Bei strahlendem Sonnenschein feierten die Engstinger am vergangenen Freitag ein ganz besonderes Ereignis: die Einweihung des Wegenetzes und die Übergabe an die Gemeinde. „Ein Tag, auf den wir lange gewartet haben. Daher haben wir – wie auch schon beim ersten Spatenstich im Jahr 2014 – perfektes Wetter für heute bestellt“, freute sich Bürgermeister Mario Storz.

Fast 60 Kilometer neue Wege

Das Wegenetz umfasst 59 Kilometer, davon 16,5 Kilometer Asphaltwege, 13 Kilometer Schotterwege und 29,5 Kilometer Grünwege. Mit einer Verfahrensgröße von 2115 Hektar rangiert das Flurneuordnungsprojekt in Engstingen unter den drei größten Verfahren des Landes. Dieser Anlass lockte nicht nur zahlreiche Bürger zum Festakt auf das Gewann Schelmenäcker, auch einige prominente Besucher folgten dem Ruf nach Engstingen.

Dem Strukturwandel in der Landwirtschaft begegnen

„Nach wie vor ist die Flurerneuerung ein zeitgemäßes Mittel, um dem starken Strukturwandel in der Landwirtschaft zu begegnen und die Entwicklung des ländlichen Raumes zu fördern“, insistierte die baden-württembergische Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Friedlinde Gurr-Hirsch MdL in ihrer Begrüßungsrede. Neue, gut ausgebaute Wege und sinnvoll geformte landwirtschaftliche Grundstücke seien eine wichtige Voraussetzung für eine effizientere Bewirtschaftung der Äcker und Wiesen. Insbesondere gut geformte Bewirtschaftungseinheiten helfen bei der Einsparung von Betriebs- und auch Pflanzenschutzmitteln.

Durch die Maßnahmen sollen jedoch nicht nur die Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft verbessert werden, auch Erholungssuchende wie etwa Radfahrer, Jogger, Skater und Wanderer sollen davon profitieren. So entstand im Rahmen der Erneuerung auch ein Weg entlang der Bundesstraße 313, der Landwirtschaft und Erholungssuchenden gleichermaßen zur Verfügung steht. „Hier sollte nicht der Individualismus im Vordergrund stehen. Im Sinne der Gemeinschaft gilt es, auch auf die anderen zu achten“, wünscht sich die Staatssekretärin.

Die Gesamtkosten des Verfahrens bezifferte sie auf 4,34 Millionen Euro. „Mit dem Wegebau wurden bereits 2,8 Millionen Euro investiert. Von Land und Bund wurden 3,21 Millionen Euro für die Finanzierung der Baukosten bereitgestellt“, ergänzte Gurr-Hirrsch.

Enormes Einsparpotenzial vorhanden

Über die Ziele des Flurneuordnungsverfahrens wusste Landrat Thomas Reumann: „Durch das optimierte Flächenmanagement und die kürzeren Wege kann ein Haupterwerbslandwirt 13 Arbeitsstunden pro Woche einsparen. Zudem können die Kraftstoffkosten um rund 20 Prozent gesenkt werden.“

Ein weiterer Vorteil sei außerdem die Beseitigung von Besitzzersplitterung, die schließlich eine Voraussetzung einer rationellen Landbewirtschaftung sei. Flurneuordnung ist sexy, lautete Reumanns Resümee.

Nach dem symbolischen Durchschnitt des roten Bandes konnten die Bürger ihr neues Wegenetz bei Apfelschorle und Berg Bier noch ordentlich zelebrieren. Ein auswahlreiches Büffet sorgte für das leibliche Wohl und die Schwäbischen Alb Musikanten boten die musikalische Begleitung des Tages.

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