Nach diesen vier kreativ-anregenden Tagen, an denen so viel in eine gute Richtung bewegt worden ist, hätte ruhig die Sonne scheinen können. Aber es schüttete. Und so wurde die Abschlussveranstaltung am Donnerstagnachmittag kurzfristig in die Beutenlayhalle verlegt, in der sich die Ränge schnell füllten, während "Queen - We will rock you" lärmte und die sanftere "Wolke sieben" nachgeschoben wurde.

Das ehrenamtliche Team um Dominik Nawratil, Bildungsreferent der Diözese Rottenburg-Stuttgart und federführend beim BDKJ-Projekt (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) sorgte für eine ausgelassene Stimmung. Schließlich gab's was zu feiern - das Nach- und das Umdenken. Jedem der 270 Schüler müsste bewusst geworden sein, dass Nachhaltigkeit entscheidend ist und jeder Einzelne sein Tun hinterfragen sollte. Nur wer fair handelt, "fairändert" auch was.

Und das ist dringend notwendig. Umweltzerstörung, Klimawandel, Ausbeutung, Armut, Terror, Krieg und Unterdrückung, Hunger und Flucht - die Weltordnung ist aus den Fugen. Von der Globalisierung ist jeder betroffen. Nur wird selten hinterfragt, welche Mechanismen dahinterstecken. Die Zehntklässler der Schillerschule sind da jetzt schlauer. Sie haben zum Beispiel den Weg einer Jeans verfolgt. Die Baumwolle wird in den USA geerntet, in China gesponnen, in Bangladesch zu Dumpingpreisen vernäht. Hinzu kommen Färbung, Veredelung der Stoffe, Waschungen für besondere Effekte. Milde gerechnet sind es am Ladentisch 30 000 Kilometer, die auf der Strecke bleiben. Der unsinnige Wasser- und Stromverbrauch, die Plastikschwemme, welche die Weltmeere verseucht (neun Millionen Tonnen jährlich), die Verschwendung von Lebensmitteln, Kinderarbeit und Billiglöhne - die Liste ließe sich fortsetzen. "Wir möchten die Schüler für diese Themen sensibilisieren und geben Handlungsempfehlungen," sagt Dominik Nawratil. In Münsingen seien die Vorschläge "sehr offen" aufgenommen worden. Das mag auch daran liegen, dass die Schule bereits "vorgebildet" ist. Seit 2015 kooperiert sie als "Projektschule für nachhaltige Entwicklung" mit dem Reutlinger Entwicklungspädagogischen Informationszentrum EPIZ. Nicht ohne Grund wurde sie von der BDJK ausgewählt, die das Projekt, das 2013 entwickelt wurde, an bis zu vier Schulen im Jahr durchführt.

Schulleiterin Nicole Breitling blickte auf eine "wunderbare Woche" zurück. Die Schüler hätten viel gelernt und sich sehr interessiert gezeigt. Beeindruckt ist sie auch von der breiten Unterstützung. 25 Partner, vom CVJM über die Kenia-Hilfe, das Forstamt, das Biosphärenzentrum bis zum Weltladen, haben sich eingebracht, nicht zu vergessen die Eltern, die in den vier großen Zelten auf dem Schulhof präsent und am Mosaik "Bessere und gerechtere Welt" aktiv beteiligt waren. Veränderung beginnt dort, wo man sich aufhält. Deshalb wurden Schulhausdetektive aus der Klasse 7b losgeschickt. Ihre Ergebnisse: Ein "Hammer-fair" gab's für das Solardach, auch die Kräuterschnecke fiel positiv auf. Doch der Bauwagen könnte ruhig aufgefrischt und umgebaut werden, vielleicht eine Blumenwiese angelegt und der Platz hinter der Mensa zum Kicken benutzt werden. Auch könnten einige Ecken mit Sofa und Pflanzen so gestaltet werden, "dass man sich gern dort aufhält". Vielleicht dient die "Zeltoase", ein Ruhepol während des Projekts, als Anregung und lässt sich, nachdem das Thema Müll und Recycling ausführlich behandelt worden ist, auch in dieser Hinsicht etwas verbessern. Die Anschaffung eines Pfandautomaten stand jedenfalls auf der Wunschliste.

Marco Hailfinger, Anina Scherb und Natalie Schell (Klasse 10) fanden die Aktionen gut. "Es war informativ, hat Spaß gemacht und zum Nachdenken angeregt." Auf "bestimmte Sachen" würden sie in Zukunft mehr achten. Das gilt sofort, möchte man meinen. Denn gleich am Anfang des Schulfestes ergab sich eine Situation, die zu den schönsten Momenten des "Fair-Lernens" zählen dürfte. Als die "Orientalische Tanzgruppe" etwas aus dem Takt kommt, gesellen sich ein paar Jungs dazu. Und spontan reihen sich immer mehr ein - Mitschüler, Lehrer, Geschwister, Leute aus dem BDKJ-Team, bis der Kreis riesengroß ist. Wie hatte Dominik Nawratil betont? "Fair sein, das setzen wir auch in den sozialen Kontext." Ein gutes Miteinander, hier anschaulich vorgetanzt, ist einer von vielen Schritten in eine bessere "fairänderte" Welt.

Info Weitere Infos im Internet unter www.bdkj.info und unter www.schillerschule-muensingen.de