Auktion Nashörner gehen für 220 Euro weg

Münsingen / Von Maria Bloching 06.07.2018

Rund 50 Interessierte waren am Donnerstagabend ins Freibad gekommen, um entweder nur zuzuschauen oder aber um Einrichtungsgegenstände und Ausstattung zu ersteigern. „Wir geben all das her, was wir hier nicht mehr benötigen“, informierte Bürgermeister Mike Münzing, der die Versteigerung durchführte und sich als unterhaltsamer und herausfordernder Auktionator erwies.

Es gehe nicht allein darum, mit dieser Initiative Finanzierungsmittel zu generieren, sondern die Bürger zu motivieren, Teil des Entwicklungsprozesses zu werden.

Viele hätten bereits im Vorfeld in Planungswerkstätten zur Neugestaltung des Freibads ihren Beitrag geleistet oder auch beim Rückbau selbst mit Hand angelegt. Schließlich soll es ein Bad für alle werden, eine Begegnungs-, Erholungs- und Sportstätte. „Im vergangenen Jahr haben 165 Kommunen in Deutschland ihre Bäder geschlossen. Heute können wir alle zeigen, dass für uns dieser Neubau für 6,2 Millionen Euro etwas Besonderes ist“, so Münzing. Bei einer solchen Investition freue man sich über jeden Cent.

Der vorliegende Versteigerungskatalog bot eine Übersicht über die rund 100 Exponate, die ersteigert werden konnten. Es gab Umkleidekabinen und Spinde, eine freitragende Dachkonstruktion und eine Solaranlage, Außenduschen und Hochsitz, Startblöcke, Rutsche und Wasserpielzeuge, Sitzkombinationen und Anti-Rutschmatten, Stühle und Regale sowie natürlich zahlreiche Dosierpumpen und eine Dosieranlage.

Doch die Nachfrage nach all diesen technischen Positionen war gleich Null, Münzing hatte hier vergeblich auf Kommunen gehofft, die günstige Austauschpumpen für ihre Bäder brauchen. Die Spinde trafen dafür schon eher den Geschmack der Bieter: „Eine tolle Sache, um vielleicht einmal die Werkstatt oder die Garage aufzuräumen“, pries Münzing an.

Auch Pfadfinder vom Schachen sprangen darauf an und deckten sich mit Spinden und einem Helmschrank aus Stahl für 110 Euro ein. Gefragt waren Sitzkombinationen und Bänke, hier schloss sich sogar spontan eine Bietergemeinschaft zusammen, um kräftig mitsteigern zu können. Letztendlich ging der Zuschlag für beide mit je 75 Euro veranschlagten Sitzkombinationen für je 135 Euro an diese Bietergemeinschaft.

Echte Schnäppchen konnten bei den Kinderspielgeräten gemacht werden. Das große Klettergerüst wurde mit 400 Euro veranschlagt und erst nach einigem Zögern ging ein Angebot für 200 Euro ein. „S’isch päp heut“, bedauerte Münzing und erteilte dem jungen Mann den Zuschlag, der wohl nun glückliche Kinder zu Hause hat. Zumal er auch die Schaukel für 100 Euro ersteigerte.

Die beiden Nashorn-Wasserspielzeuge, die seit Jahrzehnten das Bild des Kinderbeckens im Münsinger Freibad geprägt haben, bleiben auch künftig zusammen und gingen für 220 Euro weg. Auch die Federwippen konnten den Besitzer wechseln.

Eine Gruppe junger Leute ersteigerte Pflastersteine für 500 Quadratmeter zum Selbstausbauen zum Preis von 100 Euro, auch wenn sie noch nicht genau wussten, wie viel sie davon tatsächlich benötigen und wo diese dann gelegt werden. Den großen Putzwagen vom Freibad wollte niemand für 40 Euro haben, trotz der Zusage des Bürgermeisters, selbst einen Tag damit zum Putzen zu kommen.

Weder an den sechs Einstiegsleitern für je 30 Euro noch an der großen, fast neuen Einstiegstreppe aus Edelstahl für 200 Euro bestand Interesse. Für Karl Thumm vom Bäderförderverein unverständlich: „Ich könnte fast heulen, wenn ich sehe, was sie heute kostet und niemand sie haben will“. Umso mehr freute Karl Thumm sich aber, dass das Maskottchen Tommy, das seit Beginn der Planungsphase die Neuentwicklung begleitet hat, nun im Freibad bleibt.

Ein Jahr lang war der Gartenzwerg in Münsingen samt Stadtteilen unterwegs und wurde zum Gegenstand eines Wettbewerbs. Das Startgebot lag bei 55,55 Euro, Stadträtin Birgit Hartwig erhielt schließlich für 80 Euro den Zuschlag. „Ich wäre bis 200 Euro gegangen“, lachte sie nach der Versteigerung. Denn sie gab gemeinsam mit Ulla Krämer von der Stadtbücherei das Gebot ab mit dem Ziel, dass Tommy im Freibad bleiben kann. „Der gehört einfach hierher“, waren sich die beiden einig.

165

Kommunen in Deutschland haben im vergangenen Jahr ihre Bäder geschlossen, teilte Bürgermeister Mike Münzing mit. Münsingen investiert also gegen den Trend.

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