Nach einem Jahr Wettbewerbspause ist Uli Schwenk wieder zurück. Der Münsinger Segelflieger wird im September im italienischen Pavullo, das in der Provinz Modena (Region Emilia-Romagna) liegt, an der Weltmeisterschaft in der 13,5-Meter-Klasse teilnehmen – und natürlich zum Kreis der Favoriten zählen. Am Sonntag geht es los.

Hauchdünner Vorsprung

Blättern wir zwei Jahre zurück. Im Juli 2017 fand in Ungarn die zweite Weltmeisterschaft in der noch ganz jungen neuen Segelflugzeugklasse statt. Damals lieferte sich der polnische „Überflieger“ Sebastian Kawa mit Schwenk ein spannendes Rennen um den WM-Titel, den Kawa am Ende mit dem hauchdünnen Vorsprung von gerade mal drei Punkten für sich entschied und sich so den 12. von mittlerweile 13 Meistertiteln holte.

Ein reiner Zweikampf dürfte es in Pavullo freilich nicht werden, schließlich sind vier starke Italiener am Start, unter ihnen Stefano Ghiorzo, der 2015 die erste 13,5-Meter-Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Aber auch mit Kawas Landsmann Christoph Matkowski und dem Österreicher Peter Hartmann wird zu rechnen sein.

Flair verflogen?

Eigentlich wollte Uli Schwenk keine großen Meisterschaften mehr fliegen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verrät. Der Flair, den es früher bei diesen Wettbewerben gab, ist verflogen. Kaum noch bleibt Zeit, Kontakte mit Piloten anderer Nationen zu knüpfen. Im April auf der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen, wo Uli Schwenk mit seiner Firma Jaxida, die Schutzhüllen nicht nur für Flugzeuge herstellt, mit einem Stand vertreten war, kam Aldo Cernezzi, der Wettbewerbsleiter der WM in Pavullo auf ihn zu, bat den Schwaben, sich doch für den Wettbewerb anzumelden. Schwenk winkte ab: Der Münsinger ist schließlich nicht mehr im A-Kader der Nationalmannschaft vertreten. Cernezzi blieb hartnäckig, kam mehrmals zum Jaxida-Stand, um Schwenk zu „umgarnen“. Der Schwabe erkundigte sich daraufhin bei den Herstellern, ob ein 13,5-Meter-Flieger frei war und ergatterte sich schließlich tatsächlich eine Mini-LAK in Litauen, die er vom Verein in Pocinunai, wo er 2004 bei der Europameisterschaft am Start war und reichlich Kontakte geknüpft hatte, gestellt bekommt.

Im nächsten Schritt sprach Schwenk Walter Eisele an, den Vorsitzenden der Bundeskommission Segelflug, bekundete sein Interesse an der WM-Teilnahme. Von Teamcaptain Wolli Beyer erfuhr Schwenk, dass der WM-Platz für Junioren vorgesehen sei. Er wolle keinen der Junioren verdrängen, antwortete Schwenk. Und blieb am Ende doch der Einzige, der Interesse und vor allem einen Flieger hatte.

Familiäres Umfeld

Auf Pavullo freut sich Schwenk, weil es mit zwölf Teilnehmern ein sehr kleines Feld, damit auch ein familiäres Umfeld gibt, die Möglichkeit zum Austausch mit den anderen Piloten besteht. Er wolle mit „neuer Achtsamkeit“ fliegen, so Schwenk. Im Frühjahr hatte der 59-Jährige den Hahnweide-Wettbewerb bestritten und war in der Offenen Klasse mit einer ETA Zweiter geworden. „Das hat mir neues Selbstbewusstsein geschenkt“, sagt Schwenk. Hinter ihm lagen da anstrengende und stressige Monate, als es galt, das Wings-Modegeschäft abzuwickeln, Abschied zu nehmen von einem wichtigen Lebensabschnitt.

In Italien wird Elke Schwenk dabei sein und wohl ein Mentalcoach, von dem Uli Schwenk noch einiges lernen will, denn Coaching ist inzwischen neben Jaxida ein festes Standbein für den Schwaben geworden. Der Australier Keith Gateley hat seine ETA auf dem Dottinger Eisberg stationiert, von wo aus Uli Schwenk Trainingsflüge für Interessierte anbietet wie zuletzt Mitte August für einen jungen Piloten aus Neuseeland.

Meistertitel und Medaillen


Uli Schwenk ist seit Jahrzehnten erfolgreicher Segelflugpilot. Zweimal wurde er in den 1990-er Jahren Deutscher Meister in der Offenen Klasse. 1995 errang er den Vizeweltmeistertitel in Neuseeland, 1998 wurde er im polnischen Leszno Europameister. Während Schwenk auch Silber und Bronze bei Europameisterschaften holte, musste er bis 2017 warten, ehe es ein zweites Mal WM-Silber für ihn gab. Einen zweiten Platz erkämpfte sich Uli Schwenk 2007 beim Segelflug-Grand-Prix in Neuseeland und einen dritten 2014 in Sisteron/Frankreich. Bei einer DM stand er 2015 letztmals auf dem Podest, als er in Erbach in der 15-Meter-Klasse Dritter wurde.