Erfolgreiche Premiere: Gestern Vormittag ging das Netz-Werk-Orchester der Württembergischen Philharmonie (WPR) erstmals an den Start – die Musiker spielten am WPR-Sitz in Reutlingen und wurden übers Internet per Live-Stream direkt auf eine Großleinwand in die Turnhalle in der Alenberghalle übertragen. Dort kamen rund 160 Fünftklässler aus der Gustav-Mesmer-Realschule (GMR) und dem Münsinger Gymnasiums nicht nur in den Genuss klassischer Musik, sondern konnten auch das Duell der beiden Schüler-Teams „School of Musiker“ und „CoolenMusiker“ von GMR und Gymnasium in einer spannenden Spielshow rund um die Musik mitverfolgen. Drei Schüler – Karolina (GMR), Leah und Jonas (beide Gymnasium) – kommentierten das Geschehen in Reutlingen für die Zuschauer auf der Alb, während dort die Musikpädagogin Anuschka Wagner die Spielshow moderierte.

Das bundesweit einmalige Projekt geht auf eine Idee von WPR-Dramaturgin Stefanie Eberhardt zurück, für die konzeptionelle Umsetzung war Oliver Hauser, Musikvermittler im Dienste der WPR, verantwortlich. „Wir wollten die Möglichkeit bieten, das Orchester live und hautnah zu erleben“, sagte Dr. Dietmar Leichtle, Musiklehrer an beiden Schulen. Der Wettkampf „war spielerisch angelegt und sollte für beide Teams ein Erfolgserlebnis werden“, so Leichtle weiter.

Ein Konzept das aufging, schließlich endeten die ersten fünf Runden jeweils Unentschieden und erst die finale Aufgabe brachte den Siegpunkt für das Team der GMR. Zum Auftakt intonierten die WPR-Musiker die Ouvertüre aus Figaros Hochzeit. Während die Kamera durch die Reihen schwenkte, mussten die Schüler die Streichinstrumente benennen: Violine, Bratsche, Celli und Kontrabässe wurden richtigerweise genannt und die nicht in die Reihe passende Harfe fand sich ebenfalls bei beiden Teams. Nicht schwer fiel auch die Entscheidung zwischen Zauberberg, -flöte und -harfe bei der Frage nach einer weiteren Mozart-Oper. Wie Musik eine Geschichte erzählt erfuhren die Kinder in der Tondichtung „Der Zauberlehrling“ von Paul Dukas – jeweils drei aus den Spielteams durften die Geschichte weiter erzählen und die Frage beantworten, welches Instrument den „munter hüpfenden Besen“ spielt. „Fagott“ war richtig und dieses wurde von Irene de Marco, seit 1986 bei der WPR als Fagottistin, vorgestellt. Wozu sein „Spickzettel“ am Pult dient, erläuterte Dirigent Thomas Herzog, während die Schüler dann nach einem Blick auf die dortigen Partituren für die folgende Star-Wars-Suite von John Williams tippen mussten, welche Instrumente am häufigsten zum Einsatz kommen. „Blechbläser“ war nicht unter den Antworten – eine Nullrunde also. Die Vielfalt der Schlagwerke wiederum stellte Markus Kurz im Interview mit Jonas vor. Er war es auch, der die Einführung zu Star Wars erklingen ließ, die dann auf Klangrohren, den „Boomwhackers“, nachgespielt werden musste. „Eine ganz schwere Entscheidung, aber Team zwei hat gewonnen“, sagte Kurz in den aufbrausenden Jubel der Realschüler hinein. 6:5 lautete somit der Endstand und Wagner überreichten die WPR-Trophy an die Sieger.

„Wir waren im Vorfeld alle ein bisschen aufgeregt, aber es hat toll geklappt“, erzählte Wagner. „Ziel war es, klassische Musik erlebbar zu machen, schließlich sind Kinder die Zuhörer von morgen“, sagte Wagner weiter. Das A und O auf technischer Seite war die direkte Internetverbindung, die eine Übertragung ohne Zeitverzögerung ermöglichte und übrigens nur einmal für kurze Zeit „unable to connect“ meldete.

Eine weitere Begegnung zwischen Musikern der Philharmonie und Münsinger Schülern hatte bereits am Montag stattgefunden: In Verbindung mit dem aktuellen Projekt ist auch eine Schulkooperation zwischen dem Gymnasium und der WPR entstanden. Die WPR-Musiker Judith Pfeiffer (Geige), Alfred Hepp (Trompete), Markus Kurz (Schlagwerk) und Dennis Jäckel (Oboe) mischten sich unter die Akteure des neu gegründeten Sinfonierorchesters des Gymnasiums, an dem auch Schüler der Gustav-Mesmer-Realschule teilnehmen. Die Profis gaben wertvolle Tipps und Kniffe an die jungen Musiker weiter. Dabei rückte die Klassik in den Hintergrund: Geprobt wurden Stücke von Bon Jovi, Kiss oder der Pop-Klassiker „Thriller“ von Michael Jackson. So waren neben Bläser- und Streicherregistern auch Keyboard, E-Gitarre und Drum-Set beteiligt.

Info Das neue Sinfonieorchester des Gymnasiums wird neben anderen Akteuren beim Weihnachtskonzert am Montag, 17. Dezember, in der Alenberghalle zu hören sein.

Fördermittel für einzigartiges Projekt


Als Netz-Werk-Orchester bringt die Württembergische Philharmonie Klassik aufs Land: Neben dem jetzigen Live-Stream sind drei weitere Orchesteraktionen vorgesehen. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt kostet insgesamt 134 000 Euro, davon stammen 63 000 Euro aus Fördermitteln. 60 Prozent der förderfähigen Kosten trägt das Leader-Programm, das innovative Vorhaben auf der Mittleren Alb unterstützt, die übrigen 30 Prozent stammen aus dem TRAFO-Programm, das „Modelle für Kultur im Wandel“ voranbringen will. rot