Hätte dieser Unfall vermieden werden können? Schwer zu sagen. Er ereignete sich am 4. Oktober vergangenen Jahres in Trochtelfingen. Ein 69-jähriger Nissan-Fahrer wollte gegen 18.15 Uhr mit seinem Fahrzeug von der Vorstadt aus in die bevorrechtigte Talstraße einbiegen, eine heikle Stelle, ist doch der Verkehr aus Richtung Steinhilben nur wenige Meter weit einsehbar, muss in einen Spiegel geschaut werden. Das habe er getan, versicherte der Beschuldigte im Amtsgericht Münsingen, sei dann, als er niemanden sah, losgefahren, als er auch gleich einen Schlag hörte und gleich darauf einen Mann auf der Straße liegen sah.

Tatsächlich war in dem Moment, als der 69-Jährige in den Talweg einbog, ein Radfahrer aus Richtung Steinhilben gekommen. Mit welchem Tempo, vermochte dieser nicht zu sagen. Er habe sein Rennrad aber abgebremst bei der Fahrt in die Stadt hinab, weil er ja wusste, dass ein Bahnübergang nahte. Das Auto habe er an der Kreuzung stehen sehen, gehofft, dass dieses stehenbleibe. Doch als er um die Rechtskurve herumkam, sei es in voller Breite auf seiner Fahrbahnseite gewesen: „Ich bin total erschrocken und habe voll gebremst“, so der Zeuge. Dabei sei das Hinterrad seines Rennrads hochgekommen, das Rad dann seitlich weggekippt.

Der 36-jährige Radfahrer stürzte auf die rechte Schulter, konnte zwar aufstehen und sein Rad mit der linken Hand an den Straßenrand legen, merkte aber gleich, dass er sich auf seiner rechten Seite verletzt hatte. Vom Unfallverursacher wurde er anschließend zum Notarzt gebracht, kam dann in ein Krankenhaus. Schultereckgelenksprengung lautete die Diagnose. Bis Weihnachten war der Geschädigte krank geschrieben und auch heute noch hat der Schreiner, wenn es etwa gilt. schwere Türen zu heben, Beschwerden.

War der Radfahrer zu schnell gefahren, wie es Verteidiger Hans-Jürgen Rustedt vermutete? „Man tut sich schwer, den Unfallhergang nachzuvollziehen, meinte jedenfalls Amtsrichter Joachim Stahl. Ob ein Sachverständiger mehr Licht ins Dunkel bringen könne, wagte er zu bezweifeln.

Letztlich reduzierte er in seinem Urteil das Strafmaß auf 55 Euro. In einem Bußgeldbescheid waren dem Angeklagten 120 Euro auferlegt worden mitsamt Punkt in Flensburg. Dieser entfällt jetzt. Stahl erklärte, dass es schwierig sei, an dieser Stelle Radfahrer mit ihrer schmalen Silhouette zu erkennen.