Dass Martin Rath und seine Frau Martina nun endlich ihre private Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen können, ist dem Zufall zu verdanken. Im Gespräch mit Franz Tress, der im Alten Lager das Projekt „Albgut“ ins Leben gerufen hat, erfuhren sie von seinem Wunsch, im denkmalgeschützten roten Backsteingebäude OF 7 ein Kunsthaus einzurichten. Und da mittlerweile die Privaträume des Ehepaars Rath längst nicht mehr für die umfangreiche Kunstsammlung ausreichten, ergriffen sie die einmalige Gelegenheit und mieteten das Kunsthaus an.

Vor vielen Jahren kam der Kunstliebhaber und Anwalt aus Reutlingen, Martin Rath, bei einer Auktion in den Besitz eines kleinen Gemäldes, das Salmendingen darstellte. Das weckte seine Neugier. Er informierte sich über Künstler von der Alb, erfuhr, dass es davon viele und vor allem gute gab, und so legte er sich nach und nach ganz bewusst weitere Bilder zu. „Kunst fängt nicht dort an, wo Sammler bereit sind, hunderttausende Euro für ein Gemälde zu zahlen.

Kunst gibt es überall“, ist Rath überzeugt. Und auch wenn man sich heute vielleicht keine Bilder mehr von Schafherden, von Alb-Landschaften oder von Kuhgespannen ins Wohnzimmer hänge, so seien gerade diese Gemälde es wert, in einem Museum zu hängen. „Die Schwäbische Alb hat eine Vielzahl toller Künstler hervorgebracht, die ihre Heimat mit eigenen Augen durch ihre Kunst unterschiedlich interpretiert und dargestellt haben, obwohl das Motiv das gleiche ist“. Deshalb entschied sich das Ehepaar ganz bewusst dazu, in ihrem neuen Museum möglichst viele Künstler und damit eine große Bandbreite an Stilen und Schaffenskraft zu zeigen. „Durch diese Bilder kann man die Alb auf eine ganz andere Weise erleben.

Die Künstler sind hier geboren und aufgewachsen, sie haben ihre Heimat zum Gegenstand ihrer Malerei gemacht“, erzählt Martin Rath. Immer größer sei seine Sammelleidenschaft geworden, zuhause hätte ihm mittlerweile die Möglichkeit und vor allem der Platz gefehlt, alles aufzuhängen. Deshalb machte er sich gemeinsam mit seinem Bruder Thomas Rath daran, zunächst das Obergeschoss der ehemaligen Offiziersunterkunft mit 18 Zimmern samt Flur in hellen Pastellfarben zu streichen und seine Sammlung möglichst genau zu katalogisieren.

Zu sehen sind rund 150 vorwiegend Ölgemälde von namhaften Künstlern, aber auch von Albmalern, die nur in der Region bekannt waren. Die Werke sind Dokumente der Zeitgeschichte, sie bilden aber auch das von Zeit und Raum losgelöste Heimatverständnis der Maler ab, die allesamt einen Bezug zur Schwäbischen Alb hatten. Zu einem späteren Zeitpunkt soll nach notwendiger Sanierung auch noch das Erdgeschoss zum Museum hinzugenommen werden. Die Sammlung des Ehepaars Rath gibt dafür noch Gemälde her. „Vor fast vier Jahren habe ich den Plan für „Albgut“ gemacht und darin dieses Gebäude als Kunsthaus benannt. Nun bildet die Eröffnung des Museums den Startpunkt zur Eröffnung von „Albgut““, freut sich Franz Tress.

Martin und Martina Rath seien „die Schnellsten“ gewesen, hätten nicht lange herumgetan, sondern gehandelt. „Solche Persönlichkeiten machen unser Biosphärengebiet und die Schwäbische Alb aus“. Die Gemälde passten in die Region und zu „Albgut“ mit den Gebäuden im Alten Lager, die in 1895 gebaut wurden. So auch die Offiziersunterkunft OF 7, die wie weitere drei Offiziersgebäude 1911 um eine Etage aufgestockt wurde.

Alle insgesamt sieben Offiziersgebäude sollen unterschiedlich genutzt werden. „Im Kunsthaus hatten wir den Vorteil, dass alle 18 Zimmer gelassen werden konnten, wie sie waren. Da wir die Räumlichkeiten nicht verändern mussten, zeigen sie nach wie vor, wie die Offiziere hier gelebt haben“, sagt Tress. So wird das Kunsthaus selbst inmitten einer ganz besonderen Atmosphäre wie auch die gezeigte Kunst zu einer beeindruckenden Dokumentation der Zeitgeschichte. Laut Franz Tress ist diese Eröffnung des Museums der „Anfang einer großen Entwicklung, die zur Alb, zum Biosphärengebiet und zu den Menschen hier passt“. So soll „Albgut“ im Laufe der Jahre zum Mittelpunkt des Biosphärengebiets werden, zum „Ausstrahlungspunkt“, der die Alb und den Tourismus belebt. Martin Rath zeigt sich „glücklich, hier mitmachen zu dürfen“ und hofft, dass die Ausstellung bei den Besuchern ankommt. Ihnen werden „Pferdefuhrwerke im Steinbruch“ von Erich Zeyer, „Bauer mit Ochsengespann“ von Anton Denzel, „Blick zum Spittelwald“ von Alois Mayer, die „Schwäbische Alb bei Hayingen“ von Helmut Glaßl, „Alblandschaft im Herbstkleid“ von Wilhelm Kehrer sowie auch Werke von Karl Demetz und vielen anderen Künstlern präsentiert. Idyllische Alblandschaften mit äsenden Rehen, aber auch düstere Gewitterbedrohungen, ein toter Hase und portraitierte Soldaten können hier bestaunt werden. Thomas Rath, der als Freiberufler tätig ist, wird sein Büro in das Museum verlegen und dank seiner Anwesenheit können tägliche Öffnungszeiten außer montags von 10 bis 18 Uhr angeboten werden.