Konzert Saisonauftakt bei GdM

I Liguriani boten in der Münsinger Zehntscheuer ein furioses Konzert
I Liguriani boten in der Münsinger Zehntscheuer ein furioses Konzert © Foto: Graser-Kühnle Sabine
Münsingen / Sabine Graser-Kühnle 04.10.2017

„I Liguriani“, das sind Fabio Biale, Michel Balatti, Fabio Rinaudo, Filippo Gambetta und Claudio De Angeli. Fünf Musiker, die sich der Tradition ihrer italienischen Heimatregion Ligurien mit Herz und Seele verschrieben haben. Mit ansteckendem Humor und vor allem großartigem musikalischen Können eroberten sie das Zehntscheuerpublikum beim Saisonauftakt der Gesellschaft der Musikfreunde von Beginn an.

Sprühender Charme

Sprachbarrieren überwanden sie mühelos mit typisch italienischen, sprühenden Charme, mit englischer und italienischer Moderation und einigen eingeworfenen deutschen Brocken. Ihre Folkloremusik mit Balladen und Tanzmusik holte die Hafenstadt Genua, einst einer der mächtigsten Städte Italiens, in die Zehntscheuer.

Partisanenlieder erweckten Phantasien mutiger Männer und Frauen aus dem Apenningebirge. Die Musik bahnte sich den Weg ins Herz, einerlei ob sie in Balladen von Amore handelte, im wilden Mazurkatanz den Zuhörern kräftig einheizte oder im französischen Walzer stilvoll im Dreivierteltakt wogte.

Der wilde Zauber dieser traditionellen Weisen, die hier stark angelehnt an die südfranzösische Musik daherkommen, dort in der Art des Gipsy-Jazz bis hin zu orientalisch angehauchten Klängen, die an weite Wüsten Nordafrikas erinnern, berauschten die Musiker ebenso wie die Zuhörer. Die geizten nicht mit Bravorufen – was den Ligurianern sichtlich und hörbar gut gefallen hat. Immer schneller das Tempo, immer härter das Stakkato, wenn die Musiker mit ihren Füßen rhythmisch auf den  Boden hämmern, eine Melodieschleife, die sich von jedem Instrument wenigstens einmal aufgegriffen immer und immer wieder wiederholt, das sind die ligurischen Tanzlieder. Dargeboten mit den für den Küstenstreifen an der italienischen Riviera, nahe dem Piemont und der französischen Côte d‘Azur, beheimateten Instrumenten: der Traversflöte, dem Dudelsack, dem Knopfakkordeon sowie Geige und Gitarre.

Nicht selten tauschte Fabio Biale seine Violine mit der Bodhrantrommel, dann nämlich, wenn wilde Tänze das Programm bestimmten. Flinke Finger mussten bei den zumeist rasanten Werken jeder Einzelne haben. Überhaupt mutete es erstaunlich an, dass selbst den von den Musikern als „very very trist“ angekündigten Liedern eine unglaubliche Lebenslust inne wohnte. Doch „I Liguriani“, allesamt berühmte Folkloremusiker in ihrer Heimat, wussten das Rätsel zu lösen: Den Text haben ihnen zufolge die Frauen geschrieben, die, wie in einem ihrer „Canzoni“ gesungen, ihre Männer leiden lassen wollen, um ihnen klarzumachen, welch wichtige Rolle sie einnehmen, die Musik stamme derweil von den  Männern.

So viel zu einsichtigen Männern, schienen die schalkhaft blitzenden Augen von Fabio Biale zu sagen. Den Fünfen auf der Bühne saß nicht nur der Schalk im Nacken, ihnen juckte es in den Beinen, sie hüpften, klopften, wiegten sich im Takt der Musik und die Zuhörer machten es ihnen nach. Doch mitzutanzen wagte keiner, selbst nach der offiziellen Erlaubnis von I Liguriani nicht. Aber nach zwei Stunden Konzert war das Blut aller in Wallung und der Applaus für ein temperamentvolles, überaus sympathisches Ensemble hielt lange an. Der wiederum wurde mit zwei Zugaben belohnt.