Oberstetten / Von Ralf Ott  Uhr

Wer zu einem Rennen antritt, vertraut im Regelfall auf die Kraft seiner Muskeln oder der Leistung des Motors im Fahrzeug. Für den Wettbewerb, dem sich Kai Tress aus Oberstetten stellt, gelten allerdings andere Bedingungen: Als einer von rund 60 Teilnehmern macht er sich bei der Sommerausgabe des „Tramprennens“ vom Startpunkt in Bad Grönenbach auf den Weg nach Osteuropa. Über seine Platzierung entscheiden nämlich jene Autofahrer, die ihn und seine Partnerin Yvonne Tietze aus Dresden mitnehmen – ober eben nicht. Abgerechnet wird am 30. August, wenn laut Plan alle Teilnehmer auf dem Campingplatz La Carmen in Bontida – das im Norden Rumäniens unweit von Cluj-Napoca liegt – eingetroffen sind.

Tramper sind in Teams unterwegs

Dabei ist keiner der Teilnehmer auf sich allein gestellt, sondern in Teams von zwei bis drei Leuten unterwegs. Bedingung: Mindestens eine Frau muss zum Team gehören. Die Gesamtstrecke von rund 1300 Kilometern ist in sechs Etappen aufgeteilt. Wieviel Kilometer es am Schluss tatsächlich sind, hängt natürlich davon ab, ob Umwege in Kauf genommen werden oder sogar die schnellere Variante sind. Damit sich nicht alle Teilnehmer morgens auf die Füße treten, wenn sie den Daumen an der Straße hoch halten, sind jeweils nur acht bis neun Teams auf einer der drei Gesamtrouten unterwegs. „Die Streckenführung ist völlig unterschiedlich“, so Philipp Weckesser vom Organisationsteam im Gespräch mit unserer Zeitung.

Tress ist der Senior unter den Teilnehmern

„Ich habe immer gerne Tramper mitgenommen“, berichtet Kai Tress unserer Zeitung, „aber als Mitreisender bin ich ein völliger Anfänger“. Auf das Rennen sei er durch einen Fernsehbericht gestoßen. Seine Teilnahme im vergangenen Jahr habe er jedoch mangels Partnerin absagen müssen. Die einzelnen Teams finden auf der Homepage des Vereins Tramprennen (//www.tramprennen.org:www.tramprennen.org:www.tramprennen.org|_blank)$) zueinander. Mit seinen 42 Jahren ist Tress quasi der Senior unter den Teilnehmern, die ganz überwiegend in der U-30-Kategorie zu verorten sind. Und so hatte er dieses Jahr eigentlich keine Hoffnung mehr – bis sich eben die 39-jährige Yvonne Tietze meldete.

Andere Menschen und Länder kennenlernen

„Ich wollte mal etwas ganz Neues erleben“, nennt Tress als eines seiner Motive, „und andere Länder sowie Menschen kennen lernen“. Nicht zuletzt gefällt ihm der soziale Nebeneffekt des Projekts: Jedes Team kann sich finanzielle Unterstützer suchen. Allerdings nicht zur Aufbesserung der Reisekasse, sondern das gespendete Geld fließt ohne Abzug an den Verein Sea-Watch, der im Mittelmeer mit eigenen Booten in Seenot geratene Flüchtlinge rettet. Die Abwicklung der Spenden erfolgt über die Internet-Plattform „Betterplace.org“. Beträge unter hundert Euro landen in der Kategorie „Sponsor“, für die Summe von hundert oder mehr Euro können Spender zum „Team-Owner“ werden. Der Clou dabei: Diese Eigentümer dürfen „ihren“ Trampern Aufgaben mit auf den Weg geben, die unterwegs oder am Zielort erfüllt werden müssen. Neben den persönlichen Sponsoren gibt es auch noch Spendenaktionen, wie zum Beispiel ein Auftaktfest. „Es kommt auch vor, dass die Teilnehmer unterwegs an ihrem Aufenthaltstag ein kleines Projekt umsetzen“, weiß Weckesser aus Erfahrung.

Live-Ticker mit Tageswertung

Und noch eine Intention verbinden die Organisatoren mit dem Rennen: „Wir wollen das Trampen als alternatives Transportmittel fördern“, so Weckesser. Die Macher im Verein kommen aus verschiedenen Orten in Deutschland, mit Heidelberg und Stuttgart liegt der Schwerpunkt aber auf Baden-Württemberg.

Eingeplant sind drei bis vier Stunden täglicher Fahrzeit. Alle Teams, die auf einer Route unterwegs sind, treffen am gleichen Etappenziel ein und kümmern sich um die Auswertung. Dann geht es auf Quartiersuche für die kommenden zwei Nächte, denn es ist jeweils ein Pausentag vorgesehen, um die Zwischenziele auf der Strecke zu erkunden. Täglich wird ein „Live-Ticker“ aktualisiert, aus dem die Zwischenstände der Teams hervorgehen.

Alle Infos zum Tramprennen, dem Team „Daumen im Wind“, Live-Ticker und Spendenmöglichkeiten gibt es im Internet unter //www.tramprennen.org:www.tramprennen.org:www.tramprennen.org|_blank)$.

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