Münsingen Professionelle Hilfe und partnerschaftliche Unterstützung

Johannes Ruopp (Vorsitzender des Vereins AEHaiti), seine Schwägerinnen Cassandre und Cassandra, sowie seine Frau Urline berichteten über Haiti. Foto: Bloching
Johannes Ruopp (Vorsitzender des Vereins AEHaiti), seine Schwägerinnen Cassandre und Cassandra, sowie seine Frau Urline berichteten über Haiti. Foto: Bloching
Münsingen / MARIA BLOCHING 17.09.2012
Nicht erst seit dem Erdbeben in 2010 ist Haiti das ärmste Land in der westlichen Hemisphäre. Der Münsinger Verein AEHaiti fördert den Wiederaufbau und die Weiterentwicklung und stellte nun seine Arbeit vor.

AEHaiti hat bisher nur wenig Mitglieder, sie alle aber vereint ihre Liebe zu Haiti und ihre Beziehung zu den dort lebenden Menschen. So hat der Vorsitzende Johannes Ruopp aus Münsingen zunächst anderthalb Jahre seinen Zivildienst als Ingenieur für Nachrichtentechnik bei Radio Lumière absolviert, später dann nach der Heirat mit seiner haitischen Frau Urline ab September 2006 zwei Jahre lang dort gelebt und als Entwicklungshelfer gearbeitet. Er hat Land und Leute kennen und lieben gelernt und durch seine Arbeit erfahren, wie dringend Hilfe und Unterstützung notwendig sind. "Um das Land zu verstehen, muss man seine Geschichte kennen", leitete Ruopp am Freitagabend in der Zehntscheuer seinen Vortrag vor rund 20 interessierten Besuchern ein. Denn viele Probleme sind in der Geschichte begründet und nach wie vor präsent. Das von Naturkatastrophen gebeutelte Land in der Karibik ist mit einer Fläche von rund 27 560 Quadratkilometern kleiner als Baden-Württemberg und hat rund neun Millionen Einwohner. Von Christoph Kolumbus entdeckt galt diese einst reichste französische Kolonie als die "Perle der Antillen", die schließlich nach einem Aufstand der afrikanischen Sklaven bereits 1804 ihre Unabhängigkeit deklarierte.

Dies hat zu Armut und Unruhe geführt - ein Zustand, der sich bis heute nicht verändert hat. Politische Instabilität, extrem hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Bildung und niedriger Lebensstandard zählen zu den größten Problemen, die in Haiti die Menschen bedrohen und ängstigen und eine Weiterentwicklung verhindern. 80 Prozent der Menschen dort leben unter der Armutsgrenze, 50 Prozent sind Analphabeten. Ihr einziges Informationsmedium ist das Radio, das zur Bildung aller Bevölkerungsgruppen beiträgt.

Der christliche Sender "Radio Lumière" ist weit verbreitet und übt seit 1960 einen großen Einfluss aus. Er finanziert sich überwiegend durch Spenden und soll nun durch die Unterstützung des Vereins "AEHaiti" an weiteren Standorten ausgebaut werden. Mit eindrucksvollen Bildern zeigten Johannes Ruopp und Andreas Koch vom Vorstand des Vereins, wie beschwerlich sich der Wiederaufbau nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010 gestaltet. Über 300 000 Menschen kamen dabei ums Leben, 300 000 Menschen wurden verletzt und rund 1,5 Mio. Menschen obdachlos.

An vielen Stellen sind heute noch Schutthäufen zu sehen, es gibt noch zahllose beschädigte oder teilweise eingestürzte Häuser und viele Zeltlager. "Es ist überwältigend, wenn man die Ausmaße sieht", meinte Johannes Ruopp. Deshalb sei eine "professionelle Hilfe mit langem Atem" sowie eine "partnerschaftliche Unterstützung" nötig.

Der Verein will diese leisten, leitet deshalb alle eingehenden Spenden zu hundert Prozent weiter und trägt selbst alle Unkosten zur Funktion des Vereins. Durch unterschiedliche Projekte möchte er die Entwicklungsarbeit in Haiti fördern und insbesondere den Erhalt und die Erweiterung des christlichen Sendenetzes von "Radio Lumière" ermöglichen. Und er will Wohnungsbauhilfe leisten, haben doch viele Menschen ihr wenig Hab und Gut verloren und sind auf externe Hilfe angewiesen.

"Wir sind in Kontakt mit mehreren betroffenen Familien, die ihre Wohnung verloren haben und zu arm sind, für ein Dach über dem Kopf zu sorgen", beschrieb Ruopp. Dabei sei es dem Verein wichtig, dass die Betroffenen möglichst viel selbst organisieren und leisten.

Eine eindrückliche Schilderung über das Leben vor, während und nach dem Erdbeben erfolgte durch die Zwillinge Cassandre und Cassandra, den Schwestern von Urline Ruopp, die sich für fünf Wochen auf der Alb aufhalten. Sie erlebten die Katastrophe hautnah mit, berichteten von den vielen toten und verletzten Freunden und Bekannten, von den Leichen unter den Trümmern und vom Verwesungsgeruch, der die Stadt noch Wochen danach beherrschte.

Zwei Monate lang mussten sie selbst auf der Straße schlafen, erst nach etwa vier Monaten kehrte ein klein wenig Normalität ein. Die Zwillinge haben Haiti verlassen und können dank eines Stipendiums in Senegal studieren. Durch ihre Schilderungen und die eindrücklichen Ausführungen von Johannes Ruopp konnten sich die Vortragsbesucher ein umfassendes Bild über die Zustände in Haiti machen und erahnen, wie notwendig ihre Hilfe gebraucht wird.

Info Spendenmöglichkeit über AEHaiti, Buchenweg 3, 72525 Münsingen, Konto-Nr. 30100190, BLZ 60450050 bei der KSK Ludwigsburg. Weitere Informationen über den Verein unter Info@AEHaiti.org

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel