Die Landeskirche hat einen Fonds eingerichtet für "Kleinprojekte mit und für Flüchtlinge". Der ist mittlerweile auf 650 000 Euro aufgestockt, "und eine großartige Sache", findet Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg. Von der profitiert jetzt die Trommelgruppe des Münsinger AK Asyl. Denn das Projekt, so Kaufmann, passt genau. Einen 2000 Euro-Scheck brachte er für die jungen Männer aus Gambia, Syrien, Irak und Afghanistan mit. Alle sind Asylbewerber und warten auf ihre Anerkennung.

Und da hilft es, "die Traumata in die Trommeln zu bringen, das Erlebte wegzutrommeln", sagt Heike Halder. Sie hat die Gruppe ins Leben gerufen, betreut sie regelmäßig, geübt wird im Alten Lager. Die Instrumente dafür hat sie zusammengeliehen, ihre eigenen zur Verfügung gestellt.

Jetzt müssen acht der ausgeliehen Djembe-Trommeln zurückgegeben werden. Eine kostet etwa 150 Euro. Außerdem brauchen manche der Musiker Stöcke - denn Afrikaner und Araber haben eine unterschiedliche Art und Weise zu trommeln. Beim wilden Rhythmus geht ab und an auch eine Trommel kaputt, die Stöcke sowieso. Die Männer schnitzen sie sich inzwischen selbst. Gebraucht werden für die Gruppe, die manchmal bis zu 20 Musiker zählt, auch diverse andere Rhythmusinstrumente. Wie das klingt? Die Gäste beim Neujahrsempfang in der Alenberghalle haben es erfahren, und es gab Riesenbeifall für die Trommler.

Genau das ist es, was mit den Geldern aus Stuttgart bewirkt werden soll - Kontakte herstellen, Anerkennung bekommen. "Musik schafft Brücken, ist eine Sprache, die jeder versteht", betonte Kaufmann gestern bei der Scheckübergabe in der Germania.

Er habe den Eindruck, die "Solidarität in der Gesellschaft ist groß, das Engagement ungebrochen". Die Kirche mache sich stark dafür, dass Flüchtlinge "hier einen Platz brauchen". Es sei wichtig, sich als Kirchengemeinde der "Verantwortung zu stellen, Heimat anzubieten". Zur Heimat gehört für ihn auch Familie. Deshalb findet Kaufmann das "Asylpaket 2", das die Bundesregierung verabschieden will, ein Ding der Unmöglichkeit: "Familien gehören zusammen."

Wie zuvor schon Kaufmann, betonte auch der Landessynodale Markus Mörike, die persönliche Begegnung sei "ein Schlüsselerlebnis". Dadurch würden nicht "die Flüchtlinge", sondern der einzelne Mensch mit seiner Lebensgeschichte wahrgenommen. Mit den Flüchtlingen "kommt in unsere Kulturlandschaft etwas Neues herein - und das bereichert". "Es kommen immer mehr Flüchtlinge, und immer mehr Menschen" helfen ehrenamtlich mit. Man könne fast schon von einem Wettbewerb der Gemeinden untereinander sprechen, "wenn die das schaffen, dann bekommen wir das auch hin".

Jüngstes Beispiel Dottingen: Dort sind zur Infoveranstaltung 400 Besucher, zur Gründung des Helferkreises 40 Bürger gekommen (wir haben berichtet). Die Landessynode stelle für die Flüchtlingsarbeit Geld und Personal zu Verfügung, ebenso sei es unerlässlich, dort, wo es Angebote gebe, die Menschen "zu unterstützen, sie zu ermutigen".

Asylarbeit funktioniert nur mit Vernetzung. Ein Partner ist da zum Beispiel die Germania, "als Ort der Asylarbeit", so Ina Kinkelin-Naegelsbach, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Münsingen. Ebenfalls ein wichtiger "Integrationspartner", ist die Stadt. Rebecca Hummel ist im Rathaus für die Koordination zuständig. Das Alte Lager muss bis Ende April geräumt werden. Damit die Trommelgruppe dann nicht ohne Übungsraum dasteht, ist Hummel schon auf der Suche und sicher, "da finden wir was". Außerdem erlebt sie es als "unglaublich toll, was hier alles ehrenamtlich läuft".