Mit einer internen Neugliederung hat sich die Bruderhaus-Diakonie auf der Führungsebene stärker regional in Baden-Württemberg verankert. „Nicht zuletzt aufgrund des Wachstums wollten wir eine lokale Präsenz des Vorstands erreichen und das Geschäft auf mehr Schultern verteilen“, sagte Christian Freisem, im gemeinsamen Gespräch mit unserer Zeitung sowie dem neuen Fachbereichsleiter in Buttenhausen, Markus Rank und Pressesprecherin Sabine Steininger. Freisem kümmert sich seit einigen Monaten als Regionalleiter für die Region Reutlingen um den Bereich Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie. Nach wie vor bildet Reutlingen einen Schwerpunkt in der Arbeit der Bruderhaus-Diakonie und so sind drei weitere Regionalleiter für die Bereiche Altenhilfe, Jugendhilfe sowie Arbeit und berufliche Bildung verantwortlich. Insgesamt gibt es elf Regionalleiter als „Bindeglied zwischen der Verwaltung und den Einrichtungen in der Region“, erläuterte Freisem. Derzeit beschäftigt die Bruderhaus-Diakonie rund 4500 Mitarbeiter, die in 15 Stadt- und Landkreisen etwa 10 000 Menschen mit Unterstützungsbedarf betreuen. Freisem selbst stammt aus dem Raum Hannover, lebt aber seit drei Jahrzehnten „südlich der Mainlinie“, berichtete er weiter. Nach verschiedenen Stationen in der Industrie folgte der Wechsel in den sozialen Bereich zu einem privaten Träger der Behindertenhilfe, bei dem Freisem für den Förder- und Betreuungsbereich, die Öffentlichkeits- und die Verbandsarbeit zuständig war. In der Bruderhaus-Diakonie kümmert sich Freisem um Aufgaben, die alle Einrichtungen gleichermaßen betreffen, beispielsweise das Qualitäts- oder Umweltmanagement oder die Einführung neuer Software. Im Fokus stehen auch die Weiterentwicklung des bislang schon differenzierten Angebots. „Derzeit werden die Vorgaben des Bundesteilhabegesetzes in konkrete Angebote umgesetzt“, erläuterte Steininger. Den Klienten soll damit ermöglicht werden, mehr ambulante Leistungen in Anspruch zu nehmen.

Die Region Reutlingen, die identisch mit dem Kreisgebiet ist, gliedert sich wiederum in drei Raumschaften, nämlich das Stadtgebiet Reutlingen, das Ermstal und die Alb mit dem Schwerpunkt Buttenhausen. Hier ist seit Juli diesen Jahres Markus Rank als neuer Fachbereichsleiter im Einsatz. Er war zuvor in der Dienststelle Neckar-Alb für rund 550 Mitarbeiter verantwortlich. Diese ist im Bereich Ermstal aufgegangen, die Angebote bestehen allerdings unverändert fort. Rank ist seit mehr als 20 Jahren bei der Bruderhaus-Diakonie beschäftigt. Nach seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger hat er zunächst zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet. „Das hilft mir bei der strategischen Planung, weil ich die Auswirkung von Entscheidungen nachvollziehen kann“. Seit 1998 arbeite er in der Bruderhaus-Diakonie in verschiedenen leitenden Funktionen, berichtete Rank. Nebenberuflich absolvierte er an der Universität Heidelberg ein Studium der Diakoniewissenschaften, das er mit dem Diplom abschloss. Neben der Personalsteuerung kümmert er sich um die fachliche und inhaltliche Weiterentwicklung der Angebote am Standort Buttenhausen. Auch hier spielen natürlich die genannten Vorgaben im Bundesteilhabegesetz oder vor allem die baulichen Anforderungen, die sich aus dem Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz ergeben, eine wichtige Rolle. Planung und Umsetzung erfolgen natürlich im Gesamtverbund der Bruderhaus-Diakonie.

Einen Schwerpunkt sieht Rank in der Frage, wie künftig mit dem Bereich „Offene Hilfen“ umgegangen wird. „Wir wollen das Projekt Alb Brut gerne fortführen, das Interesse aller Beteiligten ist groß“, betonte Rank mit Blick auf die Kunstassistenz. „Auch Menschen mit schweren geistigen Beeinträchtigungen können sich durch entsprechende Angebote weiterentwickeln und erfahren durch die Ergebnisse ihrer Arbeit Anerkennung und Wertschätzung“, fügte Steininger hinzu. „Hier sind es die Mitarbeiter, die wissen, wo ihre Klienten stehen und sie dort abholen“, so Freisem.

Die Wahlmöglichkeiten und die Entscheidungsspielräume zur persönlichen Lebensgestaltung haben sich für Menschen mit Behinderung deutlich vergrößert. „Der Bereich ist jetzt komplett selbstbestimmt“, so Steininger. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass Inklusion zwar fortgesetzt wird, auf der anderen Seite jedoch zentrale Angebote wie in Buttenhausen ebenfalls Bestand haben werden. Dabei geht es um die größtmögliche Selbständigkeit. „Wir brauchen dezentrale und kleinteilige Angebote genauso wie solche mit beschützendem Charakter“, betonte Rank. Entscheidend ist in jedem Fall der Wunsch des Klienten. Durch die „Individuelle Hilfeplanung“ wird dieser konkretisiert. „Es werden Interviews geführt, um herauszufinden, wie der Betroffene leben, arbeiten und sich fortentwickeln will“, erläuterte Freisem. Den Rahmen für die nötige Unterstützung gibt eine externe Begutachtung vor.