Den größten Teil der Strecke haben sie inzwischen gemeistert, die drei Schwaben-Teams, die am 23. Februar in Hamburg zum Baltic Sea Circle aufgebrochen sind, mit drei alten Volvo-Kombis. Viel sehen und erleben stand auf der Agenda des Buttenhauseners Lars Rupp und seiner Mitstreiter Patrick und Tanja Zwerger, Marcel Karcher, Stefan Theis und Christoph Wössner. Daran können ihre „Follower“ per Reise-Blog teilhaben, der von Patrick Zwerger mit augenzwinkerndem Humor geschrieben wird.

An dieser Stelle eine Zusammenfassung des bisherigen Reiseverlaufs. Von Hamburg aus – hier trafen die Schwaben noch Kurt, Renate und Isabel von der Stiftung Valentina, für die sie rund 3000 Euro gesammelt hatten – war Kilometerfressen angesagt, auf der Autobahn Richtung Flensburg und Kopenhagen und am späten Abend noch bis Käseberga in Schweden. Den zweiten Tag begrüßten sie mit einem alten Wikinger-Ritual, entdeckten am Vormittag einen mitten im Wald gelegenen Autofriedhof mit den rostigen Überresten von etwa 150 Volvos, Saabs und sogar uralten Reisebussen. Der Rest des Tages ist Kilometerfressen vorbehalten, bis nach 720 Kilometern der Ort Kullen erreicht ist, wo man in einer Pension immerhin heiß duschen kann.

Nochmals 724 Kilometer werden am dritten Tag zurückgelegt. Tagesziel ist Vilhelmina. Ein Abstecher zu einem Geisterhaus, der im Roadbook empfohlen wird, entpuppt sich als Enttäuschung. Spannend wird es aber am Ende des Tages, als über WhatsApp von anderen Teams Warnungen kommen, wonach die Hauptstraße total vereist sei. Mehrere Fahrzeuge anderer Teams fliegen von der Straße, die drei Volvos aus Schwaben aber kommen mit ihren Insassen heil an.

Der vierte Tag beginnt mit einer Eis-Rallye über einen zugefrorenen See bei Vilhelmina, ein Heidenspaß für alle Beteiligten. Patrick Zwerger gelingt es, „Ingeborg“ in eine Schneewand zu steuern, in der der Volvo steckenbleibt, von zwei Holländern mit ihrem Landrover aber befreit werden kann. Wenig später freilich mag Ingeborg nicht mehr, lässt sich nur noch langsam bewegen. In der nächstgelegenen Werkstatt wird der Fehler schnell gefunden. Ein Schlauch im Ansaugtrakt zieht Fremdluft durch ein Loch an einer Stelle, wo keines sein soll. Mechanikerin Caroline flickt das Loch und will für ihre Mühen kein Geld, nur ein paar Umarmungen. Es ist viel Zeit verloren gegangen und den Fähranleger im norwegischen Bodo erreichen die drei Teams erst um 22 Uhr. Doch eine Fähre fährt nicht mehr, weil es kräftig stürmt. Noch zwei Stunden geht es weiter Richtung Bognes, wo die nächste Fähre zu den Lofoten zu finden ist. Bei Inhavnet steuern die Schwaben einen Parkplatz an und kriechen todmüde in ihre Schlafsäcke.

Der fünfte Tag begrüßt die Reisenden mit viel Regen. Die Überfahrt mit der Fähre klappt zum Glück. Und die Lofoten sind ein Traum. Patrick Zwerger schreibt in den Blog: „Wenn das hier in Grau schon alles so toll aussieht, wie schön könnte es erst sein, wenn die Sonne darauf scheinen würde?“ Bis Liland, 50 Kilometer vor Narvik, geht die Fahrt noch. Ein besonderes kulinarisches Ereignis ist das Verspeisen des Inhalts einer Dose schwedischen Surströmmings, in Salzlake eingelegtem Hering, der mittels gezielter Vergärung haltbar gemacht wird.

Über Nacht hält der Winter Einzug, auf Regen folgte Schnee. Dank tonnenweise Splitt auf den Straßen hält sich der Rutschfaktor in Grenzen. Patrick Zwerger schreibt: „Verschneite Berggipfel strahlen im Sonnenlicht wie Leuchtfeuer, im Wasser glitzern die Eisschollen, am Horizont schimmert türkisblau das Meer. Ich wusste ja, dass Norwegen ein tolles Land ist, aber die Eindrücke, die hier im Minutentakt von draußen auf uns herein prasseln, machen selbst mich sprachlos“. Mit Einbruch der Dunkelheit wird das Tagesziel Storslett erreicht. Auf einem Parkplatz in der Nähe des Ortes macht das Sextett Halt. Die Augen sind gen Himmel gerichtet – und tatsächlich: Mit einem Mal ist der ganze Himmel mit Polarlicht übersät. Patrick Zwerger: „Ich glaube, keiner von uns hat je etwas so Schönes gesehen“.

Am siebten Tag schneit es und das Autofahren wird zur Schlitterpartie. Dazu kommt stellenweise sehr dichter Nebel, sodass man an der Nebelschlussleuchte des Vordermanns klebt. Dennoch wird noch bei Tageslicht Honningsvåg, das Städtchen nahe des Nordkaps, erreicht. Im Pub gibt’s ein paar Fläschchen Bier, jedes für acht Euro.

In einer Kolonne wird das Nordkap erreicht, 57 Euro kostet der Ausblick auf den Atlantik: „Sonst gibt es nicht viel zu sehen hier“. Auf der Fahrt in Richtung Süden wird es immer kälter. Als die Grenze nach Finnland überschritten wird, zeigt das Autothermometer minus 27 Grad an. In der Nacht spannt sich über Finnisch-Lappland ein grandioser Sternenhimmel auf. „über den endlos scheinenden, schneebedeckten Nadelwäldern erleuchtet nun wieder die Aurora Borealis die Nacht, und begleitet uns mit ihrem anmutig grünen Schein die letzten Kilometer bis zu unserem Zielort Saariselkä“ (ein weiterer Bericht folgt).

Info Der Blog ist zu finden unter www.team-schwabenstahl.de.