Als noch niemand an ein unbekanntes Virus dachte, das einmal den ganzen Schulbetrieb lahmlegen sollte, haben sich schon die Münsinger Realschullehrer Matthias Etzel, Mark Papulis und Florian Überle mit der Einrichtung einer digitalen Kommunikation für Schüler und Lehrer beschäftigt. Firmen aus der Region wurden eingeladen, um das Programm „Teams“ von Microsoft vorzustellen, das sie für Videokonferenzen in ihren Unternehmen nutzen.

Echte  Herausforderung

„Uns war immer wichtig, ein Online-Learning-System anbieten zu können. Corona hat die Umsetzung extrem beschleunigt“, erklärte Konrektor Matthias Etzel im Pressegespräch, das ganz der Zeit angemessen,   im Rahmen einer Videokonferenz mit ihm sowie mit Mark Papulis und Schulleiter Andreas Bosch geführt wurde. Darin betonten sie die notwendige Eile, als am 13. März vom Kultusministerium bekannt gegeben wurde, dass bereits vier Tage später kein Unterricht mehr an der Schule wegen Corona stattfinden könnte.

Nur das Wochenende blieb den Lehrern, um einen an den Schülern und am Inhalt orientierten Online-Unterricht auf die Beine zu stellen. Eine echte Herausforderung, denn was jetzt so einfach und spielerisch aussieht, setzte beim Einrichten Fachkompetenz, viel Herzblut und ein hoher Zeitaufwand voraus. „Das rausgehende Material muss selbsterklärend sein. Online-Unterricht ist wesentlich aufwendiger als der pädagogische Unterricht in der Klasse“, betonte Etzel.

Online-Chor

„Zunächst sind die Klassen 7 bis 10 mit der kostenlosen Version an den Start gegangen. Die Schüler der Klassen 5 und 6 wurden in der Anfangszeit über E-Mail angeleitet. Später konnten auch sie dazu genommen werden“, berichtete Etzel und sprach von insgesamt 580 nutzenden Schülern und Lehrern.

Für Schulleiter Bosch ein „technischer Quantensprung“ mit dem es quasi über Nacht gelang, aufgrund der Notwendigkeit neue Wege zu beschreiten. „Unsere Schüler haben ihre Bücher mit nach Hause genommen und bekamen Kopien ausgeteilt. Somit hatten sie von Beginn an genügend Lernmaterial“, berichtete er und sprach von einer „guten Grundstruktur“. Für das digitale Lernen und die Videokonferenzen wurden lediglich noch ein Smartphone, eine WLAN-Verbindung und die App benötigt, die sich Schüler und Lehrer herunterladen konnten. Der Aufbau dieser Technik- und Kommunikationsschiene ermöglichte es, Unterrichts- und Lerninhalte anschaulich weiterzugeben und zu erklären.

Etzel zeigte während der Videokonferenz, wie das funktioniert: „Ich kann meinen Bildschirm teilen und Übungsblätter hochladen, in die ich reinschreibe. Auch Erklärvideos lasse ich auf diesem Wege den Schülern zukommen“. Die Unterrichtsschwerpunkte wurden auf prüfungsrelevante Fächer wie Mathe, Deutsch und Naturwissenschaften gelegt, doch auch in anderen Fächern zeigten sich die Lehrer äußerst kreativ. So hat Musiklehrer Friedemann Lutz ein Klavierstück aufgenommen und auf Audiodatei hochgeladen. Dazu sollten seine Schüler singen, ihren Gesang aufnehmen und ihm wieder zukommen lassen. Lutz fügt am Ende alle Stimmen zusammen und macht daraus einen Online-Chor.

Für Informatiklehrer Matthias Etzel erledigt sich der Unterricht von selbst: „Die Schüler können durch diese Art des Lernens ihr Wissen direkt anwenden“. Wichtig sei aber auch, dass sie nicht ausschließlich vor dem Bildschirm sitzen, sondern sich auch raus in die Natur bewegen. Hierzu gebe es Anleitungen, unter anderem von den Fachlehrern für Sport und Technik. „Dieses neue Medium bringt viele Vorteile und Reize, es ist zeit- und ortsunabhängig einsetzbar und stellt eine andere Form der Wissensvermittlung dar.

Auch Lehrerkonferenz

Wer individuelle Betreuung braucht, erhält sie“, machte Schulleiter Bosch deutlich. Auch eine Lehrerkonferenz mit rund 30 teilnehmenden Kollegen konnte auf diesem Wege bereits durchgeführt werden. Zwar sei die Art der Kommunikation nicht geeignet als Diskussionsplattform, aber ein reger Austausch sei durchaus möglich und in diesen Zeiten auch erforderlich.

Etzel sprach von einem „Zukunftsmodell“, das definitiv über Corona hinaus an der Schule verstärkt genutzt werden wird. „Lehrer können mit ihren Schülern chatten und Aufgaben verteilen. Schüler können Lerninhalte sehen, an gewünschten und notwendigen Stellen stoppen und wiederholen. Im normalen Unterricht ist das nicht möglich“.

Auch Mark Papulis hob die Vorteile dieser Art zu Lernen hervor: „Schüler können dieses Programm auch untereinander für Projektarbeiten nutzen. Sie müssen sich nicht treffen und können trotzdem gemeinsam an einem Dokument arbeiten“. Dies sei nicht nur effektiv, sondern auch umweltfreundlich und nachhaltig, weil es die Schüler auf die Berufswelt vorbereite. „Corona zeigt uns, dass Home-Office funktioniert. Dieser Trend wird sicherlich ein Stück weit bleiben und die Zukunft prägen.“

580


Schüler und Lehrer der Münsinger Gustav-Mesmer-Realschule nutzen in Corona-Zeiten, in denen kein Unterricht in der Schule stattfindet,  ein kostenloses Online-Learning-System.