Münsingen Nicht alle ziehen am selben Strang

Münsingen / Jürgen Kühnemund 30.06.2018

Vertreter von Handel, Banken, Gewerbe und Industrie hatten sich zum Unternehmerfrühstück im Backhaus der Hopfenburg eingefunden. Ziel der IHK-Veranstaltung sei es den Wirtschaftsstandort Münsingen zu stärken, wie Timo Pleyer, Regionalmanager der Kammer, eingangs betonte. Das dies auch die Unternehmer wollen, zeigte die große Resonanz am Vormittag, saßen doch gut 40 Personen beisammen.

Nach einer kurzen Vorstellung der Hopfenburg durch Geschäftsführer Andreas Hartmaier ging es auch gleich in medias res. Der Titel des Vortrags von Bürgermeister Mike Münzing lautete „Wirtschaftsfreundliches Münsingen“. Von ihm gab es dazu ein klares Ja. Der Sorge um den Berufsschulstandort Münsingen trat er entschieden entgegen. An den vier Standorten im Kreis werde nicht gerüttelt, doch man müsse die Schulstandorte weiterentwickeln, sodass das Profil auch über den kreisweiten Bedarf hinausgehe. Er dachte dabei auch an einen Internatsbetrieb, sei doch Bildung eng mit Betreuung verknüpft.

Auch bei der ärztlichen Versorgung stehe man gut da, gehöre doch Münsingen zusammen mit Tübingen zu den Kommunen im Land mit einer überdurchschnittlichen Versorgung. Das sei ein Ergebnis permanenten Bemühens der Verwaltung, die aber immer mit weiteren Aufgaben gefordert sei. „Unser Aufgabengebiet reicht heute von pränatal bis postmortal“, sagte das Münsinger Stadtoberhaupt.

Zehn Millionen Euro gebe die Stadt jährlich für Bildung und Betreuung aus – fünf Millionen für die Kindergärten und fünf Millionen für die Schulen. Die Stadt habe heute eine Kaufkraftbindung von 148 Prozent. Zur Erinnerung: Vor Abzug der Bundeswehr hatte die bei 78 Prozent gelegen.

150 000 Übernachtungen im Jahr zeigen, dass es auch im Tourismus vorangehe. Gegenüber dem Vorjahr habe man ein Plus von 20 Prozent. Über den Daumen gepeilt werden durch Hotellerie, Gastronomie Dienstleister und Einzelhandel 24 Millionen Euro umgesetzt. Nicht zu vergessen sei, dass die Stadt in den letzten Jahren um 2000 Einwohner gewachsen sei.

In der anschließenden Fragerunde ging es im wesentlichen um die Innenstadtbelebung und die Breitbandversorgung.

Bei der Breitbandversorgung auf dem Land sieht Münzing ein klares Versagen der Politik. Über lange Zeit hätten die Versorger die Stadt einfach links liegen lassen. Erst seit der Kooperation mit der BLS in Sigmaringen habe sich das grundlegend geändert. „Heute stehen sich die Anbieter fast auf den Füßen“. Doch auch hier sei ein besseres Miteinander nötig. Im Industriegebiet West habe die Stadt 2,8 Millionen Euro für den Breitbandausbau investiert, aktuell sind aber nur 50 Prozent der Firmen angeschlossen und das bei einem einmaligen Betrag von 2500 Euro. Mit Kosten von sechs Millionen Euro war man ursprünglich für den Netzausbau in der Stadt mit ihren 13 Ortsteilen ausgegangen, der neueste Schätzwert liege bei 14,5 Millionen Euro.

Auch beim Leerstandsmanagement sei man gut vorangekommen, schließlich habe ein Leerstand auch ein Entwicklungspotential. Doch die Akteure müssten an einem Strang ziehen, und da setzten halt manche auf den Leerstand. 55 Millionen Euro habe die Stadt zwischenzeitlich in die Innenstadtsanierung gesteckt, doch auch hier gelte, dass manchem Hausbesitzer „die Farbe für einen neuen Anstrich zu teuer ist“. Dennoch zog Münzing ein positives Fazit: „Der Weg stimmt, die Stadt strahlt ein wirtschaftsfreundliches Klima aus“. Diese Aussage quittierten auch die Zuhörer mit viel Beifall.

Timo Pleyer, der Regionalmanager der IHK, stellte anschließend aktuelle Projekte der Kammer vor. Er sprach die zahlreichen Netzwerke ebenso an wie die Standortagentur, die KEFF (Kompetenzstelle für Energieeffizienz) und die Akademie für IT und Digitalisierung, ging auf Fördermittel von L-Bank und Wirtschaftsbank ein. Ferner erläuterte er das Moderatorenkonzept zur Unternehmensnachfolge im ländlichen Raum sowie die Projekte „Neustart für Studies“ und „Wirtschaft macht Schule“.

Den Schlusspart übernahm Hannes Bartholl von Leader Mittlere Alb  und da ging es freilich um den schnellen Weg zu Fördermitteln. Leader hat sich die Regionalentwicklung auf die Fahnen geschrieben und die „reicht von Kultur bis Gewerbe“, so Bartholl. Dazu stellte er drei Projekte in der Region vor: Hülbener Dorfladen, „Dottingen aktiv im Sommer und Winter“ (Skilift) und die Glocker Backkultur in Gomadingen. Alle drei Projekte konnten über Leader mit 40 Prozent gefördert werden.

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