Sieben Grundschulen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb lassen sich derzeit in einem Pilotprojekt zur Biosphärenschule zertifizieren. Unter dem Motto „Unsere Welt entdecken, verstehen, gestalten“ verankern sie Bildung für nachhaltige Entwicklung stärker in der Schule. Bei einem Treffen im Biosphärenzentrum Schwäbische Alb stellten die Pilotschulen ihre bislang erarbeiteten Konzepte und Ideen vor.

Was vor einem halben Jahr noch trockene Theorie war, nimmt nun Gestalt an. Nach intensiven Workshops in den Schulen und einer Fortbildung im Herbst mit Fachleuten der Hochschule Aalen trafen sich jetzt dreizehn Lehrerinnen und ein Lehrer im Biosphärenzentrum Schwäbische Alb in Münsingen, um gemeinsam mit der Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb Halbzeitbilanz zu ziehen.

Die Lindenschule Unterlenningen, die Grundschule Erbstetten-Frankenhofen, die Grundschule Bad Urach-Wittlingen, die Sternbergschule Gomadingen, die Digelfeldschule Hayingen, die Astrid-Lindgren-Schule Münsingen und die Grundschule Schelklingen-Schmiechen brachten als Pilotschulen bereits gute Ansätze mit. So verfügten sie bereits über eigene Schulgärten oder ein grünes Klassenzimmer, sie setzen sich für gesunde Ernährung ein oder haben sich dem Kampf gegen den Abfall verschrieben. „Der schwarze Restmülleimer ist bei uns leer“, so Claudia Siegel, Schulleiterin aus Schmiechen.

Wichtig ist, dass sich die nachhaltige Entwicklung in den Leitbildern der Schulen im praktischen Schulalltag widerspiegelt. Die Frage, wie es gelingt, dass sich die Kinder mit der Alb als Heimat verbunden fühlen und sie zudem die Zusammenhänge zwischen ökonomischem, ökologischem und sozialem Handeln verstehen, stand im Mittelpunkt des Austauschs. Grundsätzlich strahlt dies von der Schule in die Familien aus. „Wir merken, dass die Kinder das mit nach Hause nehmen“, so Uthe Scheckel, Rektorin der Astrid-Lindgren-Schule.

Unterrichtsmodule entwickeln

Derzeit sind alle Pilotschulen dabei, Unterrichtsmodule zu entwickeln, die fest in die Lehrpläne und Schulabläufe integriert werden sollen. So entstehen Curricula, die dafür sorgen, dass alle Schülerinnen und Schüler im Lauf ihrer Grundschullaufbahn mit allen wichtigen Themen aus dem Biosphärengebiet in Berührung kommen. Manche davon sind dem Jahreslauf angepasst und dadurch klassenübergreifend. Allen gemeinsam ist die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern, die die Themen kindgerecht und praxisnah vermitteln.

Viele der Pläne sind zur Projekthalbzeit schon sehr konkret. Eine Schule möchte die Jahreszeiten im Wald erleben, eine andere auf der Streuobstwiese. Die Pflege der Wacholderheide, der Anbau von Alblinsen im Schulgarten, die Anlage von Insektenbiotopen oder der Aufbau einer Biosphären-Informationsecke stehen auf der Agenda der Schulen. Eine Schule plant ein Schulhühnerprojekt, in dem zusammen mit den Eltern Ställe gebaut werden. Sehr viele Ideen sind zusammengekommen. Katrin Brosch, Leiterin der Gesamtschule Erbstetten-Frankenhofen, bestätigt: „Man muss sich manchmal eher bremsen, man kann ja nicht jede Idee sofort umsetzen“.

Vom Fortschritt der Schulen zeigte sich Tanja Jovanovic, Multiplikatorin für Bildung für nachhaltige Entwicklung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, begeistert. Sie lobte die Schulen und gab den Rat, verbindliche Strukturen zu schaffen. Kollegien sollten gemeinsam Lernmodule erarbeiten und die Materialien für alle zugänglich machen. Auch Prozessbeschreibungen und Ablaufpläne könnten die Arbeit auf Dauer enorm erleichtern.

„Das Projekt ist genauso angelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben, und hat unsere Erwartungen sogar noch übertroffen“, so Petra Dippold von der Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Alle Pilotschulen tragen mit ihrem Engagement, ihren Ideen und Visionen in hohem Maße dazu bei, dass das Konzept Biosphärenschule auf Erfolgskurs gebracht wird und ein starkes Netzwerk entsteht. Auch Angelika Jany vom Projektteam „Bildung für nachhaltige Entwicklung macht Schule“ zog eine begeisterte Zwischenbilanz.

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Münsingen

Zwei Ranger bieten praxisnahen Freilandunterricht an


Auf Initiative der Landtags-Fraktionen von Bündnis 90/Grüne und CDU wurden für das Projekt „Zertifizierung von Grundschulen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb als Biosphärenschulen“ Sondermittel zur Verfügung gestellt. Die Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb unterstützt die Schulen intensiv. So stehen seit dem Herbst vergangenen Jahres zwei Ranger zur Verfügung, die praxisnahen Freilandunterricht anbieten. Dabei genießen die Biosphärenschulen bei den Rangern Vorrang.

Dies gilt auch für Jochen Rominger, der für die pädagogische Arbeit direkt im Biosphärenzentrum verantwortlich ist. Auf seine langjährige pädagogische Erfahrung können die Biosphärenschulen ebenso zurückgreifen wie auf die Möglichkeiten des Biosphärenmobils.