Die Siebtklässler der Münsinger Schillerschule äußerten schon vor einem Jahr den Wunsch, einmal einen ganzen Tag lang nur Englisch zu sprechen. Das jedoch macht laut Klassenlehrerin Heike Ditzinger nur Sinn, wenn damit eine authentische Begegnung verbunden ist. Also bewarb sich die Klasse am deutsch-amerikanischen Institut in Tübingen um die Teilnahme beim Projekt „Conversation Visits“ aus dem Programm „Rent an American“, durch das die interkulturelle Kompetenzentwicklung durch den Besuch eines amerikanischen Studenten gefördert werden soll.

Kurzer Steckbrief

In Englisch wurde eine Einladung geschrieben und jeder Schüler stellte sich in einem kurzen Steckbrief vor. Während des Englischunterrichts wurde im Vorfeld überlegt, welche Fragen den Jugendlichen auf den Nägeln brennen. Mit dem 19-jährigen Nick Swope war nun ein echter Amerikaner aus Philadelphia zu Gast, der im zweiten Semester in Tübingen Germanistik studiert und hervorragend Deutsch spricht.

Er gab Einblicke in den persönlichen US-Alltag, beantwortete geduldig die vorbereiteten Fragen der Siebtklässler –  natürlich ausschließlich in Englisch. Gleich die erste Frage zielte auf Donald Trump ab. Die Antwort machte deutlich, dass es gar nicht so einfach ist, das Englisch eines echten Amerikaners in normaler Sprechgeschwindigkeit eins zu eins zu verstehen. Dennoch näherten sich Schüler und Student nach und nach an.

Im Rahmen einer Schulhausführung stellten die Schüler ihre Bildungseinrichtung vor, außerdem hatten sie von Zuhause zahlreiche Leckereien mitgebracht, die nun gemeinsam nach einer kurzen englischen Beschreibung genossen wurden. Dieser erste Besuch ermöglichte eine intensive Auseinandersetzung mit der Fremdsprache im Alltag, zukünftig sollen weitere Besuche durchgeführt werden, bei denen eventuell ein Lehrer des deutsch-amerikanischen Instituts mehrere Tage intensiv mit der Klasse an einem transatlantischen Thema arbeitet.

Darüber hinaus wird geplant, Veranstaltungen des deutsch-amerikanischen Instituts in Tübingen wie etwa Konzerte oder Ausstellungen mit interessierten Schülern zu besuchen. „Wir wollen unseren Schülern echte, authentische Begegnungen ermöglichen. So können sie ausprobieren und zeigen, was sie bisher im Englischunterricht gelernt haben“, erklärt Heike Ditzinger.

Denn eine Fremdsprache zu lernen ist das eine – mit ihr aber zu kommunizieren und sie im echten Leben anzuwenden etwas völlig anderes. In der Schillerschule sollen künftig Phasen des Sprechens an Alltagssituationen orientiert und über kooperative Lernformen realisiert werden. In Klasse 7 werden deshalb die schriftlichen Übungen über einen Wochenplan organisiert. Die Schüler arbeiten individuell an ihren Aufgaben und kommen bei Problemen auf ihren Lehrer zu.

Blick über Tellerrand

„Aber auch dabei wird konsequent Englisch gesprochen“, macht die Lehrerin deutlich. Dabei zeigt sich sehr schnell, wie schwierig es ist, einen Wunsch oder ein Problem in Englisch zu formulieren. Hemmungen und Sprachbarrieren sollen dadurch abgebaut, das Selbstbewusstsein soll gestärkt und der Blick über den Tellerrand hinaus unter einem interkulturellen Aspekt gewagt werden.

Dieser auf den Alltag bezogene Englischunterricht kommt bei den Schülern gut an, er schärft das Fremdbild und das Selbstbild.