Lange bevor die biblischen Botschaften aus Blüten an Fronleichnam die Straßenaltäre zierten, wurde im Hintergrund fleißig gearbeitet. Zunächst galt es, Bildmotive auszuwählen, diese schließlich auf Schablonen zu übertragen und dann vergrößert auf Papier zu zeichnen. Das Legen von Blumenteppichen an Fronleichnam gehört in der Region zur Tradition. Schon einige Tage vor einem der höchsten Feiertage der katholischen Kirche wurde mit dem Sammeln von Wiesen- und Gartenblumen, Gräsern, Tannentrieben, Baumrinden, Schafwolle, Moos und Kaffeesatz begonnen, um wunderschöne Motive als schnell vergängliche Kunstwerke zu schaffen: Ob riesengroß oder klein, mit einfachen oder aufwendigen Bildern – sie alle versinnbildlichen von Jahr zu Jahr das gelebte Christentum.

Die Tradition der Blumenteppiche geht weit zurück, liegt auf dem Haus oder einer Hofstelle und wird von Generation zu Generation weitergegeben. In Bremelau helfen bei Josef und Brunhilde Ziegler jedes Jahr alle Kinder und Enkel fleißig mit. Sie sind allerdings erst am Samstagabend dran, denn das Hochfest Fronleichnam wird in der Seelsorgeeinheit Münsingen mit den Kirchengemeinden Münsingen, Magolsheim, Bremelau und Bichishausen viermal gefeiert.

In Bichishausen trugen die Gläubigen bereits am Mittwochabend das Allerheiligste – die geweihte Hostie in einer strahlenden Monstranz – durch den Ort. Dort gab es drei Blumenteppiche zu bestaunen.Auf dem Hof von Schuhmacher Josef Schrode machten sich viele Helfer aus der Familie ans Werk. Altar und Blumenteppich haben hier seit etlichen Jahrzehnten Brauch. Um zumindest noch zwei weitere Altäre und Blumenteppiche arrangieren zu können, haben sich Nachbarn aus Bichishausen und einige Engagierte aus Dürrenstetten zusammengetan und aus der einstigen familiären Aufgabe eine Gemeinschaftsaktion gemacht.

Bereits am Montagabend wurden Blumen in Gärten und auf Wiesen gesammelt, gewässert und kalt gestellt. Am Mittwochnachmittag machten sich dann die Freiwilligen bei schwüler Hitze und mit bangen Blicken zum Himmel ans Werk. „Wir achten darauf, dass unser Motiv einen Bezug zu unserer Kirche hat“, war von Verena König zu hören. Und da das Bichishausener Gotteshaus ein echter Blickfang im Lautertal ist, fiel diesmal die Entscheidung, die Kirche aus der Gundelfinger Ansicht unter dem Motto „Unser Haus Gottes“ darzustellen.

Beim Auswählen der Motive und der dafür zu verwendenden Materialien muss stets darauf geachtet werden, an welcher Stelle im Kalender Fronleichnam ist und welche Blumen gerade zu dieser Zeit blühen. „Wir hatten noch nie die Situation, dass gar nichts blühte. Irgendetwas findet sich immer“, wusste Marianne Jörg. Zum Glück standen diesmal genügend rosafarbene und blaue Blüten zur Verfügung, schließlich ist das Kirchengebäude in Bichishausen in rosa-weiß gehalten und der Himmel sollte blau sein. Dunkle Erde bildete den Hintergrund, bunte Blumen rahmten das Gebilde ein. Gestern Morgen meinte es das Wetter leider nicht so gut mit den emsigen Künstlern, alle hofften sie, dass ihre floralen Kunstwerke dem Regen trotzen und nicht davon geschwemmt werden.

In Zwiefalten ist es Tradition, dass unterschiedliche Gruppierungen an vier verschiedenen Orten Blumenteppiche gestalten. In diesem Jahr waren Kolping Jugend, Kommunion-Kinder, Frauenbund und die Familie Schultes zuständig. Dabei haben die Kommunion-Kinder wieder das Thema ihrer Erstkommunion aufgegriffen: „Wir sind Kinder in Gottes Garten“. Die anderen Blumenteppiche orientieren sich an der diesjährigen Thematik, welche Pfarrer Paul Zeller vorschlug: „ Gottes Spuren in unserem Leben“.