Wenn aus dicken Kröpfen schlanke Hälse wurden, hatte nicht selten Dr. Thomas Müller seine Finger im Spiel. Vom 12. bis 27. Februar 2016 war er mit OP-Schwester Sibylle Leuze im Rahmen eines ehrenamtlichen Interplast-Hilfseinsatzes in Sittwe in Myanmar tätig. „Für die Einsätze bei Interplast werden nur die besten Chirurgen genommen. Wenn da was passiert, haben die Leute kein Vertrauen mehr in die Teams“, hob Müllers Chef Professor Dr. Thomas Zimmermann hervor.

In einer für den Laien  verständlichen Einleitung, ging Zimmermann auf die Schilddrüse, die er als Öl des Motors bezeichnete und die Schilddrüsenoperation, eine anstrengende Chirurgie, bei welcher man hochkonzentriert arbeiten müsse, ein. Für die Arbeit müsse man im Besonderen in Ländern wie Myanmar, in denen in nicht klimatisierten OP-Sälen gearbeitet wird, nicht nur ein guter Chirurg, sondern auch ein exzellenter Sportler sein.

Keine Klimaanlage

Müller brachte offensichtlich beide Voraussetzungen nach Asien mit, wie sich in seinem spannenden Reisebericht schnell zeigte. Vor Ort stellte nicht nur die fehlende Klimaanlage die Teams vor Herausforderungen. „Bereits am zweiten Tag mussten wir unseren Desinfektionsmittelverbrauch auf eine homöopathische Dosis umstellen, sonst wären wir nicht weit gekommen“, verriet Müller. Auch dass er sich anfangs trotz der großen Essensvielfalt welche für das Team aufgetischt wurde, zunächst auf den Reis konzentrierte, um nicht gleich zu Beginn aufgrund einer Unverträglichkeit als Chirurg auszufallen.

An den aktuell voll trendigen Shappy-Chic (schäbige Möbel), erinnerten die Bilder des OP-Saales mit rostigen Infusionsständern und OP-Tischen. Spannend auch die Instrumentendesinfektion in einem Sterilisator, der nicht nur aufgrund der burmesischen Gebrauchsanleitung vom westlichen Standard deutlich abwich. „Ob die Instrumente am Ende tatsächlich steril waren, wussten wir nicht wirklich“.

Spätestens dann, als sich während der Operation Mücken auf die blutigen Instrumente  setzten, konnte sich das komplette OP-Team sicher sein, dass das Chirurgenhandwerkszeug definitiv nicht mehr ihren gewohnten sterilen Ansprüchen entsprach. „Passiert ist aber dennoch nichts, es gab keine Wundinfektionen“, zeigte sich Müller erstaunt aber auch erleichtert. Lobend hob der Chirurg, der seit zehn Jahren als leitender Oberarzt an der Albklinik angestellt ist,  den Einsatz eines Kollegen hervor. Mit einer tennisschlägerähnlichen Elektrofliegenklatsche machte dieser mal mit der Vorhand, mal mit der Rückhand so mancher OP-Saal-Fliege den Garaus, bevor die Plagegeister den OP-Ablauf stören konnten.

Kaum vorstellbar, dass bei den gegebenen Bedingungen, bei welchen es nicht nur an der Hygiene, sondern auch an im Westen übliche Diagnostikmethoden mit Ultraschall, Labor oder Röntgen fehlte, gute Operationsergebnisse herauskommen können. Die Vorher-Nachher-Fotos des Münsinger Spezialisten stellten es jedoch eindrucksvoll unter Beweis. An die sehr dicken Kröpfe erinnerte postoperativ nur noch eine schmale Narbe am schlanken Hals der Patienten. Beeindruckend auch die Vorher-Nachher-Bilder von Müllers Chirurgenkollegen, welche sich hauptsächlich den Verbrennungsopfern und den Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten annahmen.

Kröpfe wie Müller sie in Myanmar sah, bekommt man in westlichen Regionen wohl kaum mehr zu Gesicht, was zum einen an der guten medikamentösen Versorgung, zum anderen an der Ernährung liegt. Werden dicke Kröpfe nicht operiert, können die Menschen daran ersticken. Wird die Schilddrüse komplett entfernt, besteht Gefahr, dass die Patienten verblöden, sofern ihnen keine Schilddrüsenhormone verabreicht werden. Weil es  die Hormone in Myanmar aber nicht gibt, entfernte Dr. Müller bei seinen Patienten, welche überwiegend den Royinshas angehörten, nur einen Teil der Schilddrüse.

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