Münsingen / Anne Laaß  Uhr

Auf den Ernstfall vorbereitet sein, das ist die Devise des Landratsamtes Reutlingen: Die Afrikanische Schweinepest ist noch nicht in Deutschland gemeldet worden, und die hiesigen Ämter und Behörden wollen, dass das so bleibt. Der Grund dafür ist einfach: „Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist der Rambo unter den Viren“, erklärt Thomas Buckenmaier vom Kreisveterinäramt. Dagegen sei die Tollwut ein Mimöschen, verdeutlicht Buckenmaier. Um schnellstmöglich zu reagieren, wurde für den Landkreis ein Konzept entwickelt. Es gehe darum, vorbereitet zu sein und nicht erst darüber zu reden, wenn es passiert ist, erklären Stefan Brunner von der Kreisforstverwaltung und Buckenmaier.

Förderung für Verwahrstelle

Um darüber zu informieren, wie hoch die Gefahr ist, wurde vom Landratsamt zu einer Veranstaltung geladen. Vor der Verwahrstelle beim Münsinger Bauhof wurde über die Afrikanische Schweinepest, die bereits in Belgien und Polen ausgebrochen ist, gesprochen, und wie sich der Landkreis vorbereitet. Insgesamt gibt es sieben solcher Verwahrstellen im Landkreis, doch die Münsinger haben eine Vorbildfunktion. „Was man tun kann, hat man gemacht“, merkt Stefan Brunner vom Kreisforstamt an.

Die Zusammenarbeit mit den Münsingern klappe, zudem seien sie immer mit im Boot. „Sie diskutieren nicht lang, sie machen einfach“, betont Brunner. Die Verwahrstelle des Bauhofs ist 24 Stunden täglich geöffnet, was ein Vorteil ist. Die Tür ist durch einen speziellen Zahlencode gesichert und es gibt die Möglichkeit, bei der Polizei einen Chip zu holen, um die Tür zu öffnen, erklärt Bauhofleiter Tim Emundts. Die Verwahrstellen werden zudem finanziell vom Ministerium für Ländlichen Raum gefördert, mit maximal 20 000 Euro pro Stelle, merkt Christine Schuster von der Pressestelle des Landratsamtes an.

Zum Zwölf-Punkte-Maßnahmenkatalog zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest gehört es auch, die Schwarzwildbestände im Land mithilfe der Jäger zu reduzieren. Die ASP ist eine gefährliche Seuche. Sie befällt Schwarzwild und es gibt noch keinen Impfstoff. „Sie ist der Horrorvirus für alle, die damit arbeiten“, verdeutlicht Brunner. Die Seuche bleibt lange in der Umwelt, daher müssen alle toten Tiere eingesammelt werden. Denn andere Wildschweine können sich bereits beim Vorbeilaufen anstecken.

Daher bemüht sich das Landratsamt Reutlingen um eine strukturierte Vorbeugung. Dies geschieht unter anderem durch Monitoring. Hierfür werden Proben eingefordert: Die Sets ermöglichen es unter anderem den Förstern, immer wieder Proben von Wildschweinüberresten zu entnehmen. Diese werden auf die ansteckende Seuche untersucht. Für die prophylaktischen Maßnahmen ist das gesamte Landratsamt im Boot, sagen die Zuständigen in Münsingen. „Es geht alle etwas an“, betont Brunner. Für Menschen ist diese Pestform zwar ungefährlich, aber sie können helfen, die Seuche einzudämmen. So sollten Essensreste und Rohwurstwaren aus Ländern, in denen die ASP bekannt ist, sicher entsorgt werden. Der Virus überlebt auch in frischem, gefrorenem, gepökeltem und geräuchertem Fleisch, informiert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Die zuständigen Ämter setzen aber auch auf die Unterstützung der Jäger und Förster. Sie sind Teil des Monitorings. „Das funktioniert gut“, erklärt Brunner. Angewiesen wurden rund 60 Proben, angekommen sind über 100. Sollte je in einer der Proben die Seuche entdeckt werden, beginnen die Notfallmaßnahmen. Zum einen wird um den Fundort des Leichnams eine 15 Kilometer lange Zone eingerichtet, hinzu kommt eine Pufferzone von 45 Kilometer Radius. „Wir müssen den genauen Standort kennen, am besten durch GPS“, sagt Thomas Buckenmaier.

Die verendeten Tiere sollten auch in einer Wanne transportiert werden, nicht etwa auf einem Gitter, um die Verschleppungsgefahr zu minimieren. Die Kadaver werden dann in der Münsinger Verwahrstelle, die ständig gekühlt wird, aufbewahrt und später zur Tierkörperbeseitigungsanstalt (TBA) transportiert, wo sie unschädlich beseitigt werden, um eine weitere Verbreitung der Seuche zu verhindern.

Kontakt einschränken

Für Schweinehalter, insbesondere im Bereich der Freilandhaltung, kommen weitere Maßnahmen hinzu. Die Nutztiere und auch die Hausschweine sollten keinen Kontakt zu Wildschweinen haben. Prinzipiell eingehalten werden müssen auch Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen.

Sollte sich ein Tier infizieren, muss jedoch der gesamte Bestand getötet werden, auch um die Ansteckung zu verhindern. Wäre dies nicht der Fall, müsse mit wirtschaftlichen Schäden gerechnet werden. Der Preis für Schweinefleisch würde einbrechen, erklärt Buckenmaier.

ASP: Verwahrstellen und Vorgehen beim Fund eines toten Wildschweins

Bei der Afrikanischen Schweinepest handelt es sich um eine anzeigepflichtige Viruserkrankung. In Deutschland herrscht ein hohes Ansteckungsrisiko, und zwar aufgrund der Wildschweindichte. Das Virus wird durch Zecken, Blut, Tiersekrete und Schweiß übertragen. Die Verwahrstellen sollen die Beprobung der Kadaver organisieren, um Krankheitserreger festzustellen. Zudem werden hier die verseuchten Kadaver gesammelt und entsorgt.
Jäger sind besonders gefordert: Sollte Fallwild mit unklarer Todesursache gefunden werden, muss das ans zuständige Veterinäramt weitergegeben werden. Für den Landkreis Reutlingen ist es das Kreisveterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt, Telefon (0 71 21) 4 80 24 10, werktags bis 22 Uhr erreichbar. Nach Dienstschluss und an Wochenenden bis 21.30 Uhr gilt folgende Telefonnummer (0 71 21) 4 80 24 60. Wichtig ist dabei, dass der Fundort, möglichst mit Georeferenzierung, angegeben wird.

Mehr Informationen und Verhaltensregeln gibt es beim Friedrich-Löffler-Institut und beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.