Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an Osteoporose. Bei der chronisch verlaufenden Erkrankung nimmt die Knochenmasse viel schneller ab, als sie das ab dem 40. Lebensjahr ohnehin tut. Immer wieder kommt es zu Knochenbrüchen, vor allem an der Wirbelsäule und im Oberschenkel. Allerdings werden nicht einmal 25 Prozent aller Fälle so frühzeitig erkannt, dass sie adäquat behandelt werden können, meldet der Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose, der das Dach über den rund 500 Ortsgruppen in Deutschland bildet. 80 Prozent der Betroffenen sind Frauen, Männer können also genauso erkranken.

Anzeichen ernst nehmen

In jedem Fall ist es wichtig, die ersten Anzeichen ernst zu nehmen, betont Gerti Reich, die Vorsitzende der Münsinger Selbsthilfegruppe für Osteoporose, die sich vor eineinhalb Jahren mit der bis dato eigenständigen Gruppe in Bad Urach zusammengeschlossen hat. Es gibt eine Reihe von Hinweisen. „Wer sich irgendwo stößt und schnell blaue Flecken bekommt durch kleine Haarrisse im Knochen, sollte das beachten“, empfiehlt Reich, die seit vielen Jahren gegen die Krankheit ankämpft. Das gilt auch für ungewöhnlich lange Schmerzen nach einem Sturz oder einen Knochenbruch, für den es keinen erkennbaren Grund gibt – also zum Beispiel beim Bücken. Wer sich Gewissheit verschaffen will, sucht den Hausarzt auf, der den Patienten gegebenenfalls zum Orthopäden überweist. Die Diagnose beruht auf einer Knochendichtemessung. „Der Patient muss diese selber bezahlen“, erläutert Reich im Gespräch mit unserer Zeitung, „die Kasse erstattet das Geld jedoch zurück, wenn sich die Diagnose bestätigt“.

Infomaterialien

Spätestens dann kommt auch die Osteoporose Selbsthilfegruppe Münsingen-Bad Urach mit ihren derzeit 45 Mitgliedern ins Spiel. Das beginnt bei Informationsmaterialien, die Reich auf Anfrage unverbindlich verschickt und geht über die eigens eingerichtete, geschlossene Facebook-Gruppe für den fachlichen Austausch, bis hin zur Unterstützung bei der Antragsstellung und Teilnahme an den Gymnastikkursen. Diese finden in der Albklinik in Münsingen sowie im Gesundheitszentrum Schwerdtfeger in Bad Urach statt. Es gibt zwei Kurse in Trockengymnastik und zwei weitere Angebote für das Wasser. Die Teilnehmer benötigen eine Verordnung für Funktionstraining – im Fall von Osteoporose wird diese für zwei Jahre ausgestellt – und können dann entweder zur Rheumaliga oder zur Osteoporose-Gruppe. „Die Übungen eignen sich für Betroffene beider Gruppen“. In jedem Fall ist Bewegung entscheidend. „Andernfalls wäre ich bereits auf den Rollstuhl angewiesen“, berichtet Reich aus eigener Erfahrung. Tägliche Spaziergänge, soweit dies möglich ist, ergänzen die Gymnastikeinheiten.

Nicht peinlich

Und sie appelliert daran, sich mit der Diagnose nicht zu verstecken. „Das muss niemandem peinlich sein“, betont Reich, „und die Menschen in der Umgebung stellen sich viel besser auf jemand ein, wenn bekannt ist, das derjenige krank ist“.

Info Im Altenwohnhaus Münsingen (Uracher Straße 1) hält Fitnessfachwirtin und Ernährungscoach Claudia Schneeberger am Donnerstag, 19. September, um 19 Uhr den Vortrag „Darm – Schlüssel zur Gesundheit“.

Das könnte dich auch interessieren:

Pfullingen