinn: Während des Vortrages ließen sich so Bewegungsabläufe direkt nachvollziehen.

Ergänzt wurden die gut besuchten Workshops und Demos am Samstag durch ebenfalls interessante Vorträge, unter anderem über die großen Gestüte in Europa, Zuchtwertschätzung und "Geheimnis Pferdemaul". Durchweg "bewährte, jugendgerechte Praktiker" waren als Referenten am Start, erklärte Mitorganisatorin Ulrike Schätzle von den Jungzüchtern Baden-Württemberg und zeigte sich auch mit der gesamten Organisation sehr zufrieden. Allerdings: Bei der Teilnehmerzahl sei noch Potenzial vorhanden, meinte die engagierte Regionalsprecherin.

Auch könnte das Event "rotierend" zukünftig in anderen Bundesländern durchgeführt werden, überlegte Schätzle schon voraus. Ein guter Anfang wurde mit dem ersten Bundesjungzüchterfestival im Haupt- und Landgestüt Marbach für die Nachwuchsschulung auf jeden Fall gemacht.

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