Der gesamte Umstrukturierungsprozess läuft unter dem Motto „Gemeinsam in die Vielfalt wachsen“ und wird von LEADER und TRAFO gefördert.

Ziel ist es, für das Naturtheater eine neue Struktur, mehr Stabilität und vielfältigere Gestaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Geplant ist die Gründung eines Kulturvereins, der die Stadt Hayingen bei der Verwaltung entlastet und das kulturelle Leben in Hayingen und in der Region bunter macht.

Ein Verein soll gegründet werden

Zur Ideenwerkstatt waren 16 Interessierte gekommen, weitere 25 Engagierte wirkten im Hintergrund am Satzungsentwurf für den neuen Verein mit. „Wir streben die Vereinsgründung zum Ende des Jahres, spätestens Anfang des neuen Jahres an“, machte Prozessbegleiterin Babette Ulmer deutlich.

Bisher unterlag die Verwaltung und Organisation des Naturtheaters durch die Stadt dem Gemeinderatsbeschluss vom 25. April 1948, wonach jeden Sommer „Heimatfestspiele“ stattfinden sollten „in der Erwartung, dass hierdurch besonders die jahrhundertealte Tradition der Stadt Hayingen befördert und gefestigt wird“ und sich daraus eine „wirtschaftliche Belebung der Stadt und ein großer idealer Zweck“ ergeben.

Mit allen Mitteln sei anzustreben, dass keine Mehrausgaben entstehen, da „der Stadt hierdurch keine finanzielle Belastung erwachsen darf“.

Durch die Gründung eines Kulturvereins soll diese Maßgabe geändert werden. Als Zweck wird in der Satzung die Förderung von Kunst und Kultur aufgeführt, verwirklicht durch die Schaffung geeigneter ideeller und materieller Rahmenbedingungen, um generationsübergreifend kulturelle und künstlerische Projekte und Veranstaltungen aller Art ins Leben zu rufen.

„In den letzten Jahren wurden die Löcher im städtischen Haushalt durch das Naturtheater immer größer, so dass es wenig Spielraum für neue Ideen gab“, so Ulmer. Ein Verein mit Fördermitgliedern und der Möglichkeit, Fördertöpfe für Projekte anzuzapfen, könne dieses Problem lösen. „Wir versprechen uns davon Chancen, mehr Menschen an das Theater zu binden und die Struktur wie auch den Ablauf zu optimieren“.

Man will Kultur auf breiter Ebene bieten

Die Regisseure Silvie Marks und Jo Schleker haben vor allem eine breite Bürgerbeteiligung und eine erhebliche Programmerweiterung im Blick und wollen kulturelle Formate nach Hayingen bringen, um Kultur auf breiter Ebene zuzulassen.

„Bisher war das Naturtheater ein wirtschaftlicher Betrieb, doch wir wollen nicht allein von den Einnahmen der Eintrittskarten abhängig sein“.

Durch die gemeinnützige Arbeit des Vereins werde eine Vorfinanzierung von unterschiedlichen Projekten möglich, die eine ganz neue Angebotsvielfalt brächten.

Bereits Mitte September sind die Kreativwerkstätten unter der Leitung von Gisela Schleker als ein solches Projekt an den Start gegangen. Was sich hier tut, macht laut Marks und Schleker Hoffnung.

Es gibt einen Häkeltreff für jedes Alter, der die Laternen zum Naturtheater umhäkelt; eine Nähwerkstatt, die Grundkenntnisse an der Nähmaschine vermittelt; außerdem wurde in der Kostümwerkstatt damit begonnen, Kleidung zu upcyceln und aus alten Klamotten neue zu kreieren.Auch in der Technikwerkstatt tut sich was: unter der Anleitung von Michael Rechtsteiner haben schon zahlreiche Akteure im Naturtheater Hand angelegt und sich um technische Details gekümmert; im Winter soll einmal im Monat das Repair-Café öffnen, in dem kaputte Elektrogeräte wieder repariert werden. Ronald Wache bietet in seiner Werkstatt die Herstellung von Requisiten für die Bühne oder für sich selbst an.

Bei all dem geht es ums voneinander lernen und miteinander kreativ werden. Wissen, Fertigkeiten und Ideen werden zusammengebracht und weitergegeben, daraus entsteht dann im Schneeballeffekt wieder etwas völlig Neues.

Zwischen 15 und 20 Leute treffen sich auch im neuen Spielclub „Inklusiv“. Jo Schleker spricht von einer „buntgemischten Gruppe aus unterschiedlichen Lebensbereichen“ im Alter zwischen 14 und 99 Jahren.

Kooperationen tragen Früchte

Die Kooperation mit der Freien Hilfe Maria Berg, der BruderhausDiakonie und dem Asylkreis Zwiefalten trägt auch hier Früchte: „Es nehmen rund zehn Personen mit Behinderungen oder in schwierigen Lebenssituationen teil, außerdem haben wir einige Hayinger Bürger und geflüchtete Menschen“. Ende 2020 soll ein Theaterstück auf die Bühne gebracht werden, in dem es um Vielfalt geht.

Die öffentliche Förderung für die Kreativwerkstätten als auch für den Spielclub „Inklusiv“ läuft Ende 2020 aus. Ziel aber ist, dass sich der neue Kulturverein dann um die Folgeförderung kümmert. Jeder kann Partner werden, so dass Theater und Schule, Kreatives und Soziales, Kunst und Tourismus stärker zusammengedacht werden.

Die Digelfeldschule ist bereits mit im Boot, sie stellt dem Spielclub „Inklusiv“ Räume für die wöchentlichen Treffen zur Verfügung.

Für die Zukunft soll die Frage laut Jo Schleker erlaubt sein, was das Naturtheater für jeden Einzelnen sowohl organisatorisch als auch künstlerisch darstellt. Das, so ist er überzeugt, werde letztendlich über den neuen Verein entschieden: „Von unten nach oben“.

Das könnte dich auch interessieren: