Noch vor der offiziellen Fasnet durfte der Riedlinger Gole am Donnerstag einem begeisterten närrischen Publikum seine Aufwartung machen. Der Grund: Ihm und der gesamten Riedlinger Fasnet wurde ein Buch gewidmet, verfasst von Winfried Aßfalg, 2019 von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Professoren-Titel bedacht und seit der Buchübergabe auch Ehrennarre der Zunft. Geschichte und Geschichten um die „Fastnacht in Riedlingen – Gestern und Heute“ hat er auf 256 Seiten dargelegt, akribisch recherchiert, fundiert belegt und unterhaltsam geschrieben.

Dazu kommen mehr als 900 Fotos, historische und aktuelle, zusammengetragen aus dem Archiv der Narrenzunft, seinem eigenen und aus vielen privaten Foto-Alben, auch aus jenen des heutigen Ministerpräsidenten Kretschmann. Dessen frühe und anhaltende Verbundenheit zum Gole wird als jugendlicher Fanfarenzügler in Sandalen beim Umzug und als Posaunist bei der Uraufführung des Boppeles-Marsches 1964 deutlich.

Als stolzes Narrenzunft-Neumitglied bekannte sich der gebürtige Kölner Kreissparkassen-Vorstand Michael Schieble in seiner Begrüßung, der sich sicher war, das „wir alle heute schlauer nach Hause gehen“. In den Genuss kamen auch Ehrenzunftmeister Peter Bucher und mit Dr. Wilfried Steuer und Sparkassenverbandspräsident Peter Schneider zwei frühere Landräte und mit Peter Schmidt und Jürgen Lindner aus Munderkingen auch zwei Vertreter der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte. Seit 1929 gehört die Gole-Zunft ihr an.

Ein lange gehegter Wunsch gehe mit der Übergabe des Buches in Erfüllung, betonte Zunftmeister Thomas Maichel. Es wurde zum Gole-Lied vom kleinen Gole Luis Ebe feierlich in den Saal getragen und wirkungsvoll präsentiert. 155 Jahre Vereinsgeschichte und auch die Entwicklung davor sei darin in eindrucksvoller Weise dargestellt. „Fastnacht in Riedlingen – das bedeutet gelebte Tradition und wirklich etwas ganz Besonderes für jeden Riedlinger“, unterstrich er. Jahrhunderte alte Fastnachtsbräuche, die 1865 in eine organisierte Fastnacht mit der Gründung des Riedlinger Narrenvereins unter dem ersten Vorsitzenden Joseph Christoph Ulrich überführt worden seien, „bieten eine lebendige und sehr umfangreiche Historie“.

Über die Jahre gewachsen

Aus damals rund 300 zahlenden Mitgliedern sei inzwischen ein Verein mit knapp 1400 Mitgliedern geworden – mit Aktivitäten über das ganze Jahr. Es sei alle Jahre faszinierend, was in der Stadt an der Fastnacht auf die Beine gestellt werde. Dieses wunderschöne Brauchtum gelte es zu bewahren und weiter zu geben und – auch Personen – der Vergessenheit zu entreißen. Deshalb sei die Narrenzunft begeistert gewesen, als Winfried Aßfalg vor der Fasnet 2019 mit dem Buch-Angebot auf sie zukam. Entstanden sei ein Werk, das informieren, dokumentieren, anregen und auch unterhalten wolle. Unheimlich viel Arbeit und Liebe zum Detail stecke dahinter.

Verbunden mit dem Wunsch, weitere Freunde für das Brauchtum zu gewinnen und es so auch an die Jugend weitergeben zu können, war sein Dank an alle jene, die das Buchprojekt unterstützt haben, ob mit Beiträgen oder auch finanziell.

Autor Winfried Aßfalg würdigte die Narrenzunft für das bleibende, unbezahlbare Dokument über die Riedlinger Fasnet mit der Ernennung zum Ehrennarre, eingebunden darin war auch sein sonstiges Engagement für die Gole-Zunft, als Pianist beim Froschkuttelnessen oder mit der Sonderausstellung im Museum zum 150-jährigen Bestehen.

Die Idee zu einem Buch über die Fastnacht in Riedlingen schlummere schon lange in ihm, gestand Aßfalg bei der Präsentation. Er nannte das reich bebilderte Werk ein „buntes Vielerlei in Geschichte und Aktualität“. Mit Zunftmeister Thomas Maichel und seinem Vize Lothar Sauter habe er den Rahmen abgesteckt. Entstanden sei alles am heimischen Computer. Mit den fertigen Seiten gelangte es zur Umsetzung in die Druckerei. Nahezu Seite für Seite machte Aßfalg Appetit auf das Lesevergnügen mit viel Hintergrundwissen über die Riedlinger Fasnet hinaus, ließ wissen, wie „hochspannend“ es gewesen sei, die Protokolle der Zunft zu lesen. Deutlich wurde in seinen Ausführungen sein großes Netzwerk, dessen er sich bei dieser Publikation bedient hatte.

Dass man über das Froschkuttelnessen allein schon ein Buch schreiben könne, meinte er und verriet, dass der Ministerpräsident nach langer Enthaltsamkeit sogar einen Witz im „Kreuz“ vortrug. Dass nicht erst seit seiner Amtsübernahme als Landesvater Rundfunk und Fernsehen an der Riedlinger Fastnacht interessiert waren, belegt er in seinem Buch auch und erwähnte hier nicht zuletzt die von Willi Schlegel kreierten närrischen Radfahrer. Dass 1956 neun Sonderzüge zum großen Narrentreffen in Riedlingen einfuhren und Busse in Dreierreihen kilometerweit standen, ist dargelegt und vieles, vieles mehr. Lang anhaltender Applaus würdigte Vortrag und Buch.

Lob dafür gab es auch aus dem Munde von Bürgermeister Marcus Schafft, der dazu am Rednerpult sogar die Narrenkappe auf sein Haupt setzte. Er nannte den Gole ein bedeutendes Markenzeichen der Stadt und betonte die Herzlichkeit, mit der die Fasnet in Riedlingen begangen werde. Das letzte Wort hatte Hausherr Regionaldirektor Matthias Reichelt, der Aßfalgs Buch als „wertvollen Gewinn für die Stadt Riedlingen, das Umland und alle Narren“ hervor hob.

Die Lektüre zur Riedlinger Fasnet


„Fastnacht in Riedlingen – Gestern und Heute“ wurde von der Narrenzunft Gole 1865 Riedlingen herausgegeben und ist für 24,90 Euro bei ihr und im örtlichen Buchhandel zu erwerben.