Etwas für andere tun und selber dabei lernen – die Achtklässler der Schillerschule Münsingen wissen jetzt, wie das geht. Die Schülerinnen und Schüler haben sich das ganze Schuljahr mit Solidarität, Nächstenliebe und sozialer Verantwortung beschäftigt und sich aus dem Unterricht heraus für andere Menschen, verantwortungsvollen Konsum und soziale Gerechtigkeit engagiert.

Seit Januar besuchten sie an einem Nachmittag in der Woche Kindergärten und Schulen, Senioren- und Behindertenheime, Welt- und Tafelläden, Diakonie und Förster. Sie konnten dabei ihr Wissen einbringen und selbst erfahren, was es bedeutet, sich für andere und die Gesellschaft stark zu machen. Bereits im Schuljahr 2006/2007 hat die Schillerschule die Lehr- und Lernform „Lernen durch Engagement“ in Klassenstufe acht eingeführt.

Im Rahmen des regulären Unterrichts von Religion, Ethik und Gemeinschaftskunde wird fachliches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement verbunden und vermittelt, wie Wissen praktisch angewendet und so für die Gesellschaft zum Nutzen werden kann. Dadurch gelingt es, das eigene Handeln unmittelbar erlebbar zu machen und auch jene Jugendliche zu erreichen, die sich sonst nicht freiwillig engagieren würden. „Jeder kann einen Unterschied machen – für die Menschen, für die Umwelt und für die Gesellschaft. Das zeigt die Schillerschule vorbildlich, in dem sie mit der Lernform ,Lernen durch Engagement’ Demokratiekompetenz von jungen Menschen stärkt“, führte Anna Mauz von der Stiftung „Lernen durch Engagement“ aus.

Gemeinsam mit Lisa Funke verlieh sie am Donnerstagnachmittag der Schillerschule den Schulpreis, der mit 1000 Euro dotiert ist und bundesweit nur an drei Schulen ausgegeben wird. Die Engagementbereitschaft der Schülerinnen und Schüler habe im positiven Sinn Gänsehaut bereitet: „Ihr habt die Initiative ergriffen und seid auf Eure Engagementpartner zugegangen, Ihr habt Berührungsängste abgebaut, gelernt Euch und Euren Stärken zu vertrauen, Euch von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sowie die Verantwortung für andere und die Gesellschaft übernommen“, sagte sie weiter.

Individuelle Stärken

Doch ohne die pädagogische Leitung und Begleitung durch Lehrerin Ulrike Weiblen und Schulleiterin Nicole Breitling wäre all dies nicht möglich gewesen. Gemeinsam haben beide viel Zeit, Energie und Überlegungen investiert, um das Engagement der Schüler mit dem Unterricht zu verbinden. Dabei wurde jeder Einzelne sensibel in den Blick genommen und auf dessen individuelle Stärken den Fokus gelegt. „Mit Mut und Neugier wird der schulische Alltag an der Schillerschule durch ,Lernen durch Engagement’ immer wieder aufs Neue innovativ und demokratisch gestaltet. Dieser Enthusiasmus steckt Schulen in ganz Deutschland an, wir ziehen den Hut vor Eurer Leistung“, lobte Lisa Funke. „Schülerinnen und Schüler erleben Selbstwirksamkeit, erfahren Anerkennung und Wertschätzung. Sie entdecken ihre eigenen Stärken und Talente, erleben Momente, in denen sie die Gesellschaft mitgestalten können“, führte Nicole Breitling aus und zeigte sich beeindruckt von der Leistung der Jugendlichen. „Wir stärken durch ,Lernen durch Engagement’ die Demokratie und die Zivilgesellschaft, außerdem verändern wir so den Unterricht selbst und das Lernen“.

Mit dem, was in der Schule gelernt werde, könne etwas bewegt werden – dies sei eine ganz neue Art zu lernen: „Lernen fürs Leben, denn aus engagierten Kindern werden engagierte Erwachsene“, meinte Nicole Breitling.

Die Schülerinnen und Schüler haben nach eigenen Worten vielfältige Erkenntnisse gewonnen: sie haben Verantwortung für ihr Tun und für andere übernommen, den Umgang mit Kindern sowie mit alten und behinderten Menschen gelernt, konnten neue Freundschaften schließen sowie Liebe und Freude schenken, sie verzichteten auf Schimpfwörter und fühlten sich bestätigt.