Seit Montag dürfen die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse 12 (Stufe 1) wieder ins Münsinger Gymi kommen. Und auch für die Schüler der Stufe 2 (Klasse 11) geht es seit Beginn letzter Woche wieder in den Klassenzimmern weiter. Für alle anderen (Ausnahme: Zehntklässler, welche das Latinum machen), gibt es derzeit nur eine Notbetreuung. Mit rund 160 Schülern von über 500, darunter auch die 57 Abiturienten der Abschlussstufe, ist das Münsinger Gymnasium derzeit noch ein stiller Ort.

Händewaschen Pflicht

Am Boden markieren rot-weiß-gestreifte Bänder Gehrichtungen und abgesperrte Bereiche. Die Hygienestation im Eingang zur Desinfektion der Hände ist für alle Pflicht. Masken auch – solange man sich nicht im Klassenzimmer an seinem Platz befindet. Dort kann man den Mundschutz dank großzügigen Abständen zwischen den Plätzen wieder abgelegen.
Ein anspruchsvolles logistisches Konzept sichert die Einhaltung notwendiger Schutzmaßnahmen gegen das Corona-Virus, erläuterte Schulleiterin Kathrin Lehbrink. So wird zum Teil in zwei Klassenzimmern unterrichtet, damit die Schülergruppen klein bleiben. Darüber hinaus ist das Händewaschen Pflicht – vor Unterrichtsbeginn und nochmals nach der Pause. Muss eine Klasse den Unterrichtsraum wechseln, wird dieser umgehend desinfiziert – und täglich nach Schulschluss sowieso!
Nicht nur Klassenzimmer wurden zur Einhaltung der Schutzmaßnahmen teilweise ausgeräumt, erzählte Lehbrink, sondern auch der Pausenbereich erweitert:  Abstand muss sein, auch wenn er, so die Schulleiterin, „gewöhnungsbedürftig“ ist. Dass dieser allerdings in den Schulbussen gar nicht eingehalten würde, gab +, Mitglied des Schulleitungsteams, Anlass zur Kritik: Warum geht es in den  Schulbussen „ganz normal“ zu, während die Schulen einen „Riesenzirkus“ betreiben müssen? Er sieht das Landratsamt in der Pflicht, mehr Busse anzufordern und einzusetzen.

Abi in der Alenberghalle

Entspannt hingegen sehen Schulleitung und Oberstufen-Berater Joachim Heinzelmann den am 20. Mai beginnenden Abiturprüfungen entgegen: „Der Unterrichtsstoff für die Abiturienten ist durch“, daher gibt es aus Sicht der Lehrer keinen Unterschied zu einem Abi ohne Corona. Auch „die Vorbereitungen sind nicht anders als sonst.“ Weiträumig verteilt werden sich die Abiturienten in der extra dafür ausgemessenen Alenberghalle ihren schriftlichen Prüfungen widmen. Sehr zufrieden zeigten sich die Lehrer auch mit der Lern-Vorbereitung der Schüler aufs Abi. Die waren trotz Corona-Maßnahmen „so intensiv wie noch nie“, wertete Physiklehrer Martin Rost. Und „es ist sehr gut gelaufen“ schloss sich auch Englischlehrerin Nancy Corbin an.
Viel Selbstorganisation der Schüler und vor allem die von IT-Spezialistin Petra Birkenhauer entwickelte „schul.cloud“ haben am Münsinger Gymnasium dafür gesorgt, dass während des „lock-down“ „Unterricht fast in Echtzeit“ möglich war. Ähnlich wie WhatsApp vernetzt das Programm über „Channels“ die unterschiedlichsten Gruppen: Klassen, Fachbereiche, Lehrer und Kollegium können damit schnell und einfach kommunizieren. Für den digitalen Unterricht in dieser Form hat sich dabei vor allem auch die „Präsenz-Zeit“ bewährt: Die Stundenplanzeiten wurden vom Kollegium online eingehalten.

Kids motiviert

„Echt perplex“ war Direktorin Lehbrink, wie motiviert sich die „Kids“ bei dieser Art des digitalen Unterrichts zeigten: „Manche sind über sich rausgewachsen“, freut sie sich. Dennoch ist nicht alles positiv: „Das Herzstück des Unterrichts fehlt“, bedauert Geisteswissenschaftler Edgar Wagner. Austausch und Diskussion, die Kernstücke seines Unterrichts, sind über die schul.cloud nicht möglich. Ebenso wenig die notwendigen Experimente in Fächern wie Physik oder Chemie. „Alles ist deutlich schwieriger, weil keiner die Utensilien zuhause hat“, urteilte Oberstufen-Berater Joachim Heinzelmann.

Psychische Belastung

Trotz allen positiven Faktoren in der aktuellen Situation und der Freude darüber, dass Schulbesuch und Mitschüler treffen wieder möglich sind, fühlen sich die Münsinger Abiturienten in der aktuellen Situation verunsichert. Das Hin und Her, ob und wann denn nun Prüfungen stattfinden, empfanden viele von ihnen als psychische Belastung. „Das Schlimmste  war, dass es sich so in die Länge gezogen hat“, sind sich Lisa-Marie Ruopp und Katharina Ziesmann aus dem Geschichtskurs einig.
Als  „negativ belastet“, empfinden sie die kommenden Prüfungen, „weil auch alles Nette hinterher wegfällt“ – die Abschlussfahrt, die Abschlussfeier, die gemeinsame Freude. „Man kann sich nicht so richtig verabschieden“.