Münsingen Persönlicher Augenblick

Carmen und Rajendra Serber führten in der Alenberghalle einen Kurs "Contact Improvisation" durch.
Carmen und Rajendra Serber führten in der Alenberghalle einen Kurs "Contact Improvisation" durch. © Foto: Maria Bloching
Münsingen / MARIA BLOCHING 30.07.2015
"Contact Improvisation" ist noch relativ unbekannt. Im Rahmen eines Workshops wurde eine Mischung aus Unterricht und freiem Tanzen angeboten.

Was einst als "Kunst-Sport" begann, gilt mittlerweile als Gesellschaftstanz. Bei "Contact Improvisation" handelt es sich um eine Tanzform, bei der die Berührung mit einem weiteren Tänzer und die Kommunikation durch den Berührungspunkt den Anfang einer Bewegungserforschung darstellt. Dabei wird der Fokus ganz vielfältig gesetzt: Auf den eigenen Körper, auf die Verbindung zum Körper des Partners oder auf den Bewegungs- und Energiefluss des Tanzes.

Mehr als 20 Neugierige und Freunde von "Contact Improvisation" kamen am Wochenende in die Münsinger Alenberghalle, um hier etwas über diesen Tanz zu erfahren, um die Bewegungen zu verstehen und zu erkennen, wie man eigene Bewegungsmuster verändern und eine bessere Bewegungsqualität erreichen kann.

Carmen Serber hatte gemeinsam mit ihrem Mann Rajendra zu Workshops und Jams eingeladen. Sie ist gebürtige Münsingerin, lebt heute in San Francisco und hat eine Vielzahl an physischen, somatischen und energetischen Methoden studiert.

Ebenso wie Rajendra unterrichtet sie "Contact Improvisation", beide zählen zu den Organisatoren der West Coast Contact Improvisation Jam.

Gemeinsam mit den Teilnehmern erforschten sie die Balance zwischen Kunst und Sport. Sie tauschten Momentum aus - in und aus Lifts heraus, während der Bewegung durch den Raum. Und sie gingen der Frage nach, wie man die Stärken in sich selbst und im Partner erkennen kann und wie man sich von ständig ändernden physischen, emotionalen und mentalen Befindlichkeiten leiten lässt.

Dabei wurde mit der Gravitationsanziehung der Erde und den eigenen wechselnden Zuständen gespielt. "Dieser Tanz ist wie das Leben selbst. Es geht immer um das Geben und Nehmen von Impulsen", erklärte Carmen Serber. "Contact Improvisation" könne sowohl oberflächlich als auch tiefgründig stattfinden, es sei eine "komplexe und effektive Art sich zu bewegen". Immer aber findet eine Einladung zu einem kreativen Denken, zu Spontaneität und zur Weiterentwicklung physischer Fähigkeiten statt.

Kein Tanz gleicht dem anderen, jeder ist neu und unterschiedlich, quasi ein Ausdruck der persönlichen Begegnung im Augenblick. Hier trafen Anfänger auf fortgeschrittene Tänzer, jeder erfuhr aber den Unterricht und die Jams als verspielten und atemberaubenden Raum, in dem es darum ging, zu führen und zu folgen, Gewicht abzugeben und anzunehmen, zu rollen, gleiten, fallen, fließen und heben. Bei den Jams war vor allem die Freiheit, sich zu begegnen und Form zu praktizieren, wichtig. Jeder entschied für sich, ob er weiter tanzen, den Partner wechseln oder ganz einfach auf dem Boden liegend singen möchte. Manchmal wurden die Tänzer von einer Geige begleitet, meistens aber lauschten sie ihrer eigenen Bewegung, dem Partner und dem Raum. Wild und athletisch, sanft und meditativ wurde die Begegnung in unterschiedlichen Bewegungsformen kreiert, die Wahrnehmung und Präsenz geschärft und ein weicher Bewegungsfluss geschaffen. "Jeder muss auf sich selbst aufpassen. Wenn er sich mit einem Partner unsicher fühlt, sollte er den Tanz beenden. Ob ein Kontakt anfängt oder aufhört - immer sind Gefühle mit dabei und immer ist es anders", führte Serber aus. Sie freute sich, dass dieses Tanzwochenende in ihrer alten Heimat stattfinden konnte und hofft, dass es irgendwann wieder eine Fortsetzung geben wird.

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