Es hätte so schön sein können, doch leider machte das nasse Wetter den zahlreichen Aktionen im Freien einen Strich durch die Rechnung. „Schlechter geht es gar nicht“, bedauerte Bürgermeister Jochen Zeller. Zwar hatten es diejenigen, die mit ihren Vorführungen alte Handwerkstechniken zum Leben erweckten, unter Pavillons einigermaßen trocken. Doch es fehlte ganz deutlich an Besuchern, die gemütlich umher schlenderten, interessiert fragten.

Besucher bestaunten feine Handarbeitskunst

Wer zum Museumsfest – Ziel war, an Arbeitsweisen in Haus, Garten und auf dem Feld zu erinnern, die mittlerweile bei der jüngeren Generation in Vergessenheit geraten sind – gekommen war, hielt sich am liebsten in den beiden alten Bauernhäusern, ganz speziell in der eingeheizten Bauernstube auf. Hier schauten sie den Klöpplerinnen und den Frauen am Spinnrad über die Schultern, bestaunten deren feine Handarbeitskunst und ließen sich erzählen, wozu man die exquisiten Spitzen früher verwendete.

Auf dem Holzfeuer in der rustikalen Küche wurden knusprige Waffeln für die Besucher gebacken, das Butterfass drehte sich fleißig, damit die Besucher leckeres Brot aus dem Backhaus, das die Sängerrunde Hohenstein kredenzte, damit bestreichen konnten.

Gleich neben der Küche werkelte Schuhmacher Matthäus Jörg aus Bremelau in seiner Werkstatt und erklärte, warum es schwierig ist, Kinderschuhe mit Leisten aus früherer Zeit zu machen. „Kinder und damit ihre Füße waren damals viel kleiner“. Die Gesellschaft lebt heute also auf großem Fuß, es werden kaum handwerklich gefertigte Schuhe getragen. In der Vergangenheit war das anders. Der Fachmann nähte die Schuhe von Hand zusammen: „Mit einem selbst hergestellten Faden aus Wildschweinborsten“. Doch zuvor galt es, eine Zeichnung des fertigen Schuhs zu konstruieren. Jörg selbst hat dies alles noch in den letzten 55 Jahren, in denen er als Schuhmacher arbeitet, erlebt und berichtete jetzt gerne darüber. So erfuhr man, dass Schuhe ähnlich einem Pferdehuf mit Eisen beschlagen wurden, um die Ledersohlen zu schützen. „Früher gab es im Schnitt in einem Dorf mit 300 Einwohnern einen Schuhmachermeister, zwei Gesellen und einen Stift. Heute sind Schuhmacher selten“.

Es ist eine Ehre, hier mitmachen zu dürfen

Tapfer hielten Andreas und Matthias Rudolf mit ihren Söhnen Simon und Marvin im Freien mit ihrer historischen Apfelpresse die Stellung. „Es ist mir eine Ehre, hier mitmachen zu dürfen. Schade, dass das Wetter so schlecht ist“, meinte Andreas Rudolf. Bis vor 13 Jahren betrieb er gemeinsam mit seiner Familie die elterliche Mosterei in Oberstetten, doch als dann die Nachfrage zurückging, gab er auf. Aber im Rahmen des Museumsfestes den Besuchern zu zeigen, wie das Pressen von Äpfeln funktioniert, hat ihm großen Spaß gemacht. „Alle, die an unserem Stand vorbeikommen, sind sehr interessiert und begeistert.“

Auch Drechsler Horst Hummel aus Mehrstetten gab gerne Auskunft über sein Handwerk, das der gelernte Zimmermann als Hobby betreibt. „In Ödenwaldstetten ist es immer sehr schön“, meinte er und unterhielt sich mit den Besuchern, während er gleichzeitig aus einem kleinen Nussholzstück, das er am Morgen geschnitten hatte, kleine Pilze und Blumen drechselte, diese an die Zuschauer verschenkte. „Wenn ich ein Stück Holz in die Hand nehme, sehe ich gleich, was daraus werden soll“, erzählte er. Und das Ergebnis mache ihn stolz: „Nach einer Stunde hat man schon etwas in der Hand“. Außerdem sei die Drechselei – insbesondere mit klassischer Musik im Hintergrund – für ihn sehr entspannend.

 Karl Vecernje aus Bernloch liebt, was er tut. „Die einen gehen zum Yoga, ich gehe in die Schmiede“, sagte er und erläuterte Schritt für Schritt, wie eines seiner berühmten Damast-Messer entsteht. In dieser alten Schmiede zu arbeiten, war auch für ihn etwas ganz besonderes. Hier konnte er seine Liebe zu guter traditioneller Handwerkskunst ausleben und seine Faszination an die interessierten Besucher weitergeben.

Wieder mit von der Partie waren Joachim Kloker und seine alte Strohbandmaschine aus dem Jahr 1925, mit der bereits sein Vater Johann an Museumsfesten teilgenommen hat. Diese Tradition gilt es für ihn und seine Tochter Sarah aufrechtzuerhalten.

Ob Steinquetsche oder Lanz-Bulldog, Bauerngarten oder Kinderspielzeug – was gestern in Ödenwaldstetten hier geboten wurde, ließ die Besucher eintauchen in das Leben und Arbeiten früherer Zeiten.

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