Riedlingen Silit-Mitarbeiter bangen um Arbeitsplätze

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Riedlingen / 20.06.2014
Die Auszeichnung verdeutliche das Entwicklungspotential, das in dem Unternehmen stecke, heißt es in einer Denkschrift, die von Betriebsrat und IG Metall gemeinsam erarbeitet und an den WMF-Vorstand, aber auch – mit der Bitte um Unterstützung – unter anderem an das baden-württembergische Wirtschaftsministerium versandt worden ist. Damit will man weiterhin punkten am Standort Riedlingen, an dem von den bestehenden rund 300 Arbeitsplätzen 100 wegfallen sollen. Weitere 25 Mitarbeiter müssten künftig in Geislingen tätig sein. Das amerikanische Unternehmen Kohlberg Kravis Roberts & Co. Partners LLP als neuer Hauptaktionär habe nur ein Ziel, die Gewinnoptimierung, klagt Betriebsratsvorsitzender Anton Lehmann. Als man dort um einen Ansprechpartner bat, um die offensive Marktstrategie Silit vorzustellen, wurde der Betriebsrat wiederum an den WMF-Konzern verwiesen. Dessen Positionen unterscheiden sich erheblich von dem der Arbeitnehmervertreter bei Silit. Während er die „Beseitigung von spezifischen Unternehmens- und markenbezogenen Strukturen durch Zentralisierung“ verfolge, plädieren die Riedlinger für eine „organische Weiterentwicklung“ des Bestehenden. Der WMF-Vorstand sehe die Markenvielfalt als Kostenfaktor, die Silit-Vertreter erkennen ihn als Wettbewerbsvorteil und propagieren auch einen konzerninternen Wettbewerb – zum Beispiel von Edelstahl und Silargan. Nicht gefallen will den Riedlingern, dass Silargan-Produkte in den Wachstumsmärkten künftig als Marke WMF vertrieben werden sollen. Sie sehen in der Verknüpfung mit dem Material Silargan Silit „als Wachstumstreiber im Rahmen der Erschließung von Wachstumsmärkten“ und haben dabei insbesondere Asien im Blick, zumal auch dort das Gesundheitsbewusstsein und damit der Absatzmarkt für Silit wachse. An der Position des WMF-Vorstandes, die Markentochtergesellschaften, wie sie Silit Riedlingen eine darstellt, zu reinen Produktionswerken umzuformen und Verwaltung, Vertrieb und Marketing in Geislingen zu konzentrieren, hält der Betriebsrat fest. Die Reaktionsfähigkeit auf Entwicklungen im Markt erforderten Eigenverantwortung im Unternehmen in Riedlingen „auch durch eigenständige Vertriebs- und Marketingstrukturen“. Die „kurzen Wege“ bei Silit in Riedlingen werden als Vorteil gewertet. Weil ein Rädchen in das andere greife, sei man so erfolgreich, verweist Lehman noch einmal auf die Auszeichnung. „Bei Umsetzung der Pläne wird die wertvolle Marke Silit auf ein Abstellgleis geschoben – ohne Perspektive. Organisch gewachsene Strukturen, auf deren Grundlage überdurchschnittliche Gewinne erzielt wurden, werden aufgegeben und unumkehrbar zerstört“, reden Betriebsrat und IG Metall Klartext. Sie fordern zudem, das 2013 in Betrieb genommene Lager weiter zu nutzen und die selbst gefertigten Produkte mit Handelsware zu ergänzen. Den Plänen des WMF-Vorstandes zur Konzentration setzen sie eine „offensive Markenstrategie Silit“ entgegen, mit konkreten Vorschlägen, aber auch Forderungen. So solle die Marke Silit in einer Testphase von mindestens fünf Jahren auch in den Wachstumsmärkten eingeführt und offensiv gefördert werden. „Es werden kontinuierlich und systematisch die Kosten und Nutzen analysiert, der durch die Weiterführung der Marke Silit entsteht“, so Betriebsrat und IG Metall. Sogar Investitionen in den Standort und die Marke Silit werden in der Denkschrift verlangt, beispielsweise bei der Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte und der Modernisierung der Fertigung und des Emaillierwerks. Detaillierte Information durch die Silit Geschäftsführung über die geplanten Umstrukturierungsmaßnahmen werden zeitnah erwartet. WALTRAUD WOLF
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