Mit „Sex, Sport und saufen“ beschrieb Dr. Martin H. Hust, Facharzt für Innere Medizin und Sportmedizin in seinem Beitrag die drei S des Mannes, der sich in der Pflegesituation ruck zuck zu „still, satt und sauber“ entwickelt. Dass und wie eine gesunde Lebensweise vor der Pflegesituation oder dem menschlichen Zerfall schützen können, brachten sowohl der Referent, als auch der Chirurg und Sportmediziner Dr. Horst Ortolf sowie Christoph Anrich (Sportwissenschaftler und Athletik- und Mentaltrainer) beim sportmedizinischen Seminar kurzweilig und knackig zu Gehör.

Viel Neues war dabei eigentlich nicht zu erfahren. Dennoch nahmen die Zuhörer im Anschluss wichtige Erkenntnisse mit nach Hause. Die gesundheitsbewussten Sportler eine Bestätigung für ihren Lebensstil, der ihnen ein fittes und gesundes Altwerden verspricht, die anderen einen ordentlichen Wink mit dem Zaunpfahl, der deutlich aufzeigte, dass es höchste Zeit ist, ihr Leben zu verändern, um die Gefahr für mögliche Erkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck, Depressionen oder Osteoporose zu minimieren.

Gleich vorweg, eines der drei S kann sowohl der Mann als auch die Frau gleich vergessen. Saufen nämlich ist tabu. Weinliebhabern trieb es bei den Empfehlungen von Hust vermutlich die Tränen in die Augen. So ist laut dem Mediziner der Frau lediglich das Achtele und dem Mann das tägliche Viertele vergönnt. Weiter empfahl der Gesundheitsexperte unter anderem eine ausgewogene mediterrane Kost, Oliven- oder Rapsöl sowie den Verzicht auf Tabak.

Bei Olivenöl müsse man aufpassen, weil viel Fake-Olivenöl im Umlauf sei. Gutes Olivenöl erkenne man daran, dass es im Hals kratzt, im Abgang brennt und nach Gras schmeckt. Vor dem Verzehr von Kokosöl riet der Mediziner ab. Erlaubt sei auch Schokolade, allerdings sollte es dann die mit hohem Kakaoanteil sein. Ganz wichtig sei auch ein zufriedenes Leben und ein gutes soziales Umfeld. „Wer immer unglücklich sein will, der muss nur den Neid pflegen“, so Hust, der interessante Prozentzahlen in seinen Vortrag gepackt hatte.

So würde sich durch eine gesunde Lebensweise das Risiko an einer Herz-Kreislauferkrankung zu erkranken um 80 Prozent reduzieren, das Diabetisrisiko um 90 Prozent und die Krebssterblichkeit um 25 Prozent.

Speziell auf die Bewegung ging Dr. Horst Ortolf mit einem guten Sinnbild ein. Ortolf verglich die 656 Muskeln des Menschen mit den Gurten und Seilen eines Segelbootes, welches im Sturm nur  stabil sein könne, wenn sämtliche Seile und Gurte intakt sind. Neben der besseren Durchblutung der Muskulatur sieht Ortolf in der Bewegung auch den Vorteil einer guten Koordination und Ausdauer. Auch zur Arthrosevorbeugung und zum Ankurbeln des Stoffwechsels setzt der erfahrene Arzt auf die Bewegung und sagt: „Je mehr wir uns bewegen, desto mehr Kalk gibt’s in die Knochen“.

Deutlich zugenommen hätten in seiner Praxis Nackenbeschwerden, welche Ortolf unter anderem auf den enormen Handykonsum zurückführt. Ist der rund fünf Kilogramm schwere Kopf beim Blick auf das Handy nach vorne gebeugt, würden sich dabei enorme Schwerkräfte entwickeln, die zu Nackenbeschwerden führen.

Anfängern empfahl der Mediziner in kleinen Schritten zu beginnen, denn Sport müsse Spaß machen. Nicht vernachlässigen dürfe man die Füße, die einen bestenfalls das ganze Leben lang tragen. Ortolf empfahl gutes Schuhwerk und Fußgymnastik zum Beispiel in einem warmen Vogelsandbad.

Christoph Anrich stellte in seinem Vortrag fest, dass viele Menschen bei ihrem „heiligen Blechle“ schnell in die Werkstatt fahren, bei körperlichen Beschweren jedoch oftmals lange warten bis sie zum Arzt gehen. Der Sportwissenschaftler beleuchtete unter anderem den Zusammenhang zwischen Bewegung und Stressabbau. So würde Bewegung unter anderem die Dopaminausschüttung anregen, was sich auf die Motivation auswirke. Weiter behauptete Anrich, dass die alte Vorstellung über Stretching nicht haltbar sei, weil ein Muskel in seiner inneren Faserstruktur nicht dehnbar sei. Anrich setzt beim Dehnen auf den PI-Effekt, bei welchem die Dehnung dann unterbrochen wird, wenn der Dehnungsreiz deutlich spürbar ist.

Weiter ging Anrich in seinen Ausführungen auf das Filament Titin ein, welches für Elastizität und Stabilität im Muskel sorgt. „Der Weg auf die Alb hat sich mal wieder gelohnt“, so Bernd Walter, der zum Seminar extra aus Altbach angereist war und in der hiesigen Läuferszene kein Unbekannter ist.

80


Prozent niedriger ist das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung durch eine gesunde Lebensweise un dum 90 Prozent geringer das Diabetesrisiko, so Dr. Martin H. Hust.